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DLG-PowerMix-Datenblatt: Mehr drin als nur Verbrauch

„Wenn ich zwei Schleppertypen mit gleicher Motorleistung vergleichen möchte, kann ich nicht erkennen, welcher der beiden ‚besser geht‘.“ Wenn nicht gerade Prüfberichte zu bestimmten Traktortypen, meistens vom Gebraucht- oder Oldtimermarkt, angefragt werden, sind es solche oder ähnliche Anfragen, die das DLG-Testzentrum in regelmäßigen Abständen erreichen. Wir nutzen diesen Anlass, um ein paar Tipps zu geben, was man denn in einem DLG-PowerMix-Datenblatt so alles an Informationen und Vergleichsmöglichkeiten finden kann.

1. Die Titelseite

Auf den ersten Blick fallen das Titelbild und die genaue Bezeichnung des Traktors ins Auge. Für Sie wichtig ist der Kontakt zum Hersteller, da deren Webseite natürlich weitere Details zum Abruf bereitstellt. Ganz sicher sollten Sie aber auf das Prüfzeichen achten. Denn nur eine Landmaschine mit Prüfzeichen hat eine DLG-Prüfung bestanden, ohne Prüfzeichen kann sowohl „durchgefallen“ als auch „nicht angetreten“ bedeuten. Mit der Nummer des Prüfberichts im Prüfzeichen finden Sie diesen auf der DLG-Webseite immer wieder und wir über die Prüfungsnummer die Rohdaten in unserer Datenbank.

2. Die technischen Daten

Wie groß, wie schwer, welcher Motor, welcher Getriebetyp – auf der zweiten Seite haben wir die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten vom Hersteller abgefordert und für Sie auf einen Blick zusammengestellt. Unter der Überschrift „Testbedingungen“ finden Sie aber auch schon die ersten für die Prüfung relevanten Daten. Hier können Sie nachlesen, wie hoch und an welchen Stellen der Traktor ballastiert wurde und wie sich die Achslast verteilt. Auch den Reifendruck während der Prüfung geben wir immer an.

3. Zapfwellen-Leistungsprüfstand

Je nachdem, ob die Software des Traktors eine sogenannte „Boost“-Funktion aufweist, gibt es diese Seite ein- oder zweimal („Standard“ und „Boost“). Im letzteren Fall wird über die elektronische Einspritzanlage die Motorleistung unter bestimmten, durch die Getriebeauslegung vorgegebenen Bedingungen erhöht. Dies kann beispielsweise bei höheren Fahrgeschwindigkeiten und einem geringeren Drehmomentbedarf, also bei Transportarbeiten, der Fall sein, oder wenn ein Teil der Leistung nicht mehr auf dem Antriebsstrang, sondern auf dem Nebenantrieb, das heißt der Zapfwelle, abgerufen wird.

Der Fahrantrieb ist also auf die möglichen Drehmomente im Rahmen der Standardleistung ausgelegt. Im Diagramm (Bild 1) sind die verschiedenen Messergebnisse auf dem Zapfwellen-Leistungsprüfstand in Abhängigkeit von der Motordrehzahl grafisch dargestellt. Im oberen Bereich finden sich die maximale Leistung und das dazugehörige Drehmoment. Im mittleren Bereich sind der absolute und der spezifische Kraftstoffverbrauch in kg/h beziehungsweise g/kWh aufgetragen, während im unteren Bereich der AdBlue-Verbrauch in den Dimensionen absolut (in kg/h), relativ (Verhältnis zum Dieselverbrauch, in Vol.-Prozent) und spezifisch (in g/kWh) dargestellt wird.

Zur besseren Vergleichbarkeit werden, neben den in der Grafik dargestellten Volllastkurven, die Verbräuche an verschiedenen, im Rahmen der OECD Tractor Codes weltweit standardisierten Teillastpunkten gemessen. Unter dem Diagramm befinden sich noch Angaben zum Drehmomentanstieg, dem zugehörigen Drehzahlabfall und zum Anfahrdrehmoment.

4. PowerMix-Feldarbeit

Grundsätzlich wird für jedes im PowerMix zu testende Fahrzeug vorab das passende Anbaugerät hinsichtlich Arbeitsbreite beziehungsweise Leistungsbedarf bestimmt. Falls die Boostleistung bei dieser Arbeit verfügbar ist, wird sie bei der Definition berücksichtigt.

Während der reinen Zugleistungszyklen, also bei hoher Drehmomentbelastung am Fahrantrieb (Pflügen, Grubbern), ist die Boostleistung nicht verfügbar, bei einer entsprechenden Leistungsabgabe über den Zapfwellenabtrieb oder während Transportfahrten dagegen schon. Insofern werden die Zugleistungszyklen auch auf die niedrigere Motorleistung ohne Boost skaliert, während bei den Belastungszuständen mit Boost eine entsprechende Schippe draufgelegt wird.

In den zwölf Feldzyklen des DLG-PowerMix wird dem Traktor Zugarbeit, Zug- und Zapfwellenarbeit oder Zug-, Zapfwellen- und Hydraulikarbeit in verschiedener Auslastungshöhe und unterschiedlichem dynamischem Lastverhalten abverlangt. Bei jeder dieser typischen Feldarbeiten wird der spezifische Kraftstoff- und AdBlue-Verbrauch bestimmt. Aus den spezifischen Verbräuchen der Feldzyklen wird der mittlere spezifische Verbrauch bei der Feldarbeit berechnet und grafisch dargestellt.

Für diejenigen, die gerne in anderen Dimensionen rechnen: In der Tabelle findet man auch den absoluten Kraftstoffverbrauch in den Dimensionen kg/h oder l/h für die einzelnen Belastungsarten. In der Spalte Gesamtleistung wird die mittlere über den Zyklus gelieferte Nutzleistung angegeben. Sieht man sich das Datenblatt eines Traktors mit Boost an, dann stellt man fest, dass die Gesamtleistung während zum Beispiel des Mähens unter Volllast (Zyklus Z3M) höher ist als zum Beispiel beim Grubbern unter Volllast (Zyklus Z1G). Dies resultiert aus der beim Mähen vorhandenen Leistungsverzweigung zwischen Fahrantrieb und Zapfwellenabtrieb und der damit freigeschalteten Boostleistung.

5. PowerMix-Transportarbeit

Die Darstellung der Ergebnisse für die Transportzyklen entspricht der Darstellung der Feldarbeiten. Bei den Transportzyklen werden zwei Extremfälle getestet, die Leistung und der Verbrauch während schwerer Transportarbeiten, zum beispiel während Bergfahrten, und die Leistung und der Verbrauch während sehr leichter Transportarbeiten auf der Ebene. Während der Bergfahrt wird so schnell wie möglich gefahren. Auf der Ebene werden die Tests standardmäßig mit 40 km/h durchgeführt und dann in Schritten von 10 km/h mit 50 und 60 km/h wiederholt. Grundsätzlich wird das Gesamtergebnis mit der Messung auf der Ebene bei 40 km/h veröffentlicht. Falls der Traktor höhere bauartbedingte Geschwindigkeiten von 50 oder 60 km/h erreicht, werden diese im unteren Tabellenteil separat dargestellt.

Fazit

Die Eingangsfrage unseres Praktikers, „welcher Traktor am ‚besten geht', kann man also wie folgt beantworten: Wir setzen voraus, dass die Ballastierung und der Reifenluftdruck entsprechend dem Einsatz gewählt wurden. Was das Anfahrverhalten angeht, ist es vorteilhaft, wenn das Anfahrdrehmoment oberhalb des Drehmomentes bei Nenndrehzahl  liegt. Je höher, desto besser, wobei man natürlich den absoluten Wert ebenfalls im Auge haben sollte.

Für die Elastizität sind auch der Drehmomentanstieg und der zugehörige Drehzahlabfall relevant. Diese Angaben beziehen sich auf die Nenndrehzahl beziehungsweis das dabei verfügbare Drehmoment. Von dort aus bestimmt man den Drehmomentanstieg, das heißt, um wie viel Prozent das Drehmoment (orange Kurve) noch bis zu seinen Maxima ansteigen kann. Je höher dieser Drehmomentanstieg ist, umso mehr Kraftreserven hat der Motor im entsprechenden Betriebspunkt.

Anschließend vergleicht man den Verlauf der Drehmomentkurven der beiden Traktoren zwischen dem Betriebspunkt und dem maximalen Drehmoment. Je steiler eine Kurve in diesem Bereich verläuft, umso mehr „beißt“ sich der Traktor bei steigender Leistungsabnahme an der aktuellen Drehzahl (Fahrgeschwindigkeit) fest, beziehungsweise je flacher die Kurve verläuft, umso schneller rutscht man unter das Drehmomentmaximum und muss herunterschalten.

Bei Zapfwellenarbeiten sind auch das Übersetzungsverhältnis des Zapfwellengetriebes und die daraus resultierende Motordrehzahl in Relation zur Maximalleistungsdrehzahl zu berücksichtigen. Es gibt also eine ganze Reihe von Faktoren, die diese Antwort beeinflussen können.

Am einfachsten und ohne fachspezifisches Studium erhält man die Antwort aus den resultierenden Geschwindigkeiten der PowerMix-Zyklen. Das Anbaugerät entspricht immer der Leistungsfähigkeit des Traktors, und die Ausgangsgeschwindigkeit ist ebenfalls gleich. Somit liefert die tatsächliche Geschwindigkeit genau die Antwort auf die Frage, „welcher Traktor am ‚besten geht‘“. Je höher die tatsächliche Geschwindigkeit ist, desto besser geht er. Und nebenbei: Je niedriger der spezifische Kraftstoffverbrauch ist, desto weniger Durst hat er dabei.

Die PowerMix-Datenblätter DLG-geprüfter Traktoren findet man übrigens unter diesem Link, oder aber man konfiguriert sich den Traktor über das eigene Anforderungsprofil in der DLG-PowerMix-App vor.