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Ferkelkastration: Großer Informationsbedarf

Im Rahmen der EuroTier fanden aus aktuellem Anlass mehrere Veranstaltungen zum Thema „Ferkelkastration“ statt. Zur „Aktuellen Stunde“ im Forum Schwein fanden sich täglich über 120 Interessierte ein, um sich über zwei BLE-geförderte Projekte zur praxisgerechten Ferkelkastration mit Betäubung und postoperativer Schmerzbehandlung zu informieren. In allen Veranstaltungen wurde geschlussfolgert, dass es nur auf einen Mix aus Alternativen hinauslaufen kann, um möglichst viele Betriebe mitzunehmen.

Zusätzlich wurde am 14. November eine Podiumsdiskussion „Impfen statt Kastrieren?“ durchgeführt, die mit 80 Zuhörern – darunter viele Pressevertreter - ebenfalls sehr gut besucht war. Auf dem Podium und mit den Teilnehmern diskutierten:   

  • Prof. Dr. Lars Schrader (Friedrich-Löffler-Institut Celle):
    „Immunokastration ist die tierwohlgerechteste Alternative und bietet zudem Vorteile in der biologischen Leistung“

  • Dr. Siegfried Moder (Präsident des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte, bpt): „Immunokastration ist eine mögliche Lösung. Man sollte aber auch die Jungebermast mit Schlachtung vor Pubertätseintritt (80 bis 95 kg LG) in Betracht ziehen“

  • Prof. Dr. Daniel Mörlein (Uni Göttingen):
  • „Die Akzeptanz der Immunokastration beim Verbraucher ist höher als weithin behauptet wird“

  • Nina Blankenhagen (REWE Group):
  • „Rewe war und ist offen für alle Alternativen zur betäubungslosen Kastration und schlägt eine Aufklärungsoffensive vor“

  • Dr. Janina Willers (Verbraucherzentrale Niedersachsen):
    „Der unvorsichtige Gebrauch von Begriffen wie „Hormonfleisch“ hat zu falschen Vorurteilen beim Verbraucher geführt, man sollte den positiv besetzten Begriff der Eberimpfung verwenden“

  • Angela Dinter (ProVieh):
    „Aus Tierschutzsicht lehnen wir die Verlängerung der Übergangsfrist ab und fordern daher die Schlachthöfe auf, Fleisch von geimpften Ebern anzunehmen“

  • Reinhard Brunner (Naturland-Betrieb):
    „Mästet seit drei Jahren immunokastrierte Eber mit dreimaliger Impfung und hat bislang noch keinen „Stinker“ beanstandet bekommen“

  • Georg Freisfeld (MuD-Betrieb und Ebermäster):
    „Für konventionelle Mäster bedeuten zusätzliche Kosten von 2,- bis 3,- Euro für die Eberimpfung ungleich höhere Belastungen als für Biobetriebe“.

Bei der Diskussion mit dem Publikum wurden die Schlachthöfe und Metzger als Abnehmer der geimpften Tiere in die Pflicht genommen. Eine Verweigerungshaltung wie von einigen Schlachthöfen in der jüngsten Vergangenheit durchgeführt, dürfe es künftig nicht mehr geben. Verarbeitungsware und Export müssen vielmehr darauf ausgerichtet werden, auch Fleisch von geimpften Tieren berücksichtigen zu können.

Es gilt jetzt den Blick nach vorne zu richten, nach Schuldigen für Versäumnisse der letzten fünf Jahre zu suchen lähmt die Branche nur. Im Sinne des Tier- und Klimaschutzes sollten alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette inklusive der Politik ein Interesse am Erhalt der heimischen Ferkelerzeugung haben und an einer wissensbasierten Anerkennung von Methoden arbeiten. Die erneute Übergangsfrist sollte daher genutzt werden, um mit allen Beteiligten die Vor- und Nachteile vorurteilsfrei aufzulisten und eine möglichst breite Palette an Alternativen für die Betriebe vorzuhalten.