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Was tun im Stall gegen Hitze?

Unabhängig von Vorschriften ist für die meisten Betriebe entscheidend, die ‚Temperaturschmerzgrenze’ von 30 °C zu knacken. Erfahrungsgemäß halten die Sauen wie auch Mastschweine unter 30 °C viel aus, darüber aber nicht.

Licht ist auch Wärme

Mit dem Ziel, den Schweinen an das Tageslicht angepasste Aktivitätsphasen zu ermöglichen, werden Flächen im Gebäude gefordert durch die ‚natürliches Licht’ einfallen kann. Messungen zeigen aber, dass die Durchlässigkeit für Licht vor allem auch den Wärmeeintritt fördert.

Moderne Stallfenster sind heute weniger Kälte- als viel mehr Wärmebrücken. Die geforderte Größe von 3 Prozent der Stallgrundfläche muss nicht unbedingt aus Fenstern im eigentlichen Sinne bestehen. Eine hohe Lichtdurchlässigkeit der Fensterflächen kann im Sommer, insbesondere in den Buchten in Fensternähe, ein erheblicher Nachteil sein.

Auch Glasbausteine, Milchglasscheiben, Lichtkuppeln und so weiter sind möglich, genauso kann der Tageslichteintritt auch indirekt über den Verbinder gewährleistet beziehungsweise unterstützt werden. Aber die Erfahrung zeigt auch, dass gerade die Lichtkuppeln bei bestimmten Stallsystemen (Dach=Decke) bei senkrecht stehender Sonne zum Problem beitragen und es weniger lösen. Hier müssen die Haltungsgruppen groß genug sein, damit die Schweine die Wahl haben einen alternativen Liegeplatz zu suchen.

Beschattungseinrichtungen (Bäume oder Büsche) und entsprechende Dachüberstände sowie die Anordnung (nicht nach Süden) und die Anbringungshöhe der Fenster (eher hoch als niedrig) können im Sommer erhebliche Vorteile bringen. Darüber hinaus ist es gesetzlich nicht erlaubt, Lichteintrittsflächen dauerhaft zu verdunkeln.

Jalousien (Stellbretter) können aber außen angebracht das eintretende Licht auch zu bestimmten Tageszeiten brechen, setzen aber auch hier wiederum baulichen Aufwand voraus. Im einfachsten Fall können klare Fensterscheiben mit dünner Kalkmilch Licht und damit Wärme undurchlässiger gemacht werden.

Möglicherweise fehlendes Licht muss aber mit Kunstlicht über eine Dauer von acht Stunden ausgeglichen werden. Die Anforderungen gelten auch für Ställe in denen mindestens 3 Prozent Fensterfläche vorhanden sind. Aber auch die meisten zurzeit noch verwendeten Lampen im Stall sind Wärmequellen, hier sollte die LED-Technik zukünftig Abhilfe schaffen.

Kühlung ist besser als Strömung

Effektiver als die Luftbewegung über Ventilation kann die Kühlung der Stallluft sein. Unterflur zugeführte Zuluft (Erdwärmetauscher, Erdwärmespeicher, Grundwasserkühler, Schotterkühler) kann sich auf dem Weg in den Stall nur ausreichend abkühlen, wenn auch ein entsprechender baulicher Aufwand betrieben wird.

Der in Aussicht gestellte Effekt von 3 bis 5 °C Abkühlung der Zuluft kann physikalisch nur erreicht werden, wenn die Luft tief und langsam genug (Kanaldimensionierung oder 2 m Verlegetiefe) unter dem Stall durchgeführt wird, was mit geringem baulichem Aufwand eigentlich nicht möglich ist.

Das gleiche gilt für die Hochdruckkühlungen, die 2 bis 5 °C Abkühlung bringen sollen. An diesen haben sich einige Praktiker mit Selbstbaulösungen gewagt, die aber selten überzeugend funktionieren. Damit Kleinsttröpfchen in der Schwebe bleiben und keine Rutschbahnen und Dampfküchen entstehen, sind nicht nur mindestens 7 bar Druck erforderlich, es müssen auch 30 kg Wasser je 10.000 m³ Luft vernebelt werden. Auch sind die Intervalle der Einschaltzeiten in jedem Abteil exakt einzustellen.

Vor allem im Abferkelbereich darf der Nebel nicht den Fußboden (Ferkelnester) erreichen. Hier gilt es vor allem, wenig Abwärme zu erzeugen. Für Ferkel führende Sauen belastend wirken heute auch die großen Ferkelnester (>0,75 m²), insbesondere wenn die Abferkelabteile wie heute ebenfalls groß sind.

Die Vorlauftemperaturen können soweit abgesenkt werden, dass die Oberflächentemperaturen sinken und so die Nester sowie die Warmwasser führenden Leitungen weniger Abwärme produzieren. Aber auch das hat seine Grenzen.

Praktische Beobachtungen zeigen, dass nicht nur die Ferkelnester aus Aluminium (Metall), sondern auch aus Kunststoff (vollflächige Wasserdurchströmung) nicht ganz abgeschaltet werden können, weil sonst die Ferkel das Nest heizen und nicht umgekehrt.

Hier muss einzelbetrieblich geprüft werden, wie weit man altersabhängig die Temperaturen (<30 °C) absenken kann, ohne dass die Akzeptanz der Ferkel völlig verloren geht. Denn eine wichtige Aufgabe der Ferkelnester ist, die Ferkel aus dem erdrückungsgefährlichen Aufenthaltsbereich der Sauen herauszuhalten. Die Ferkelnester sollten von unten, sowie die Zuleitungen rundherum abisoliert sein

Schwachpunkt aller Ansätze die Stallluft mit Wasser zu kühlen, ist die neben dem Wetter auch die vom Tierbesatz abhängige Luftfeuchtigkeit im Stall, diese muss niedrig genug (< 60 bis 70 Prozent) sein. Ist die Stallluft so trocken, kann auch über die Befeuchtung der Stallgänge Linderung erreicht werden. Die Schweine selbst zu befeuchten, hilft in Extremsituationen.

Die Absorptionskältetechnik über elektrisch oder gasgetriebene Kältemaschinen war bislang aufgrund des extremen Energieverbrauchs (330 kW/1000 Mastplätze) Zukunftsmusik. Mittlerweile gelingt es aber technisch Biogasabwärme, die gerade im Sommer im hohen Maße überschüssig ist, in ausreichender Menge in Kälte zu verwandeln.

Perspektive

Mit technischem Aufwand (Erdwärmetauscher, Unterflurzuluftführung, Hochdruckverneblung und so weiter) gelingt es, die Temperatur im Stall um 3 bis 5 C° herunter zu kühlen. Betriebe, die solche Möglichkeiten nicht haben, können bei trockener Luft auch mit dem Wasserschlauch oder der Einweichanlage etwas erreichen. Gelingt es mit viel oder wenig Technik, die Temperaturspitzen von über 30 °C zu kappen, dann ist schon viel geschafft.

Grundlage für ein erträgliches Sommerklima bieten ausreichende Gebäude- beziehungsweise Abteilhöhen, die für genügend pufferndes Raumvolumen sorgen.

Die größte Wärmebrücke sind die Fenster. Diese dürfen zwar nicht dauerhaft verdunkelt werden, es gibt aber einige Maßnahmen mit denen man die Licht- und damit Wärmeintensität zeitweilig reduzieren kann.

In heißen Sommern sollten die Besatzdichte und auch die Schlachtgewichte nicht zu hoch gewählt werden. Weil es gerade zum Ende der Mast eng in der Bucht wird, entlastet ein 2 bis 3 kg geringeres Verkaufsgewicht die Stoffwechselbelastung.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage, wie und wann man das Futter in die Tiere reinbringt ohne dass die anfallende Stoffwechselwärme sie überfordert. Die Futter sollten zumindest im Sommer auf den Einzelbetrieb zugeschnitten werden und für laktierende Sauen oder Endmastschweine nicht mehr als 13,0 MJ ME, eher weniger, enthalten. Auch zu hohe Rohproteingehalte (<18 Prozent) belasten und erfordern größere Wassermengen. Generell ist im Sommer auf eine optimale Anbringhöhe der Tränken und eine optimale Durchflussrate des Wassers besonders zu achten. 

Autor: Eckhard Meyer, LfULG, Versuchsgut Köllitsch in Sachsen, Mitglied im DLG-Arbeitskreis Haltungs- und Fütterungstechnik Schwein.