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Nach der Dünge-VO ist vor der Dünge-VO

Die deutschen Landwirte haben die erste offizielle Düngebedarfsermittlung hinter sich und auch ein Jahr des Rechnens und Abwägens, um die engen Grenzen der Vorschriften einzuhalten. Da stellt sich dem Praktiker natürlich die Frage, warum die Düngeverordnung so ist, wie sie ist, und vor allem, was sie bringt.

Der DLG-Ausschuss für Pflanzenernährung nahm diese Frage auf und besuchte das Umweltbundesamt (UBA), die Institution, die für viele Regelungen im Umweltbereich verantwortlich gemacht wird. Dieser Ansicht waren auch Zuhörer des Forums zur Düngung auf den DLG-Feldtagen, zudem ebenfalls Vertreter des UBA geladen waren.

Im Gespräch mit den Vertretern des UBA-Fachbereichs Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und internationaler Bodenschutz, die auch die Düngung im Auge haben, wurden die Aufgaben des UBA nochmal klar dargestellt:

„Nein, die Düngeverordnung haben wir nicht geschrieben.“ Das Umweltbundesamt berät die Politik und hat dabei die spezielle Aufgabe, Maßnahmen in der Landwirtschaft auf deren Auswirkungen auf die Umwelt zu prüfen beziehungsweise einzuschätzen. Und hierbei müssen sie den klaren Vorgaben der EU folgen, denen sich Deutschland verpflichtet hat.

Hier spielen die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) und die National Emission Ceilings (NEC-Richtlinie) eine maßgebliche Rolle. Diese Richtlinien einzuhalten ist für Deutschland verpflichtend, und Verstöße werden geahndet. Das UBA hat als Bundesamt die Aufgabe, den Status Quo zu erfassen und mögliche Maßnahmen zur Erreichung der Ziele zu erarbeiten – und das nicht nur für die Landwirtschaft.

Soweit, so gut. Aber in der Praxis passen die Maßnahmen nicht immer mit dem Ziel überein, Nährstoffe einzusetzen um unsere Kulturpflanzen optimal zu versorgen. Umgekehrt fragt man sich bei einigen Regeln, ob sie tatsächlich zur Lösung eines Problems hinführen. 

Genau diese Aspekte brachten unsere Ausschussmitglieder und auch die Forumsteilnehmer vor. Das UBA hat nämlich auch die Aufgabe, bis 2021 die Düngeverordnung zu evaluieren. Nichts hilft hier besser, als die Stimmen aus der Praxis zu hören.

Dabei sind sich auch die Praktiker einig: Die Düngung muss effizienter werden, da sonst Nährstoffe da landen, wo sie nicht hingehören – und auch dem Landwirt nichts nutzen. Emissionen runter, Auswaschung reduzieren, Eutrophierung vermeiden. Problem nur: Mit den derzeit gesetzten Regeln sind diese Ziele nur bedingt zu erreichen.

So wird die Bewertung von organischen Düngern sehr kritisch gesehen. Weder die Richtwerte der Nährstoffgehalte noch die stark begrenzten Ausbringzeiten und Wirkung werden von den Praktikern als realistisch eingeschätzt – vor allem wenn es um verschiedene Standorte geht. Sie führen eher zu einer vermehrten Abkehr von der für den Boden so wichtigen organischen Düngung und hin zu mehr Mineraldüngereinsatz.

Eine Auffüllung des Nährstoffdepots in ausgemagerten Böden scheint mit den gesetzten Grenzen genauso unmöglich wie eine Aufrechterhaltung der Bodenfruchtbarkeit.

Kernproblem ist nach Ansicht der Anwender vor allem die fehlende Berücksichtigung von regionalen Unterschieden in Boden und Klima. Dies ist eines der größten Mankos eines einheitlichen Gesetzes, welches über einen Flickenteppich von verschiedenen Standorten gelegt wird. Die Natur lässt sich nicht so einfach auf einen Nenner bringen.

Um diese Zwickmühle aufzulösen, müssen sowohl Landwirtschaft als auch regelnde Institutionen die Rahmenbedingungen des jeweils anderen verstehen. Voraussetzung dafür ist es, miteinander zu sprechen. Der DLG-Ausschuss für Pflanzenernährung und das Umweltbundesamt haben hier einen guten Weg beschritten.

Das UBA wird die Entscheidungsträger nach der Evaluierung wieder beraten. Was auf dem Weg dahin und darüber hinaus aus den jeweiligen Vorschlägen wird, steht auf einem anderen Blatt….