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Wende am Weizenmarkt

Klaus-Dieter Schumacher fasst die Situation am internationalen Weizenmarkt zusammen

Hitze und Trockenheit haben in diesem Jahr nicht nur in Deutschland, sondern auch in Polen, den baltischen Staaten und Skandinavien zu starken Ertragsverlusten und deutlich kleineren Getreideernten geführt. Eine ähnliche Entwicklung ist aber auch in anderen Ländern, insbesondere in einigen der führenden Ausfuhrländer für Weizen zu verzeichnen.

Damit hat sich die Versorgungslage auf dem internationalen Getreidemarkt drastisch verändert: Nach mehr oder weniger vier Rekordernten in Folge kommt es 2018/19 erstmals wieder zu einem deutlichen Abbau der Lagerbestände. Und insbesondere die Weizenpreise haben reagiert und ihre höchsten Niveaus seit rund zwei Jahren erreicht.

An der MATIF lagen die Dezember-Notierungen für Weizen in der letzten Woche erstmals wieder über 200,- Euro/t und vieles deutet daraufhin, dass wir es mit einem nachhaltigen Preisaufschwung zu tun haben, zumal die Weizenernte in der EU von einigen Marktbeobachtern mittlerweile auf unter 130 Mio. t geschätzt wird, ein Rückgang um gut 10 Prozent im Vergleich zu den 143 Mio. t in 2017.

Aber dies alleine hätte für eine anhaltende Trendwende bei den Preisen nicht ausgereicht. Dafür waren weitere Ertrags- und Produktionsrückgänge in anderen bedeutenden Exportländern notwendig. Und diese sind in diesem Jahr für Russland, das größte Weizenexportland der vergangenen zwei Jahre, die Ukraine, Kasachstan und Australien zu verzeichnen. Dagegen fallen in Kanada und insbesondere in den USA die Ernten besser aus als 2017.

Insgesamt aber wird auf Basis der jüngsten Schätzung des internationalen Getreiderates 2018/19 mit nur ca. 720 Mio. t die niedrigste Weizenernte der letzten fünf Jahre eingebracht werden, ein Rückgang um gut 5 Prozent im Vergleich zu den knapp 760 Mio. t des Vorjahres. Diese prozentuale Veränderung erscheint auf den ersten Blick relativ klein. Da aber der Verbrauch stabil erwartet wird, kommt es zu einem kräftigen Abbau der Lagerbestände um ca. 20 Mio. auf rund 245 Mio. t.

Der Bestandsabbau findet wegen der kleineren Produktion vor allem in den großen Weizenexportländern außer den USA statt. Insgesamt dürften die EU, Russland, die Ukraine, Kanada und Australien rund 25 Mio. t weniger Weizen als im Vorjahr produzieren. Der Löwenanteil wird dabei mit rund 15 Mio. t auf Russland entfallen. Entsprechend dürften die Weizenausfuhren Russlands 2018/19 um rund 8 bis 10 Mio. t sinken. Zudem sieht es danach aus, dass – wie auch in der Ukraine und in Rumänien – die Qualitäten schlechter ausfallen, so dass der Mahlweizenanteil geringer ausfällt als in den letzten beiden Jahren.

Kann die EU und der deutsche Weizenexport von dieser Situation profitieren? Theoretisch ja, denn gerade in Deutschland sind die Qualitäten gut. Allerdings werden leider die Mengen fehlen. Insgesamt wird die Versorgungslage in der EU so angespannt sein wie zuletzt 2012/13. Falls die EU-Ernte in diesem Jahr tatsächlich unter 130 Mio. t rutscht, kann die EU nur deutlich weniger als 20 Mio. t – vor allem aus Frankreich und Rumänien – exportieren. Profitieren werden dagegen die USA, die in diesem Jahr nicht nur eine größere Ernte einfahren, sondern auch über hohe Lagerbestände verfügen.

Die Märkte werden in den nächsten Wochen das Auf und Ab der Produktionsschätzungen sehr genau verfolgen. Auch wenn mittlerweile ein Großteil der veränderten Angebotssituation eingepreist sein dürfte, sind kurzfristige Preisrückgänge temporär immer wieder möglich. Deshalb sollten Verkaufschancen zwischendurch immer wieder genutzt werden.