Zum Hauptinhalt springen

Club der "Europäischen Ackerbauern" auf Tour

Das diesjährige Jahrestreffen der European Arable Farmers (EAF) führte dieser Tage ins Banat im Westen Rumäniens.

Geographisch ist Rumänien durch die Höhenzüge der Karpaten mit umgebendem Flachland in alle Himmelsrichtungen gekennzeichnet. So unterlag es jahrhundertelang den politischen und wirtschaftlichen Einflüssen seiner türkischen, russischen und österreichisch-ungarischen Nachbarn, die zuerst auf die wertvollen Ackerböden schielten: Crisana im Nordwesten, Banat im Westen, Walachia im Süden und Moldava im Osten. In Zentral-Rumänien (Siebenbürgen=Transilvania) gibt es mehr Wald- und Mittelgebirgslagen mit Grünland und teilweise Ackerbau.

Als Ergebnis des zweiten Weltkriegs war Rumänien fest in den Ostblock eingegliedert. Nach der Revolution 1989-90 (Abschaffung des Kommunismus und Hinrichtung des Diktators Ceaușescu) wurde fast alles privatisiert, es herrschten Jahre des Chaos. Erst langsam, nach mehreren Jahren, erfolgte eine halbwegs marktwirtschaftliche Grundordnung mit leider noch teilweise korrupten Beziehungsmustern. Mehrere Landreformen und der EU-Beitritt haben zu stabileren Verhältnissen geführt, die sehr positive Entwicklungen auch in der Landwirtschaft ermöglicht haben.

Die 30 Teilnehmer der Exkursion der EAF haben an den drei Tagen vier große Farmen (3.000 bis 6.500 ha) mit ausländischen Eigentümern/Gesellschaftern besucht. Vorgehensweise und Unternehmenskonzepte unterschieden sich deutlich. Dazu hatte die Gruppe zwei rumänische Farmer mit 900 beziehungsweise 1.500 ha getroffen, die ebenfalls sehr verschiedene Wege gegangen sind, und mit ihnen diskutiert. Darüber hinaus wurde einer der großen Getreide-Ölsaatenhandels-Betriebe in Rumänien besucht, der zu einem italienischen Handelsunternehmen gehört. Er stellt Service in den Vordergrund und erfasst Rohstoffe vorwiegend für den italienischen Markt.

Die landwirtschaftlich-landtechnische Ausbildungsschule in Voiteg war ebenfalls ein Besichtigungsobjekt: Hier werden seit 2012 Schlepperfahrer, seit 2016 Spritzen- und Mähdrescherfahrer in Wochenkursen ausgebildet. Auch die internationalen Agrartechnikfirmen bieten hier Kurse an. Ab Herbst 2018 wird erstmalig ein dreimonatiges Ausbildungsangebot für 18 landwirtschaftliche Nachwuchskräfte durchgeführt.

Von der Selbstversorgung zum Agrarinvestment


Nach 1990 wurden den Familien die landwirtschaftlichen Flächen nach Mitgliedergröße zugeordnet. Ein bis zwei ha je Person, also fünf bis zehn ha je Familie, mit guten Beziehungen zum Ortsbürgermeister auch manchmal das Doppelte.

Da es keine Grundbücher gab, war der Flächenanspruch der Familien nur je ha an der Gesamt-Ortsfläche registriert, nicht jedoch auf eine deklarierte, kartierte Fläche im Grundbuch. So war es möglich, den Familien, welche nicht verpachten/verkaufen wollten, zusammenfassend den ortsnahen Teil zuzuweisen. Die restlichen Flächen wurden dann zur Verpachtung/Verkauf angeboten. Das waren meist mehr als 75 Prozent der ehemaligen Gesamtfläche des Ortes.

Die noch vorhandenen LPGen und Staatsbetriebe überlebten meist nicht. Im Laufe von wenigen Jahren waren fast alle diese Betriebe bankrott. Die Nahrungsmittelversorgung erfolgte vorwiegend über die Selbstversorgung aus dem reichlich vorhandenen eigenen Garten und der unkonventionellen Bewirtschaftung der ortsnahen landwirtschaftlichen Flächen mit Kuh/Ochse und altem Klein-Schlepper.

Erst als Mitte der neunziger Jahre wieder feste Arbeitsplätze in der Industrie und im Gewerbe, beziehungsweise Verwaltung/Dienstleistung sicher waren und reichlich Nahrungsmittel zum Kauf angeboten wurden, war man mehrheitlich bereit, sich von der eigenen Nahrungsmittel-Erzeugung zu trennen. Ab dieser Zeit war es möglich, landwirtschaftliche Flächen zu pachten und zu erwerben.

Ab 1997 begann dann auch der Verkauf an ausländische Investoren, weil den einheimischen Landwirten wenig oder kaum Geld zur Verfügung stand. Heute – im Jahre 2018 – besitzen ausländische Eigentümer rund 40 Prozent der rumänischen Agrar- und Forstfläche, die sie zu über 80 Prozent gekauft haben, während die rumänischen Bauern häufig über 70 Prozent ihrer bewirtschafteten Flächen über Familien-, Verwandtschafts-, Sippen- und Ortspachten vergrößert haben.

Wichtig zu wissen ist, dass die Böden infolge der kommunistischen Mangelwirtschaft über dreißig Jahre kaum gekalkt wurden. Das heißt, die pH-Werte liegen häufig unter 5,0. Daher sind zwei bis drei Rotationen zur Aufkalkung notwendig, um über pH 6,0 zu kommen, was 500 bis 1.000 Euro je ha an Zusatzkosten verursacht.

Die größten ausländischen Eigentümer von land- und forstwirtschaftlichen Flächen sind Deutsche und Italiener. Danach folgen Niederländer und Dänen. Auch Schweden besitzen bereits landwirtschaftliches Eigentum in Rumänien. Seit kurzem haben die Chinesen die Smithfield-Gruppe von den US-Amerikanern erworben, die in Rumänien rund 30.00 ha – auf fünf bis sieben Farmen verteilt – bewirtschaften. Sie halten insgesamt rund 30.000 Sauen auf den Betrieben und mästen die anfallenden rund 750.000 Ferkel aus. Das ist derzeit ein gutes Geschäft, da der rumänische Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch zurzeit nur 35 Prozent beträgt.

Daher beginnen nun auch ein Teil der größeren Betriebe mit dem Aufbau der Schweinehaltung in beachtlichen Größenordnungen: 500 bis 1.500 Sauen und/oder 5.000 bis 10.000 Mastschweinplätze. Die Viehhaltung wird auch aus Gründen der organischen Dünger/Humus-Versorgung angestrebt.

Dieser Beitrag entstand unter Verwendung eines Textes von A. Janinhoff.