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Hubertus Paetow zum Jahreswechsel

Nachhaltigkeit und Tierwohl - Herausforderungen konsequent angehen

Das Jahr 2018 war eines der trockensten und mit Abstand das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Selbst im Oktober herrschten vielfach noch sommerliche Werte, und die Trockenheit begleitet uns bereits ins nächste Vegetationsjahr. 

Nicht jeder Betrieb ist davon gleich stark betroffen, am größten sind die Probleme in den nordostdeutschen Futterbaubetrieben, im Südwesten war das Jahr gut durchschnittlich. Trotzdem hat das vergangene Jahr uns als Landwirte unmissverständlich daran erinnert, dass Anpassung und Weiterentwicklung dauerhafte Aufgaben der Landwirtschaft sind.

Fortschritt im Sinne der DLG ist die Entwicklung auf ein Ziel hin. Dieses Ziel bleibt eine nachhaltige und deshalb zugleich produktive Landwirtschaft in Ackerbau und Tierhaltung. Dabei sind die Rahmenbedingungen einzuhalten, die eine Gesellschaft dem Fortschritt setzt. Diese Anforderungen ändern sich aber im Laufe der Zeit, denn auch eine Gesellschaft entwickelt sich weiter.

So liegen die Herausforderungen der Landwirtschaft in Zukunft nicht nur in der täglichen Arbeit auf dem Acker oder im Stall, sondern zunehmend im gesellschaftlichen und politischen Terrain, in der klugen Einführung von Veränderungen, die die Akzeptanz unseres Tuns in der Gesellschaft verbessern. Und diese Veränderungen müssen wir auch kommunizieren.

Dabei genügt es nicht, Bilder einer modernen Landwirtschaft zu transportieren, in der Hoffnung mehr Akzeptanz zu erzielen. Es ist eine Frage der Perspektive: Vieles von dem, was für uns Landwirte als alltäglich erscheint, lässt sich einer wenig informierten und involvierten Gesellschaft nicht einfach erklären.

Wir müssen nicht nur an der medialen Darstellung, sondern auch an den Verfahren selbst arbeiten, an deren Wirkung auf Umwelt und Tiere, aber auch an deren Wirkung auf die Gesellschaft. Vieles in dieser Richtung ist schon auf dem Weg, aber nichts ist so gut, als dass es nicht noch verbessert werden könnte.

Jede ehrliche Verbraucherforderung gibt auch die Möglichkeit zur Differenzierung. Wenn wir noch bessere, nachhaltigere Haltungsverfahren entlang der Wertschöpfungskette kommunizieren, können wir auch den nötigen Mehrwert erzielen. Denn ohne diesen Mehrwert werden Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft in Deutschland leiden.

Eine nachhaltige Landwirtschaft ist ein gesamtgesellschaftliches Projekt, bei dem Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft gefordert sind, gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln. Es beinhaltet aber auch, dass wir Landwirte uns zum Teil der Lösung machen müssen und Herausforderungen als Chancen sehen. Für den notwendigen Diskussionsprozess zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft ist nicht nur Moderation, sondern eben auch Führung gefragt. Politik muss Positionen beziehen, die als richtig erkannt werden und für diese Positionen einstehen und dafür werben - unabhängig von Medien und Mainstream.

Durch eine kluge Weiterentwicklung unserer Verfahren, begleitet von abgewogenen Entscheidungen über deren Rahmenbedingungen, haben wir es in der Hand, das gemeinsame Ziel - einer wachsenden Verbraucherschaft hochwertige Lebensmittel zur Verfügung zu stellen - zu erreichen.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes und erfolgreiches Jahr 2019!