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Gesundes Saatgut für Futterflächen und Rasen

Am 6. November 2018 traf sich der DLG-Ausschuss „Gräser, Klee und Zwischenfrüchte“ im Gustav-Stresemann-Institut in Bonn zu seiner 59. Fachtagung. Der Saal war gut gefüllt und die 68 Teilnehmer repräsentierten vollständig die europäische Szene im Bereich der Gräsersaaten.

Zur letzten DLG-Gräsertagung - vor einem Jahr - fand nur einen Steinwurf entfernt vom Tagungsort Bonn die 23. Weltklimakonferenz statt. Spätestens in diesem Jahr wurde jeder von uns nachdenklich und fragte sich, ob das Klima und seine zukünftige Entwicklung nicht aus den Fugen geraten sind? Ein verändertes Weltklima hat direkte Auswirkungen auf die Pflanzenproduktion. Und die Folgen dieser langanhaltenden Trockenheit werden uns auch im nächsten Jahr weiter beschäftigen.

Eine Folge sind nicht nur die allgemein enttäuschenden Ernteergebnisse in nahezu allen Kulturen. Es sind hier auch die allgemein trockenen Bestellbedingungen anzusprechen, die einen schlechten Start für die Ernte 2019 bringen. „Wie die Saat - so die Ernte“. Es ist zu hoffen, dass die vereinzelten Niederschläge im September/Oktober noch rechtzeitig kamen. Mit den Auswirkungen der Trockenheit wird die Nachfrage nach Alternativen zu Mais und Grünland größer, um Futterlücken insbesondere in den Milchviehbetrieben zu schließen.

Gräsersaatgut war in diesem Sommer und Herbst so stark gefragt wie selten, nicht nur für den Futterbau, sondern auch für die Reparatur von Rasenflächen. Somit ist auch das Thema „Produktionstechnik und Wirtschaftlichkeit der Saatguterzeugung bei Gräsern, Klee und Zwischenfrüchten“, das Motto unserer Fachtagung, wieder in den Fokus gerückt.

Die Aufgabe unserer Ausschussarbeit ist es, die Produktionstechnik in den Vermehrungen abzusichern und zu optimieren. Dazu betreibt die Gruppe Pflanzenschutz unter Federführung von Klaus Gehring ein umfangreiches Versuchswesen, um hier die notwendigen Versuchsergebnisse für die Genehmigungen im Pflanzenschutz in diesen Kulturen abzusichern.

In unserer Ausschussarbeit müssen wir immer häufiger feststellen, dass politische Ausrichtungen in der Landwirtschafts- und Umweltpolitik einen stärker zunehmenden Einfluss auch auf die Möglichkeiten der Erzeugung von speziellen Kulturen wie Gräser, Klee und Zwischenfrüchte ausüben. Deshalb haben wir uns in der Vorbereitung der Tagung die Frage gestellt, wie unsere Nachbarn in Europa mit geänderten Vorgaben in ihren Ländern umgehen. Kann der Praktiker hier von den Kollegen in Dänemark und Frankreich Strategien übernehmen? Immerhin sind beide Länder führend in der Anbaufläche in Europa.

Dazu dienten die Vorträge von Bartold Feidenhans´l aus Dänemark und Samuel Liaigre aus Frankreich, die über die Entwicklungen der Gräserproduktion in ihren Ländern berichteten.

Die neue Düngeverordnung, speziell deren Auswirkung auf den Grassamenbau, hat uns in den letzten Tagungen immer beschäftigt. Da mittlerweile die Ausrichtung der Verordnung für unsere Kulturen auf Länderebene geregelt wird, steht die Frage im Raum: Worauf muss der Praktiker jetzt achten? Dieser widmete sich Dr. Hüther vom hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in seinem Beitrag.

Der Ökolandbau gewinnt im Pflanzenbau zunehmend an Bedeutung, die Saatgutproduktionen von Gras und Rotklee sind hier eine besondere Herausforderung. Das Thema wurde bewusst in das Programm genommen, weil der Erfahrungsaustausch mit den Berufskollegen aus dem Ökolandbau, gerade unter dem Gesichtspunkt der weiteren Einschränkungen in Düngung und Pflanzenschutz, dem Ausschuss wertvolle Erkenntnisse brachte. Mit Herrn Rudert konnte ein Praktiker gewonnen werden, der interessante Erfahrungen vorstellte.

Vor dem Vertrieb von allen Produkten aus der Saatguterzeugung, seien sie konventionell oder ökologisch, müssen die Normen der Saatgutverordnung in der Feldbesichtigung wie in der Beschaffenheitsprüfung erreicht werden. Aus dem Bereich der grobkörnigen Leguminosen zeigte hier ein aktuelles und strittiges Thema, der Umgang mit dem Ackerbohnenkäfer im Saatgut, beispielhaft, welche Hürden es manchmal zu meistern gilt. Prof. Dr. Kruse, Uni Hohenheim und Frau Pölitz vom Sächsischen Landesamt stellten in interessanten Beiträgen ihre Forschungsergebnisse vor.

Der Erfahrungsaustausch mit allen Experten aus der Gräserbranche ist eine wesentliche Basis für die erfolgreiche Arbeit in unserem Ausschuss, nicht nur auf der jährlichen Fachtagung, sondern auch auf unseren Fachexkursionen. Im Mai ging es nach Sachsen, dem Bundesland mit der größten Anbaufläche in Deutschland.

Der eingangs angesprochene Klimawandel stellt nicht nur neue Herausforderungen an die Anbautechnik der Saatgutvermehrer. Auch die Anforderungen an die Genetik der zu vermehrenden Kulturen ändern sich. Berichte aus der Forschung zur Trockentoleranz beim Deutschen Weidelgras von Dr. Westermeier - Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft - und zur Entwicklung von Rostresistenzmarkern für die gleiche Kulturart von Herrn Bojahr - Saatzucht Steinach – boten Einblicke in künftige Möglichkeiten der Züchtung, um mit verbesserten Sorten den neuen klimatischen Herausforderungen entgegentreten zu können.

Nach diesem besonderen Jahr stellt sich die Frage, wie die Saatgutmärkte auf eine erhöhte Nachfrage bei einer geringeren Ernte als erwartet reagieren. Herr Michael Hamann von der DSV in Lippstadt gab in altbewährter Weise einen Einblick in die aktuellen Entwicklungen beim Handel in der Saatgutwirtschaft.

Die Frage: „Wie wachsen Gräser?“ war ein glanzvoller Höhepunkt zum Abschluss der Tagung. Das Wissen um die Reaktionen der verschiedenen Gräsertypen auf Schnitt und Trockenstress sind grundlegend für die Gestaltung der anbautechnischen Maßnahmen. Prof. Martin Bocksch gab hier einen tiefgreifenden Einblick in die Pflanzenphysiologie.

Mit den 11 Referaten und der dazu gehörenden Diskussion wurde der aktuelle Sachstand zusammengetragen. Gleichzeitig haben Gäste und Teilnehmer ihr Fachwissen in den Pausen ausgetauscht und bereits Fragen für die nächste Tagung an dieser Stelle eingebracht.