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Zukunftsfähiger Ackerbau

Detlev Dölger rät: Fangen Sie an, neue Früchte oder Methoden auszuprobieren

Die beiden vergangenen Jahre haben es gezeigt: Extremwetterlagen nehmen zu und Standardrezepte, zum Beispiel bei der Aussaat, kommen an ihre Grenzen. Diese Geschehnisse haben die Diskussion um Klimawandel, Stabilität des Ackerbaus und Notwendigkeit eines Wandels verstärkt. Dabei sind ohnehin seit mehreren Jahren Probleme mit teilweise sehr engen Fruchtfolgen und Resistenzen zu erkennen. Und wie üblich: Dort, wo der Leidensdruck hoch genug ist, werden auch Änderungen vorgenommen. Beispiel dafür sind die Küsten- und Flussmarschen, denen ohne Erweiterung der Fruchtfolge die Kontrolle über den Ackerfuchsschwanz sonst komplett entgleiten würde.

Hier liegen die eigentlichen Probleme. Also nicht nur in der Veränderung des Wetters, sondern sie sind hausgemacht durch teils zu enge Fruchtfolgen, deren Kontrolle nur durch die Innovationskraft der Pflanzenschutzindustrie gelingen konnte. Doch diese Zeiten sind vorbei. Wir müssen uns mit Resistenzen, verstärkten Wirkstoffverlusten (Zulassung), kaum neuen Wirkmechanismen und dadurch weiter eingeschränkten Wirkungsgraden auseinandersetzen.

Nimmt man beides zusammen, einerseits die „hausgemachten“ Probleme eines einseitigen Ackerbaus, andererseits die schon eingetretene und noch zu erwartende Veränderung der Witterung, inklusive der Zunahme von Extremereignissen, dann kommen auf alle Betriebe Veränderungen im Ackerbau zu.

Es stellt sich nur die Frage, was überdacht werden muss. Betriebe mit weiter Fruchtfolge sind grundsätzlich gut aufgestellt, müssen aber ihre eventuell etwas eingefahrene Arbeitserledigung überdenken. Dafür stehen die beiden vergangenen Jahre. Gerade die Bodenbearbeitung ist natürlich bei Extremsituationen flexibel anzupassen. Zunächst können auch ohne Neuinvestition die Möglichkeiten der vorhandenen Technik auf den Betrieben genutzt werden, zum Beispiel indem unterschiedliche Scharformen für den entsprechenden Bodenzustand vorgehalten werden. Aber auch eine Erweiterung des Maschinenparks wird in vielen Fällen zukünftig notwendig. Erst recht, wenn Glyphosat wegfällt. Kapazitäten sind besonders in Aussaat und Pflanzenschutz gefragt, um in schwieriger Witterungslage nicht komplett ins Hintertreffen zu geraten.

Zeigen sich die Fruchtfolgen als zu eng, Vergrasung und/oder Kohlhernie erhöhen die Kosten oder führen zu sinkenden Erträgen, ist eine Erweiterung notwendig. Auch die insektizide Ausdünnung wird der Anbaudichte in einer Region, zum Beispiel von Raps, entgegenstehen. Dabei geht es um die „Wiederentdeckung“ von Kulturen (Leguminosen) oder die Neueinführung von zum Beispiel Soja. Die Lösungen werden zukünftig eher noch regionsspezifischer. In der Anbaudiversifizierung zwischen Winter- und Sommerungen gewinnt zurzeit der Mais stark an Vorzüglichkeit. Der April ist allgemein trockner und wärmer, der Sommer (zur Erntezeit der Winterungen) feuchter geworden. Dies entspricht den Ansprüchen von Kulturen wie Mais und Zuckerrübe. Die Züchtung tut ein Übriges.

Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, um Veränderungen beziehungsweise Anpassungen vorzunehmen. Faktoren wie die Standortverbesserung (Humus, Drainage etc.), Sortenwahl und eine Verschiebung der Saatzeit sind Beispiele. Hinzu kommen eine ausgewogenere Gesamtdüngung, Verbesserung der N-Effizienzen, Precision Farming und die bessere Wasserausnutzung in der Beregnung – der Werkzeugkasten bietet vieles, was auch genutzt werden muss!

Dabei müssen ein vernünftiger Ackerbau und die Betriebswirtschaft wieder zu einer Einheit werden, wobei nicht die kurzfristige Gewinnoptimierung im Vordergrund stehen sollte.

Buntes Blech ist nur das Hilfsmittel, die Arbeit gut zu erledigen. Gutes ackerbauliches Know-how ist aber zunehmend die Basis für den Erfolg. Ackerbau muss wieder sexy werden!

Vor allem aber eins: Fangen Sie an, neue Früchte oder Methoden auszuprobieren, bevor Sie den veränderten Anforderungen hinterherlaufen. Auch wenn die Probleme noch überschaubar scheinen!