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Vorkaufskontrakte unter Druck

Martin Möller gibt einen Überblick über den Stand der Ernte

In Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist die Gerstenernte nahezu abgeschlossen. Hier zeigen sich bisher gute Qualitäten und Erträge. Einen Wermutstropfen gibt es jedoch auch im Süden der Republik: Die Weizenerträge liegen rund 20 Prozent unter dem Vorjahr, aber mit stabilen Hektolitergewichten. Unter Beobachtung steht zurzeit die Fallzahl, hier gibt es vereinzelt Anhaltspunkte, dass diese etwas hinter den Anforderungen zurückbleibt.

In Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sieht die Situation in der Gerste schon ernüchternder aus. Kurz vor Ernteabschluss liegen die Ertragseinbußen bei 30 bis 35 Prozent. Die Hektolitergewichte sind mit Werten rund um 60 kg/hl eher am unteren Ende der Norm anzusiedeln. Ein hoher Schmachtkornanteil sowohl in der Gerste als auch im Weizen schmälert die monetäre Ertragssituation der Landwirte zusätzlich. Positiv zu bewerten ist nach rund 15 bis 20 Prozent Erntefortschritt im Weizen ein Proteingehalt mit durchschnittlich mehr als 13,5 Prozent.

Besonders herausfordernd ist die Situation im nördlichen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Hier zeigen sich in der Gerste Ertragseinbußen von bis zu 50 Prozent, besonders auf den leichten Böden im östlichen Teil dieses Gebietes. Qualitativ ist die Gerste zufriedenstellend, doch die Bedenken zu den Ernteergebnissen der nachfolgenden Kulturen wachsen, denn die bisherigen Druschergebnisse sind noch schlechter als die pessimistischen Erwartungen es erahnen ließen.

Ganz im Norden der Republik in Schleswig-Holstein zeichnet sich das Schreckensszenario aus Mecklenburg in den südlichen Landesteilen fort. Auch hier haben wir in einigen Ecken um die 50 Prozent geringere Gerstenerträge mit Hektolitergewichten von 58 bis 65 kg/hl. Doch repräsentativ ist das noch nicht. Der Erntefortschritt liegt noch bei weniger als zehn Prozent und in den nördlicheren Landesteilen hat es an der einen oder anderen Stelle in den vergangenen Wochen Niederschläge gegeben.

Insgesamt zeigen sich die Landwirte zurückhaltend, was die weitere Vermarktung angeht. Besonders in Anbetracht der Tatsache, dass schon aktuell geschlossene Verkaufskontrakte von Seiten der Landwirte nicht erfüllt werden können, weil Mengen und Qualitäten nicht stimmen. Einzig die Preisentwicklung an den Märkten zeigt sich nach einer langen Seitwärtsbewegung seit Ende Mai/Anfang Juni für die fortlaufende Kampagne etwas freundlicher.

Erste Anzeichen aus dem Süden deuten auf wenig positive Nachrichten, die den Raps betreffen hin. Auch hier gibt es große Bedenken gegenüber den zu erwartenden Mengenerträgen und Ölgehalten.