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Genomische Selektion wird bald Standard sein

Sind wir in der Züchtung von Milchvieh auf dem richtigen Kurs? Wie können wir erfolgreicher selektieren? Diesen Fragen widmete sich Dr. Stefan Rensing in seinem Vortrag „Zuchtziele auf dem Prüfstand – wo stehen wir jetzt, wo in Zukunft?“ im Rahmen des 15. DLG-Forums Spitzenbetriebe Milcherzeugung 2018.

Er sieht eine große Chance in der genomischen Selektion, die es Milchviehbetrieben ermöglicht, auch auf der weiblichen Seite zu selektieren und Zuchtfortschritt zu beschleunigen. Milchviehbetriebe können dadurch das genetische Potenzial und damit die Wirtschaftlichkeit ihrer Herde deutlich verbessern und neben einer höheren Milchleistung auch die Langlebigkeit ihrer Kühe steigern.

Auswertungen des Forums Spitzenbetriebe zeigen, dass auf vielen Betrieben im Bereich der Jungviehaufzucht große ökonomische Reserven zu heben sind. Im Durchschnitt verursacht die Produktion einer Färse Vollkosten von rund 2.000 Euro. Zusätzlich herrscht auf vielen Betrieben Flächenknappheit. Eine Reduktion der Färsenaufzucht bei gleichzeitigem Zuchtfortschritt ist durch den Einsatz der genomischen Selektion in den Rassen Holsteins und Braunvieh nun leichter zu realisieren.

So können bereits die weiblichen Kälber mittels einer Gewebeprobe beim Einziehen der Ohrmarke und der anschließenden Laboruntersuchung der Probe typisiert werden. Der Betrieb erhält alle für die Selektion erforderlichen Zuchtwerte und die Selektion kann bereits bei den weiblichen Kälbern erfolgen. Das spart immense Aufzuchtkosten.

Jörg Stubbemann, Milchviehhalter aus Delmenhorst, berichtete in einem Arbeitskreis des Forums, dass er überrascht war, wie groß die Streuung innerhalb seiner Herde in der Genotypisierung des Merkmals Milchleistung war. Schließlich hat er immer gute Bullen eingesetzt. Dieses Beispiel zeigt, dass die Herdentypisierung wichtige Zusatzinformationen liefert. Kühe mit schlechten genomischen Zuchtwerten werden mit Fleischrasse-Bullen angepaart. Um ausreichend weibliche Kälber zu bekommen, setzt Stubbemann zukünftig gesextes Sperma auf Tiere mit den besseren genomischen Zuchtwerten ein.

Die Herdentypisierung kann sowohl Aufzuchtkosten einsparen, als auch einen deutlich schnelleren Zuchterfolg realisieren. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis Herdentypisierung und genomische Selektion Standardverfahren in Milchviehbetrieben werden.