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Veganer werden die Welt nicht retten

Die Universität Oxford hat die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, in der Daten aus 40.000 Agrarbetrieben in 119 Ländern ausgewertet und verschiedene Arten von Lebensmitteln, die 90 Prozent unserer Nahrungsmittel ausmachen, analysiert wurden. Das Ergebnis: würden keine Tierprodukte mehr gegessen, bräuchten wir nur ein Viertel aller landwirtschaftlich genutzten Fläche, um die Menschheit zu ernähren.

Was theoretisch stimmen mag, ist praktisch völlig absurd. Dieser Meinung ist der Bundesverband Rind und Schwein e.V. (https://www.rind-schwein.de/) und begründet sie folgendermaßen:

  • Es wird vergessen, dass eine Bewirtschaftung unter Ökoeffizienzkriterien zu mehr Leistung mit weniger Tieren führt. So hat sich die Tierzahl in Deutschland in den letzten 100 Jahren fast halbiert. Die Menge der erzeugten tierischen Produkte ist fast gleich geblieben. Der Austausch von Know-how und Genetik trägt also maßgeblich zu einer Effizienzsteigerung bei.
  • Hinsichtlich der Treibhausgasemissionen werden Äpfel mit Birnen verglichen. Während die Landwirtschaft bei der Tierernährung auf regenerative Energie in Form von Biomasse zurückgreift, nutzen andere Branchen meist Energie aus fossilen Quellen.
  • Drei Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche stehen nicht für die menschliche Ernährung zur Verfügung. Diese Ressource kann nur über den Tierdarm nutzbar gemacht werden. Eine Nahrungskonkurrenz besteht nicht.
  • Die Erzeugung tierischer Produkte pauschal zu verurteilen, ohne auf die regional sehr unterschiedliche Ressourcenausstattung einzugehen, ist fahrlässig. Gunstregionen wie Deutschland sind für die Erzeugung tierischer Produkte prädestiniert.
  • Die positiven Auswirkungen einer internationalen Arbeitsteilung für das Klima werden ausgeblendet.
  • Marktmechanismen werden komplett ignoriert. Möglicherweise freiwerdende Ackerflächen lassen sich nicht automatisch für den Anbau von Ackerfrüchten für die menschliche Ernährung nutzen. Schon gar nicht in Regionen, die aufgrund der hohen Produktionskosten im internationalen Markt nicht wettbewerbsfähig wären.
  • Es wird vergessen, dass Tiere in der Landwirtschaft eine wichtige Rolle für die Nährstoffversorgung, den Nährstoffkreislauf (Phosphor ist eine endliche Ressource), die Artenvielfalt und die Bodenqualität übernehmen.
  • Es wird vergessen, dass eine vegane Landwirtschaft derzeit nachhaltig nicht möglich ist und damit als Ernährungsalternative für eine wachsende Weltbevölkerung ausscheiden muss.

Die Studie ist so undifferenziert, wie der Ratschlag, mit Wassersparen in Deutschland zu besserer Wasserversorgung auf der Welt beitragen zu können: wenn wir in Deutschland weniger Wasser verbrauchen, regnet es darum in Äthiopien nicht mehr. Nur unser Wasserpreis steigt.

Der Ratschlag müsste stattdessen richtig lauten: Regionen mit guter Wasserversorgung sollten mehr Nahrung exportieren. Wenn über Klimaschutz nachgedacht wird, bitte immer über Systemgrenzen denken.

Hier der Link zu Studie (http://science.sciencemag.org/content/360/6392/987).