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Brexit: Wissen was kommt

Die „theoretische Faktenlage“ ist einfach: Der Austritt von Großbritannien aus der EU hätte signifikante Konsequenzen für Landwirte und Agribusiness-Unternehmen in ganz Europa. Großbritannien und EU hatten sich im Austrittsverfahren geeinigt, die Frist zum 31. Oktober 2019 zu verlängern. Diese wurde erneut vertagt, und im Dezember 2019 stehen, vermutlich entscheidende, Unterhauswahlen an.

Wegen der britischen Position als einer der größten europäischen Netto-Importeure würde die Agrar- und Lebensmittelbranche massiv vom Brexit berührt, wie Prof. Dr. Martin Banse, Thünen-Institut, während der Vortragsveranstaltung belegte. Darauf müsste sich umgekehrt auch die EU einstellen, denn die Gemeinschaft der künftig wohl nur noch 27 Staaten dominiert den britischen (Außen-)Handel. Verarbeitete Waren dürften laut Agrarökonom Banse stärker betroffen sein, als landwirtschaftliche Rohstoffe. Je nach Szenario könnte der EU-Export nach UK zugunsten von US-Importen sinken. In den Niederlanden, mit einem hohen Ausfuhranteil an Geflügel auf die Insel, mache sich bereits Sorge breit.  

Aktuell könnte Großbritannien zum 31. Januar 2020 austreten, wie Nick von Westenholz heute während der Veranstaltungsreihe „Ag Machinery International“ in Hannover zeigte.  Als für EU-Austritt und Handelsfragen zuständiger Funktionär des britischen Bauernverbandes NFU stellte von Westenholz die Positionen der NFU dar: „No deal“ gelte es zu vermeiden und für Agrarprodukte sowie Lebensmittel den Freihandel mit der EU aufrecht zu erhalten. Die Kontrolle über die Regularien der Produktionspraxis müsse (wieder) gewonnen werden.

Für die Saisonarbeiter will die NFU eine Lösung, sprich einen Zugang nach UK für die Arbeitskräfte. Der Verband fordert, wie von Westenholz betonte, dass „der internationale Handel die nationalen britischen Produktionsstandards respektiert“. Und schließlich wünscht sich NFU einen neuen agrarpolitischen Rahmen mit mehreren Schwerpunkten: Farmer und Lebensmittelhersteller unterstützen, die Branche produktiver und resilienter zu machen und von den Landwirten erzeugte öffentliche Güter, unter anderem besseren Umweltschutz, ausreichend zu honorieren.

Höhere Kosten und deutlich mehr Aufwand erwartet Stephen Howarth vom britischen Landmaschinenverband. Er halte den „no deal“ für sehr schwierig, aber machbar. Die Landtechnikbranche müsse dann jedoch mit fundamentalen und disruptiven Konsequenzen rechnen, erläuterte Howarth.