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Die Aussichten auf dem Milchmarkt

Prof. Dr. Holger D. Thiele schätzt die Lage für das erste Halbjahr 2019 positiver ein

Derzeit liegt der Milchpreis für konventionelle Milch mit 4,0 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß im Mittel für Deutschland bei rund 35 Cent/kg Milch. Damit erreichen wir das Niveau von Beginn des Jahres nicht. Im Januar lag der Milchpreis noch bei 35,5 Cent und schwächte sich bis zur Spitze der Milchanlieferung im Mai auf 32,2 Cent/kg ab. Seither beobachten wir die saisonal üblichen Preisanstiege bei abnehmender Milchanlieferung.

Die Dürrefolgen in Nordeuropa haben sich für viele Marktbeobachter in unerwartet geringen Preiseffekten gezeigt. Die Anlieferungseinbrüche während der Sommermonate waren allenfalls auf Hitzestress der Milchkühe und damit nur kurzfristig zu beobachten.

Geringere Futtergrundlagen hätten einen deutlicheren Effekt sowohl auf die Milchanlieferung als auch die Milchpreise auslösen müssen. Dieser mögliche Effekt wird von vielen Analysten eher erst ab Ende des Jahres und im ersten Halbjahr des Jahres 2019 gesehen. Neben der Zeitverzögerung sind die Entwicklungen auf den internationalen Märkten entscheidend dafür, dass die Milchpreise im Dürrejahr 2018 nicht stärker ansteigen.

Nachdem die internationalen Preise für Butter und Magermilchpulver bis Mai deutliche Anstiege zeigten, ging es seither bei Butter um 24 Prozent nach unten. Die internationalen Preise für Magermilchpulver bewegen sich dagegen seit Mai seitwärts mit leichten Erhöhungstendenzen. Die nach wie vor hohen Lagerbestände bei Magermilchpulver in der EU-Intervention und auch in anderen Ländern begrenzen die sonst wahrscheinlich möglichen Preiserhöhungen.

Dieses zeigt wieder einmal eindrucksvoll, wie stark die internationalen Preise für Milchprodukte das inländische Preisniveau, trotz schwieriger Witterungsverhältnisse im Inland, beeinflussen.

In der Rohstoffbewertung der Milch schlagen sich die Preisentwicklungen der Endprodukte nieder. Lag der Kieler Rohstoffwert für Milch im letzten Jahr noch bei 35,3 Cent/kg Standardmilch, so wird für dieses Jahr derzeit vom ife Institut eine Reduzierung um 3 Cent prognostiziert. Überträgt man diese Abschätzung auf die Milcherzeugerpreise in Deutschland, dann könnten der mittlere Milchpreis im Jahr 2018 im Bereich von 33 bis 34 Cent/kg liegen, das wären dann 2,5 bis 3 Cent je kg Milch weniger für die Milcherzeuger als im Jahr zuvor.

Obwohl die Marktbewertung des Rohstoffs Milch tendenziell rückläufig ist, sieht das ife Institut von September an erst noch einen weiteren leichten Anstieg der Milcherzeugerpreise, anschließend dürfte es bis zum Dezember wieder eine abfallende Tendenz geben.

Die Milchpreisentwicklung und die Preisschwankungen im Jahr 2018 werden entscheidend geprägt durch die seit Mai rückläufigen Preise und stark schwankenden Preise für Milchfett. Die Aussichten für das erste Halbjahr 2019 werden aber allgemein als günstiger eingeschätzt als der saisonal übliche Preisdruck aufgrund der dann zunehmenden Milchanlieferungsmengen und der stagnierenden oder teilweise auch rückläufigen Nachfrage nach Milchfett.

Hauptgrund für die bisherige günstige Einschätzung der Lage im ersten Halbjahr sind zum einen mögliche Spätfolgen der dürrebedingten Futtersituation und die schwächer werdenden internationalen Wachstumsraten im Milchangebot der großen Milchexportländer. Allerdings bleibt die Preisdeckelung bei Magermilchpulver durch die EU-Lagerhaltungsmengen vorerst bestehen.

Einer deutlich positiveren Entwicklung steht allerdings auch entgegen, dass sich der chinesische Import durch einen Handelskrieg mit den USA in 2019 rückläufig entwickeln könnte. Ein weiteres Risiko für die Weltmilchmärkte ist der starke US-Dollar, der zu geringerer Kaufkraft von Schlüsselimportländern für Milchprodukte führt. Gleichwohl erhöht dieser Wechselkurseffekt die Wettbewerbsfähigkeit im Export der europäischen Milchprodukte.