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DLG-Unternehmertage 2018

Hubertus Paetow über unternehmerische Weichenstellungen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft

Das Wetter als unbeeinflussbare Größe ruft nach schneller Problemlösung, insbesondere für Rinderhalter. Da ihre Tiere auf Grobfutter angewiesen sind, muss die Futterversorgung bis zum Anschluss an die neue Ernte sichergestellt werden. Dazu ist, wenn möglich, Zukauf von Futter notwendig, auch wenn die Preise stark gestiegen sind. Der Bestandsabbau von beispielweise Milchkühen ist im Vergleich zum Futterzukauf unattraktiv, da er den Betrieb doppelt belastet: Einerseits durch sofortige Einnahmeverluste und andererseits durch zu hohe Kosten bei späterem Wiederaufbau des Bestandes.

Gleichzeitig gilt es, schon jetzt die Weichen für die Futterernte 2019 zu stellen: So ist der Anbau von Ackerfutter statt Marktfrüchten ein mögliches Instrument, um neue Reserven anzulegen. Um die Ertragskraft zu erhalten und zu stärken, braucht auch das Grünland Aufmerksamkeit, da mögliche Narbenschäden durch Nachsaaten im kommenden Herbst zu beheben sind.

Die Trockenheit des Jahres 2018 bringt zwar ihre ganz besonderen Probleme mit sich, dennoch bleiben auch die grundsätzlichen Herausforderungen bestehen. In vielen Regionen zeigen resistente Unkraut- und Schadinsektenpopulationen bei schrumpfender Wirkstoffverfügbarkeit im chemischen Pflanzenschutz die Grenzen der Ackerbausysteme auf. Nährstoffverluste und Rückgang der Biodiversität sind nach wie vor nicht gelöst. Die Infragestellung erprobter ackerbaulicher Konzepte und der „guten fachlichen Praxis“ erfordert wirksame Reaktionen.

Anspruch im Ackerbau muss es zukünftig sein, die Termine der Anbaumaßnahmen von der Aussaat über die Düngung bis hin zum Pflanzenschutz noch genauer im Blick zu haben, um diese zum optimalen Zeitpunkt durchführen zu können. Hierzu bedarf es hoher Schlagkraft und effizienter Betriebsabläufe. Dazu ist es erforderlich, das Betriebskonzept mit jeweiliger Mechanisierung und Arbeitsorganisation zu überdenken und anzupassen. Optimale Arbeitserledigung etabliert gesunde und stabile Bestände, die keinen „Reparaturbedarf“ durch höhere Stickstoffgaben haben und durch optimale Bewurzelung mit Trockenphasen besser zurechtkommen.

Auch Tierhalter sind weiterhin auf ganzer Linie gefordert, die Daueraufgabe „mehr Tierwohl“ zu realisieren. Potenzial bieten Ansätze zur Einzeltierbeobachtung und die Nutzung digitaler Instrumente. Diese bieten die Möglichkeit, auch in großen Einheiten jedes einzelne Tier bestmöglich zu betreuen – unabhängig vom Haltungsverfahren. In der Milchviehhaltung ist eine detaillierte Tierbeobachtung – vom Liege- über das Fressverhalten bis hin zur Aktivität der Tiere – Grundlage dafür, Schwächen im Haltungssystem frühzeitig zu identifizieren und besser an die Bedürfnisse der Tiere anzupassen.

Ein Lösungsweg für die Baustelle Nährstoffmanagement liegt im Bereich der bedarfsgerechten Wirtschaftsdüngerverwertung, die als gemeinsame Aufgabe von Ackerbau und Tierhaltung verstanden werden muss. Abgestimmte Maßnahmen über die gesamte Wirtschaftsdüngerkette und neue Organisationsmodelle in der Logistik sind erfolgversprechende Ansätze. Messungen des Nährstoffgehaltes bei der Ausbringung und verlustminimierende Ausbringungsverfahren können die Gülledüngung noch genauer und effizienter machen.

Diese Fortschritte müssen wir dringend einführen und weiterentwickeln, damit die Vorgaben der neuen Düngeverordnung nicht dazu führen, dass Ackerbaubetriebe künftig auf den Wirtschaftsdüngereinsatz verzichten. Zu wertvoll ist dieser für die organische Substanz im Boden auch mit Blick auf die Klimawirksamkeit der Landwirtschaft.

Von der GAP-Reform über extreme Witterungsverhältnisse bis hin zur Tierwohldebatte - in Zeiten vielfältiger Änderungen der Rahmenbedingungen kommt es mehr denn je darauf an, sich mit den Besten der Branche auszutauschen. Denn Wissen und Können ist keine Einbahnstraße, sondern entsteht durch Ideenaustausch und Vernetzung.
Diskutieren Sie mit uns die entscheidenden unternehmerischen Herausforderungen unserer Zeit, um zahlreiche Anregungen für Ihren eigenen Betrieb zu gewinnen.

Ich lade Sie sehr herzlich zu den DLG-Unternehmertagen 2018 ein und freue mich auf Ihr Kommen.