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Den Ackerbau optimieren

Friedrich Stute rät, nicht einzelne Kulturen, sondern die Gesamtfruchtfolge zu betrachten

Eine Landwirtschaft in Extremjahren, wie dem diesjährigen, aber auch dem Vorjahr, zeigt immer wieder, dass die Produktion stark von der Witterung und den natürlichen Bedingungen der Umwelt abhängt. Diese Erkenntnis führt oftmals zu einer Verunsicherung über das eigene Produktionssystem. 

Verstärkt wird diese Verunsicherung zunehmend durch die ackerbaulichen Probleme in einigen Regionen, sodass die Ertrags- und Ergebnissteigerungen der vergangenen Jahre, welche sich durch einen hohen technischen, chemischen und organisatorischen Fortschritt ergeben haben, nicht mehr konstant erzielen lassen. 

Hinzu kommen sich anpassende politische Rahmenbedingungen, welche sich in der kurzfristigen Vergangenheit, durch den Wegfall von Wirkstoffen im Pflanzenschutz, einer nur geringen Anzahl von Neuzulassungen und letztlich der Düngeverordnung, erheblich auf unsere Produktionssysteme auswirken. 

Gleichzeitig ist das Marktumfeld weiterhin angespannt. Zwar sehen wir kurzfristig positive Entwicklungen im Getreidemarkt, allerdings sind vor allem die Faktormärkte in vielen Bereichen und vor allem bei knappen Produktionsfaktoren (Boden, Arbeit) weiterhin auf einem hohen Niveau, sodass kurzfristig keine nennenswerten Rentabilitätssteigerungen in Sicht sind. 

Somit ergibt sich eine gewisse Divergenz zwischen kurzfristiger Kostenoptimierung und einer nachhaltigen Produktionsausrichtung, da eine Erhöhung der Nachhaltigkeit aus ackerbaulicher Sicht zunächst mit Kosten verbunden ist. Auf Grund der beschriebenen Entwicklungen ist eine Steigerung der Nachhaltigkeit, beziehungsweise die Erhöhung der Resilienz, durch eine Verbesserung der Prozessqualität unabdingbar. Eine Produktion mit eingeschränkter Wirkstoffauswahl im Pflanzenschutz und Reglementierung der N-Düngung lässt sich nur unter Ausnutzung des ackerbaulichen Werkzeugkastens zukunftsfähig ausrichten. 

Genau hier ergibt sich die unternehmerische Herausforderung für unsere Betriebe.    

Mit Blick auf die Arbeitserledigung zeigt sich, dass in vielen Betrieben die Schlagkraft für eine hohe Prozessqualität und ein termingerechtes Arbeiten vorhanden ist. In den wirtschaftlich erfolgreichen Jahren wurden oftmals maschinelle Kapazitäten geschaffen, die nicht vollends genutzt werden. So hat es in den vergangenen zehn Jahren, bei einer deutlichen Erhöhung der Maschinenkosten (vor allem AfA) von rund 30 bis 40 Prozent, nur eine geringe Substitution der Arbeitszeit gegeben. Diese Entwicklung zeigt sehr deutlich, dass vor allem in der betrieblichen Organisation oftmals ungenutzte Potentiale liegen. 

Unter Ausnutzung dieser Potentiale lässt sich eine hohe Prozessqualität und ein sorgfältiger Ackerbau gewährleisten, ohne dass es zusätzlicher Investitionen und Kapazitätserhöhungen bedarf. 

Um die Organisation zu verbessern, sind eine intensive Analyse und Identifikation der Potentiale notwendig. Die Möglichkeiten der Optimierungen liegen dabei vor allem in grundlegenden Maßnahmen der Rationalisierung, welche jedoch konsequent umgesetzt werden und vor allem aufeinander abgestimmt sein müssen, um ein umfängliches Produktionssystem im Betrieb zu implementieren. 

Wesentliche Stellschrauben ergeben sich dabei in der Zusammenlegung beziehungsweise Blockbildung von Einzelschlägen, sodass sich eine möglichst hohe Arrondierung ergibt. Eine auf den Betrieb und die Gegebenheiten angepasste Fruchtfolge, welche sich nicht ausschließlich an der Rentabilität einzelner Kulturen orientiert, sondern an dem gesamten Produktionssystem. Das heißt eine Rentabilitätsbetrachtung der Gesamtfruchtfolge, die Berücksichtigung von ackerbaulichen Aspekten, wie einer effizienteren Ausnutzung des Stickstoffs und die Vermeidung von Resistenzbildungen sowie eine Betrachtung der arbeitswirtschaftlichen Aspekte. 

Darüber hinaus sind logistische Fragestellungen bei der optimalen Ausnutzung von Zeitfenstern und einer hohen Auslastung der Maschinen die Grundpfeiler der organisatorischen Optimierung.

Unter Besinnung auf die grundlegenden ackerbaulichen Tugenden, aber auch elementarer Grundsätze der Arbeitsorganisation und Rationalisierung, ist es möglich, die bestehenden Produktionssysteme zukunftsfähig zu gestalten und vor allem die Stabilität in Jahren schwieriger Witterungs- und Marktbedingungen zu erhöhen. 

Die Herausforderung dabei steckt im Detail und vor allem in der konsequenten Umsetzung der identifizierten Optimierungspotentiale, bei denen man sich nicht durch kurzfristige Extreme leiten lassen darf, sondern immer mittelfristige Betrachtungen heranziehen muss.