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EPP baut Netzwerk nach Südafrika aus

Nachdem beim EPP-Congress 2018 in der Schweiz erstmals Vertreter des Verbands für Schweinefleischerzeuger in Südafrika (South African Pork Producers - SAPPO) teilgenommen haben, folgte nun ein dreitägiger Gegenbesuch in der Region Johannesburg/Praetoria.

Auf Einladung von SAPPO erhielt der DLG-Mitarbeiter und EPP-Manager Sven Häuser einen exklusiven Einblick in ein Land, das die Schweinefleischproduktion professionalisiert, um zum Beispiel auch Ausbrüche von Infektionskrankheiten wie jüngst die Listeriose künftig zu verhindern. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Schweinefleisch liegt aktuell bei 3,8 kg pro Jahr.

Mittels Anzeigenschaltungen und Verbraucheraufklärung will man verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen und mittelfristig auf das Niveau von 5,8 kg pro Jahr zurückkehren. Für diese Arbeit sowie die Beratung, Aus- und Weiterbildung von Betrieben werden 11,3 Rand pro Schlachtschwein an SAPPO abgeführt, die mit 26 Mitarbeitern sowohl für die 180 professionellen Schweinehalter zuständig ist wie auch für die knapp 4.000 „Emerging Farms“, um diese über spezielle Schulungsprogramme zu sensibilisieren und weiterzuentwickeln.   

Über Farmbesuche und Gespräche mit Praktikern, weiteren Organisationen, Vertretern der Schlacht- und Verarbeitungsindustrie sowie des Agrar-Attachés der deutschen Botschaft wurde deutlich, wie groß einerseits der Bedarf für Schulungen ist und wie professionell und zukunftsorientiert andererseits die professionellen Farmen mittlerweile aufgestellt sind.

Etwa 90.000 der landesweit 110.000 Sauen verteilen sich auf die 180 professionellen Farmen und werden dort im geschlossenen System („Farrow-to-Finish“) gehalten. Diese Betriebe haben einen hohen Biosicherheits-Standard und konnten in den letzten zwei Jahren durch verbesserte Hygiene auch den Einsatz von Antibiotika stark reduzieren – allerdings oftmals in Verbindung eines Austausches der Genetik. Feste Verträge mit Tierärzten sowie ein Rückmeldesystem für Befunddaten helfen ebenfalls dabei, den Gesundheitsstatus zu verbessern.

Obwohl es noch keine gesetzlichen Anforderungen in dieser Richtung gibt, investieren viele professionelle Betriebe bereits heute in ein Mehr an Tierwohl. „Man weiß, dass in einigen Jahren auch hier die Zügel angezogen werden und darauf will man vorbereitet sein“, so die Begründung.

Anregungen holt man sich hier gerne in Europa. Ein Besuch der EuroTier – oft in Verbindung mit Farmbesuchen in Deutschland, Holland oder Dänemark ist für viele ein „Muss“ und wurde auch in diesem Jahr mit Unterstützung von SAPPO praktiziert. Die Gruppenhaltung ab dem fünften Tag nach der Besamung wird in einigen Betrieben bereits erfolgreich durchgeführt und nun werden die ersten Freilauf-Abferkelbuchten gebaut.

Im Gegensatz zu Deutschland spielt das Thema Kastration in Südafrika keine Rolle. Alle Schweine (Eber und Sauen) werden ausnahmslos mit 22 Wochen geschlachtet, Probleme mit Ebergeruch gibt es laut Aussage eines Schlachthofbetreibers nicht. Das einzige Problem ist, dass die Tiere im Sommer 5 bis 6 kg leichter sind und eine etwas schlechtere Futterverwertung aufweisen.

Apropos Klima: Die Ställe werden alle als Außenklimaställe mit Jalousien betrieben. Zuluftkühlung findet in erster Linie in den Sauenställen statt, ansonsten wird mittels Tunnellüftung im Sommer der Luftaustausch erhöht. Nahezu alle Betriebe arbeiten mit Trockenfutterautomaten auf Vollspaltenböden, was zusätzlich zu den Lohnkosten einen weiteren Vorteil bei den Produktionskosten (190,- Euro Stallbaukosten in der Mast, Futterrationen ausschließlich auf Mais- und Sojabasis) im Vergleich zu den Berufskollegen in Nordeuropa verschafft.

Aber auch Südafrika ist nicht zuletzt aufgrund der großen Nachfrage nach Spareribs und Bacon auf Importe angewiesen. Gerne bedient man sich hier der Märkte in Europa, die einen ähnlichen Produktionsstandard und eine Uniformität der Produkte gewährleisten. Allerdings nicht um jeden Preis: Man beklagt auch hier die stark volatilen Preise und schaut sich daher auch intensiv auf Alternativmärkten wie zum Beispiel in Brasilien um.

Der Ausbau des Informationsnetzwerkes über EPP und die DLG stellt für die Betriebe in Südafrika eine gute Möglichkeit dar, sich Informationen für die Weiterentwicklung zu holen. Andererseits ist man gerne bereit, die eigenen Erfahrungen zum Beispiel bei der Gruppenhaltung ab Belegen oder dem eigenen Qualitätssicherungsprogramm zu teilen.

Beste Gelegenheit zum Austausch untereinander bietet der nächste EPP-Congress 2019 in Landshut, zu dem eine Delegation aus Südafrika am Ende des Besuchs eingeladen wurde.