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Silagen und Heu werden wohl wieder „Marktfrüchte“

Jürgen Pickert zu den Folgen zweier Extremjahre auf die Futterversorgung

Beim Thema Trockenheit blickt man erfahrungsgemäß zuerst auf den klimatisch eher kontinentalen, das heißt durch Temperaturextreme und Niederschlagsdefizite geprägten Osten Deutschlands. Zu Recht, angesichts seiner im Normalfall auf 500 mm begrenzten Niederschlagsmenge, im Vergleich zu 1.000 mm im Jahr weiter westlich oder südlich.

Wenn man sich jedoch mit den Besonderheiten der aktuellen Trockenheit und deren Auswirkungen auf die Futterversorgung befassen will, kommt man nicht umhin, zuvor einen Blick auf die Witterungsereignisse des Jahres 2017 zu werfen. Im vergangenen Jahr schlug das Niederschlagspendel genau in die entgegengesetzte Richtung aus und bescherte den Landwirten dort ab Ende Juni mehr als das Dreifache der üblichen Regenmengen und setzte innerhalb weniger Tage Grünland und manche Ortslagen in den Niederungen gleichermaßen großflächig unter Wasser, das erst im Frühjahr dieses Jahres wieder aus den Flächen ging. Die Futterknappheit und das Aufbrauchen der „Reserven“ starteten daher bereits im Vorjahr, denn vielerorts konnten nur die ersten beiden Aufwüchse geerntet werden. Den Landwirten steckt das noch in den Gliedern.

Wo vor genau einem Jahr die Gummistiefel nicht ausreichten, sind nun seit einigen Wochen die Gräben trocken. Kältebedingt war der erste Grünlandaufwuchs dieses Jahres nur mäßig, aufgrund der Trockenheit gilt das auch für den zweiten. Vielerorts wuchs überhaupt kein mähwürdiger Bestand heran. Und der dritte? Und der vierte? Auch ältere Berufskollegen haben solch lange Zeiträume ausbleibender Niederschläge in Verbindung mit sehr hohen Temperaturen noch nicht beobachtet. Die Hundstage taten aktuell ihr Übriges. In besonders betroffenen Betrieben wird die Reduzierung der Tierbestände vorbereitet.

Von den Niederschlägen der letzten Tage, so punktuell unterschiedlich sie auch aufgetreten sind, profitierte noch der Mais. Als C4-Pflanze kam er unter den subtropischen Bedingungen dieses Jahres auch in den Dürregebieten lange auf vielen Schlägen gut zurecht, aber bei Weitem nicht auf allen. Inzwischen zeigen die Fahnen, zuweilen nur in anderthalb Meter Höhe, das Ende des Massenwachstums an, und Ernüchterung über die Ertragserwartung macht sich breit.

Der Regen hatte auch das Grünlandwachstum wieder in Gang gebracht. Im Gegensatz zu Ackerfutter, das auf Mineralboden leidet wie die dort angebauten Marktfrüchte, spielt das in den meisten Regionen tatsächlich auf die absoluten Dauergrünlandstandorte in den Niederungen zurückgedrängte Grünland doch eine spezielle Rolle. Aber selbst bei überdurchschnittlichen Erträgen im dritten und vierten Schnitt werden die Futterlücken nicht zu schließen sein. Gras- und Maissilage oder Heu werden 2018/19 wohl wieder zur „Marktfrucht“, für den einen finanziell betriebsgefährdend, für den anderen lukrativ.

Wie vorbeugend handeln, nach zwei so unterschiedlichen Jahren? Grundfutterreserven auffüllen. Eignung des angebauten Ackerfutters für den jeweiligen Standort kritisch prüfen. Den Zwischenfruchtbau auf Futternutzung ausrichten und gegebenenfalls ausdehnen. Alles verfügbare Wasser so lange es geht in der Landschaft halten ohne die Handlungsfähigkeit aufs Spiel zu setzen, überschüssige Mengen schnell abführen zu können. Das stellt hohe Anforderungen an die Be- und Entwässerungssysteme in den Niederungen und bedeutet mancherorts höhere Kosten. Da diese Wetterextreme aber offenkundig nicht mehr als Ausnahmesituationen abgetan werden dürfen, bleibt keine andere Wahl.

Der aus Angeln in Schleswig-Holstein stammende und zuletzt in Paulinenaue in Brandenburg wirkende Asmus Petersen hat schon vor 50 Jahren den Rahmen der Futterproduktion „Vom Fließen des Wassers bis zum Fließen der Milch“ gesteckt. Das hat 2017 und 2018 wieder eine brandaktuelle Bedeutung erlangt.