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Die Reserven sind dann aufgebraucht

Milchviehhalter beziehungsweise Futterbaubetriebe stehen vor der großen Herausforderung, Winterfutter für ihre Tiere in ausreichender Menge sicherzustellen. Neben der Menge lässt auch die Qualität der geernteten Mais- und Grassilagen in diesem Jahr viele Wünsche offen. Auf den DLG-Unternehmertagen fand zu diesem Thema eine Aussprache des DLG-Ausschusses Milchproduktion und Rinderhaltung statt. Hier ein Auszug:

In Brandenburg muss bei Mais von einem Minderertrag von 30 bis 70 Prozent des mehrjährigen Durchschnitts ausgegangen werden. Der erste Schnitt Gras brachte 80 Prozent, der zweite Schnitt nur noch 20 Prozent des erwarteten Ertrages. Weitere Schnitte sind ausgeblieben, und da immer noch kein nennenswerter Niederschlag gefallen ist, wird es vorerst auch keinen Aufwuchs geben, so Detlef May von der Lehr- und Versuchsanstalt Groß Kreutz nahe Potsdam. 

Bis zum Jahresende wird mit fünf Prozent weniger Milchanlieferung gerechnet, für das kommende Jahr hängt die weniger erzeugte Milchmenge davon ab, wieviel Grobfutter in ausreichender Qualität und zu welchem Preis beschafft werden kann. 

Sehr unterschiedlich – je nachdem wo Gewitter und Regenschauer niedergegangen sind – stellt sich die Situation im Norden dar. Bei Mais reicht das Spektrum von mehr als 40 t/ha Ertrag bis zu 50 Prozent Minderertrag. Ebenso unterschiedlich ist die Situation beim Gras. 

Das Gleiche gilt für den Westen Deutschlands: Mancherorts wurden nur 20 t/ha Silomais geerntet. Graskonserven werden zwischen den Betrieben gehandelt. Dies ist auch im Hinblick auf die in Kraft getretenen Regelungen zur Stoffstrombilanz von Bedeutung.

Im südlichen Deutschland - auch hier regional unterschiedlich - gibt es bis zu 50 Prozent weniger Masseertrag bei der Maissilage und einen sehr geringen Kolbenanteil. Bei Gras sind bisher nur zwei Schnitte geerntet worden. 

Fazit

Einzelne Betriebe und Regionen sind sehr stark von der Futterknappheit betroffen. Es ist zu erwarten, dass Mais, der vormals zur CCM- oder zur Körnerernte vorgesehen war, nunmehr als Silomais für Wiederkäuer genutzt werden wird. In Biogasanlagen werden aktuell besonders im Westen andere Substratquellen wie Puten- und Hühnermist anstelle von Mais verwendet. Teilweise ist die Silomaisernte schon beendet, wo sie in anderen Jahren erst begonnen hat. 

In Hessen ist das Angebot an Silomais in den Wochenblättern groß, Interessenten sollten sehr auf die Kaufbedingungen und die Qualität der angebotenen Ware (Kolbenanteil) achten. Die Runde stellte einheitlich fest , dass die Herausforderungen der externen Wetterlage 2018 zu meistern sind – vorhandene Reserven werden aber in vielen Betrieben aufgebraucht sein. 

Nach der teilweise katastrophalen Erntesituation in 2017 mit bis zu 40 Prozent höheren Jahresniederschlägen in der zweiten Jahreshälfte und der aktuellen Trockenheit mit gravierenden Ertragseinbußen wäre ein weiteres Extremjahr für viele landwirtschaftliche Betriebe fatal. 

Zuletzt noch das Statement eines Ausschussmitgliedes an die Politik: 
„Was wir eher brauchen als finanzielle Nothilfen ist aktuell ein schöner ergiebiger Dauerregen“