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DLG bildet tschechische Schweinehalter weiter

Bereits zum 12. Mal haben Schweinehalter aus Tschechien im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen Sano Tschechien und der DLG-Akademie kürzlich an einer Fortbildungsveranstaltung in Anlehnung an den DLG-Herdenmanager Schwein teilgenommen. Erstmals war die Gruppe dabei in den Niederlanden zu Gast und hat diesmal die Schweinemast in den Fokus genommen.

Den Auftakt machte die Gruppe im Versuchsgut der Universität Wageningen in Sterksel. Dort wurden die 25 Teilnehmer von der Expertin für Schweinehaltung, Anita Hofs, begrüßt.

Sie machte deutlich, auf was es bei einer tierwohlorientierten und wirtschaftlich erfolgreichen Schweinemast in erster Linie ankommt:

  • Management
  • Tiergesundheit
  • Haltung (Stallklima) und Fütterung
  • Ebermast

In allen vier Bereichen spiele der „Faktor Mensch“ eine entscheidende Rolle, so Hofs. Zur Beurteilung des Umgangs von Tierhaltern/Stallpersonal mit den Tieren hat sie daher ein eigenes Beurteilungssystem entwickelt. Zentrales Merkmal ist, wie das Personal sich den Tieren nähert und wie diese darauf reagieren. Oberstes Ziel ist die Reduzierung von Stresssituationen für die Tiere.

In Sterksel werden 385 Sauen im SPF-System (spezifisch pathogen frei) gehalten und stehen für umfangreiche Untersuchungen zur Verfügung. Darüber hinaus arbeitet die Wissenschaftlerin eng mit praktischen Betrieben zusammen, um dort Erhebungen beispielsweise zur Ebermast vorzunehmen.

Untersuchungen zum Futteraufnahmeverhalten haben gezeigt, dass bereits in der Abferkelbucht der Grundstein für eine gute Futterverwertung und hohe Tiergesundheit gelegt wird. So gab Hofs den tschechischen Teilnehmern mit auf den Weg, die Saugferkel zu Beginn mit dem gleichen Laktationsfutter der Muttersau in Trognähe anzufüttern. Erst wenn diese das Futter selbständig aufnehmen, sollte auf das Ferkelfutter umgestellt werden. Wenn die weitere Umstellung bis zur Mast ebenso sorgfältig erfolgt, sind Steigerungen der täglichen Zunahmen von bis zu 50 g möglich.

Auch hinsichtlich Verbesserung der Tiergesundheit hatte Anita Hofs wertvolle Tipps parat. Ein konsequentes Betriebshygienekonzept und hohe Biosecuritymaßnahmen sind der Schlüssel dazu. Dies ist auch der Grund, warum die Gruppe aus Tschechien nicht die Ställe des Versuchsguts besichtigen konnte.

Daher wurden am kommenden Tag noch drei weitere Schweinemäster besucht, die im EPP-Netzwerk aktiv sind und gerne deren Erfahrungen mit der Ebermast schilderten. Für die Teilnehmer wurde klar: Eine erfolgreiche Ebermast ist – unter den speziellen Rahmenbedingungen in den Niederlanden – möglich. Voraussetzung ist allerdings ein sehr gut organisierter Betrieb mit wenig Schwachstellen und Stressfaktoren, die auf die Tiere einwirken.

Dazu zählt auch ein optimales Stallklima, das auf die unterschiedlichen Gewichtsabschnitte der Mastschweine abgestimmt sein muss. Sterksel investierte daher viel in spezielle Techniken zur Zu- und Abluftkonditionierung. Dadurch konnten die Tage mit kritischen Temperaturen von 50 Prozent auf 5 Prozent reduziert werden – zum Wohl von Tier und Mensch.

Das Seminar für tschechische Schweinehalter wird im Herbst mit einem weiteren Modul zur Tiergesundheit fortgesetzt – dann allerdings wieder in Tschechien.