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Wenn der Auditor zweimal klingelt

Nicht nur die Qualität von Kraft- und Mineralfuttern wird im Rahmen des DLG-Gütezeichens geprüft und regelmäßig kontrolliert. Bei der Zusatzprüfung „Produkt und Prozess“ unterwerfen sich die Futtermittelhersteller neben Zusatzanalysen auch noch einem jährlichen Audit des Qualitätsmanagementsystems. DLG-Prüfingenieur Sander Schwick stellt das Prüfsystem vor.

Im Rahmen der Verleihungsprüfung und der regelmäßig wiederkehrenden Kontrolluntersuchungen werden vor allem die Zusammensetzung und die begleitende Dokumentation DLG-geprüfter Futtermittel untersucht. Das heißt, der Landwirt kann sich aufgrund umfangreicher Laboruntersuchungen der im Werk, Handel oder auf Praxisbetrieben gezogenen Futtermittelproben darauf verlassen, dass die Gehalte an Mengen- und Spurenelementen, Vitaminen sowie – sofern vorhanden – Aminosäuren dem Normtyp des Futters entsprechen bzw. diesen noch übertreffen. Die Futtermittel müssen außerdem die futtermittelrechtliche Toleranz im Rahmen der Deklaration einhalten sowie mit klaren und verständlichen Fütterungshinweisen versehen sein.

Einen Schritt weiter

Drei Futtermittelhersteller gehen in ihren insgesamt fünf Futtermittelwerken aber noch einen Schritt weiter. Sie haben sich für die Prüfung und kontinuierliche Produktüberwachung mit der Zusatzprüfung „Produkt und Prozess“ entschieden. Diese besteht aus einer weitergehenden analytischen Untersuchung der Futtermittelproben sowie einem jährlichen Audit des Qualitätsmanagements in der Produktion. Eine Selbstverpflichtung zur Einhaltung des DLG-Kodex für Mischfutter ist dabei Grundvoraussetzung. So werden für die Herstellung der Futtermittel nur solche Agrarerzeugnisse und Zusatzstoffe verwendet, die für eine bedarfs- und umweltgerechte Ernährung der Nutztiere und zur Erzeugung einer hohen Milch-, Fleisch- oder Eiqualität geeignet und zugelassen sind.

Die Reinheit und Qualität dieser Erzeugnisse und Zusatzstoffe werden dadurch abgesichert, dass eine Auswahl nach Herkunft stattfindet, denn bei guter Qualität und ausreichender Preiswürdigkeit sind Rohstoffe aus der Region zu bevorzugen. Sollte auf Importware zurückgegriffen werden müssen, sind Reinheit und Qualität über Garantieerklärungen oder Zertifikate der Lieferanten abzusichern. All diese Einzelfuttermittel werden von einer Normenkommission des Zentralausschusses der Deutschen Landwirtschaft, einem Gremium der vier Agrar-Spitzenverbände Bauernverband, Raiffeisenverband, Verband der Landwirtschaftskammern und der DLG, in einer Positivliste geführt.

Da die frühere Sorge der Gesellschaft vor einem „Nicht-satt-Werden“ inzwischen der Sorge vor einem „Nicht-krank-Werden“ gewichen ist, wird Qualität immer mehr durch die Abwesenheit unerwünschter statt durch die Anwesenheit erwünschter Komponenten und Inhaltsstoffe definiert. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund sind antibiotische Leistungsförderer ein prinzipielles No-Go; auf diese wird nicht nur grundsätzlich verzichtet, sondern in der Zusatzprüfung „Produkt und Prozess“ wird die Abwesenheit solcher Hemmstoffe im Rahmen einer Stichprobe auch analytisch bestätigt. Hinzu kommt eine mikroskopische Prüfung der Futterzusammensetzung.

Jährliches Audit

Ebenfalls ist im DLG-Kodex verankert, dass dessen Einhaltung durch mindestens einmal jährliche Qualitätsaudits im Herstellerbetrieb sowie durch unangemeldete Beprobung und Untersuchung von Futtermitteln kontrolliert wird. Hier ist für die Qualitätssicherung auf der Verarbeitungsseite auf eine hohe Produktions- und Lagerhygiene nach guter fachlicher Praxis, eine präzise Dosierung unter Vermeidung von Verschleppungen sowie insgesamt einen schonenden Umgang zu achten. Dazu und ebenfalls zur Dokumentation muss ein geeignetes Qualitätsmanagementsystem verwendet werden, was auch eine Rückverfolgbarkeit für jede ausgelieferte Partie beinhaltet.

Der Nutzen liegt bei Unternehmen und Landwirt

Gemäß des „Cui-Bono-Prinzips“ („Cui bono?“, lat. „Wem nutzt es?“) ist die Frage gerechtfertigt, warum Futtermittelhersteller überhaupt den Mehraufwand für die Zusatzprüfung „Produkt und Prozess“ betreiben. Tatsächlich liegt aber der Nutzen auf beiden Seiten, also sowohl beim Hersteller als auch beim Landwirt. Die Hersteller beachten durch diese Prüfung zunächst bestimmte Nährstoffgrenzen, die durch die DLG-Standards gesetzt sind. Ferner ergänzen die DLG-Prüfungen die eigene Qualitätskontrolle zum Beispiel auf Rohstoffschwankungen oder nicht zu 100 Prozent ausschließbare Produktions- oder Deklarationsfehler. Dieser erhöhte Aufwand wird unbestritten zum Teil durch die Werbewirksamkeit des DLG-Gütezeichens wieder ausgeglichen.

Die Landwirte hingegen profitieren von einer schnellen Orientierung und der Sicherheit, ein qualitativ hochwertiges und leistungsfähiges Futtermittel in ihrem Stall einzusetzen. Das fördert die Wirtschaftlichkeit, Tiergesundheit und das Wohlbefinden ihrer Nutztiere. Da geprüfte Futtermittel mit DLG-Gütezeichen nicht nur im Werk, sondern auch im Handel und zusätzlich auch auf dem Hof von Landwirten beprobt werden, erhalten diese Probebetriebe einen kostenlosen Untersuchungsbericht mit der Bewertung ihres beprobten Futters.