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Precision Farming im Kartoffelbau

Auf dem diesjährigen Spitzenereignis für die Kartoffelprofis, der PotatoEurope, präsentieren die Aussteller am 12. und 13. September auf dem Rittergut Bockerode in Springe-Mittelrode bei Hannover die neuesten Entwicklungen im Bereich Precision Farming im Kartoffelbau.

Mit Hilfe des Precision Farming können bei der Bestellung unterschiedlich generierte Bodenkarten über den optional erhältlichen hydraulischen Antrieb der Legemaschinen umgesetzt werden. Mehrjährige Versuche bestätigen, dass auf leichteren Böden ein weiterer Legeabstand in der Reihe sinnvoll ist, um so den Einzelpflanzen einen größeren Einzugsbereich für Wasser und Nährstoffe zu ermöglichen. Dies geht mit einer an der Verwertungsrichtung der Knollen und dem Ansatzverhalten der jeweiligen Sorte orientierten Grundgröße des Legeabstandes einher.

Das Wachstum der Kartoffelpflanzen würde bei ausreichender Nährstoffversorgung in der Regel erst mit dem ersten deutlichen Frostereignis des Herbstes zu Ende gehen. Dem stehen aber die spezifischen Ansprüche der unterschiedlichen Verwertungseinrichtungen, zum Beispiel eine deutlich kleinere Sortierung des Erntegutes bei der Pflanzkartoffelproduktion, entgegen, so dass das Wachstum auf vielen Flächen mit einer gezielten Sikkation vorzeitig beendet werden muss.

Auf der Basis von aktuellen Biomassekarten oder der Online-Erfassung des Bestandes kann heute mit Hilfe entsprechender mathematischer Modelle die Aufwandmenge an Sikkativen bedarfsabhängig variiert und so der Gesamtbedarf an Wirkstoff pro Flächeneinheit nachhaltig reduziert werden. Gleichzeitig wird das Risiko von anwendungsspezifischen Qualitätsbeeinträchtigungen verringert und die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme verbessert.

Für die praxisgerechte Eigenkontrolle teilflächenspezifischer Maßnahmen ist eine Kartierung des Ertrages bei der Ernte eine unabdingbare Voraussetzung. Bei der Kartoffelernte müssen die Knollen im Gegensatz zu den meisten anderen Ackerbaukulturen aus dem Boden aufgenommen und von sehr viel Erde, Kraut sowie knollenähnlichen Beimengungen getrennt werden.

Bleiben aufgrund unzureichender Trenngüte der maschinellen Beimengungstrenneinrichtungen oder fehlenden Verlesepersonals vor allem größere Mengen an Kluten und Steine im Erntegut zurück, kommt es bei der vorherrschenden Ertragserfassung über eine Bandwaage im Zufuhrbereich des Bunkers zu unrealistischen Mehrerträgen, die die Analyse der pflanzenbaulichen Maßnahmen erheblich erschweren.

Zudem zeichnen sich die meisten Kartoffelsorten durch ein ausgeprägtes Kompensationsverhalten aus, so dass zum Beispiel sich schwächer entwickelnde oder fehlende Nachbarpflanzen durch eine höhere Ertragsleistung der vitalen Kartoffelstauden weitgehend ausgeglichen werden. Dies führt dann zu annähernd vergleichbaren Rohwareerträgen, während die verwertungsspezifische Sortierung beispielsweise durch einen höheren Anteil übergroßer Knollen deutlich differieren kann.

Hier wäre neben einer Kartierung des Knollenertrages auch eine gleichzeitige Erfassung der Sortierung des Erntegutes sinnvoll, um die Produktivität der anbautechnischen Maßnahmen auf allen Ebenen zu optimieren.

Aus diesem Kompensationsverhalten der Kartoffeln ergeben sich aber auch grundlegende Herausforderungen für das Precision Farming, da die Biomasse des oberirdischen Bestandes nur bedingt Rückschlüsse auf das unterirdische Erntegut zulässt und damit die Nutzung der aus anderen Kulturen bekannten und bewährten Vegetationsindizes deutlich einschränkt.

Dies betrifft neben dem Ertrag vorrangig die Sortierung des Erntegutes und stellt gegenwärtig die größte Herausforderung für die weitere Einführung des Precision Farming im praktischen Kartoffelbau dar.