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Auch in der Schweiz: Es lohnt sich immer weniger

Auf dem Kongress der Europäischen Schweineproduzenten, European Pig Producer (EPP), kürzlich im Kanton Luzern haben sich erstaunlich viele Landwirte aus den Niederlanden, Dänemark, Deutschland und weiteren Ländern ein Bild von der Schweinehaltung in der Schweiz gemacht.

Die Erfahrungen der Schweizer stoßen auf großes Interesse, weil sie schon seit vielen Jahren mit freier Abferkelung, Langschwänzen und Strohpflicht hohe Anforderungen erfüllen müssen.

Produktionsbedingungen

Das allgemein hohe Preisniveau in der Schweiz spiegelt sich auch in der Landwirtschaft wider. Die Kosten der Schweineproduktion betragen etwa das 2,5-fache des EU Durchschnitts. Hinzu kommen gesetzlich festgelegte Bestandsobergrenzen von 250 Sauen beziehungsweise 1.500 Mastplätzen je Betrieb. Der Selbstversorgungsgrad liegt bei etwa 95 Prozent.

Ein Großteil der Schweizer Schweineproduzenten beteiligt sich an den freiwilligen Programmen BTS (Besonders tierfreundliche Stallungssysteme) und RAUS (Regelmäßiger Auslauf im Freien). Rund zwei Drittel der vermarkteten Mastschweine wurden unter BTS-Vorgaben gehalten, rund 50 Prozent entsprechend dem RAUS-Programm.

Dafür bekommen die Erzeuger staatliche Direktzahlungen von etwa 130,- Euro pro GVE. Pro Mastplatz (0,17 GVE) sind das 22,- Euro beziehungsweise (0,45 GVE) 58,- Euro pro Zuchtsau. Diese staatlich finanzierten Programme sind Voraussetzung für die Teilnahme an einem der Labels der beiden großen Einzelhandelsunternehmen Migros und Coop. Diese Labels werden mit einem Qualitätszuschlag von umgerechnet 0,25 beziehungsweise 0,40 Euro/kg Schlachtgewicht honoriert.

Grundsätzlich gilt in der Schweiz ein Fixierungsverbot für Schweine mit einer Ausnahme von zehn Tagen in der Deckzeit. Eine freie Abferkelung ist verpflichtend seit 2007. Die Größe der Abferkelbucht beträgt mindestens 5,5 qm, in bestimmten Labelprogrammen 6,5 qm. Heute liegen die durchschnittlichen Saugferkelverluste mit 12,7 Prozent auf demselben Niveau wie vor 2007.

Die Kastration ist seit 2010 unter Allgemeinanästhesie durchzuführen. 85 Prozent der männlichen Ferkel werden mit Isofluran-Anästhesie plus vorheriger Schmerzmittelgabe (NSAID) durch den Landwirt kastriert. 15 Prozent per Injektions-Anästhesie mit Ketamin/Azaperon durch den Tierarzt.

Seit 2008 dürfen in der Schweiz keine Schwänze mehr kupiert werden, bereits seit 2001 nur noch unter Schmerzmittelgabe. Ganz gelöst hat man das Problem Schwanzbeißen bisher nicht. Das Stallklima gilt als der entscheidende Faktor, vor Futter und Platzangebot.

Seit 2013 müssen sich alle Schweine „jederzeit mit Stroh, Raufutter oder anderem gleichwertigen Material“ beschäftigen können. Außerdem muss der Sau ab dem 112. Trächtigkeitstag bis zum ersten Tag nach der Geburt Langstroh oder anderes Nestbaumaterial „ausreichend“ zur Verfügung stehen. Faktisch muss der Liegebereich der Sau und der Ferkel täglich eingestreut sein.

Der hohe Aufwand der Landwirte wird allerdings immer weniger vom Verbraucher honoriert. Schweinefleisch verliert seit Jahren Marktanteile. Ein wichtiger Teil des Rückgangs dürfte wohl eine Folge des Einkaufstourismus der schweizer Verbraucher zum Beispiel in Deutschland sein. Einkäufe im Ausland lassen sich statistisch nicht berücksichtigen.