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Ein Tag reicht nicht!

Friedrich Baumgärtel zur Bedeutung der DLG-Feldtage für den Ackerbau

Man sollte sich etwas Zeit nehmen für den Besuch der DLG-Feldtage, denn an einem Tag ist das Programm nicht zu schaffen. Informationsfülle und Qualität ist kaum zu toppen und verdient entsprechende Aufmerksamkeit! Ich habe von vornherein zwei Tage eingeplant und das hat sich für mich gelohnt!

Am ersten Tag standen die Ansprechpartner für meine Kernfragen auf der Agenda, die Klassiker der Feldtage: Fruchtfolgen, Sorten, Pflanzenschutz, Düngung, Technik. Da ist viel Kompetenz an den Ständen und das ist auch wichtig, denn oberflächliche Werbeinfos reichen mir nicht, dafür würde ich nicht kommen. Nein, hier kann ich tiefer bohren und meine Fragen im Detail ausleuchten.

Am zweiten Tag hatte ich dann etwas mehr Zeit für die Themen, die mir nicht alltäglich durch den Kopf kommen. Überrascht war ich von den vielen Kulturarten, den nachwachsenden Rohstoffen, den schnellwachsenden Gehölzen. Da geht oft mehr als Rüben, Raps, Weizen und Mais! Artenvielfalt und Biodiversität ist auch so ein Thema, das sich erst vom Rand stärker in meinen Fokus kämpfen muss. Klar, der Ertrag steht für mich im Zentrum, aber am Ende muss ich meinen Ackerbau auch so hinbekommen, dass die Gesellschaft ihn wertschätzt und dabei helfen Blühstreifen und Raine, die Artenvielfalt fördern. Dass die DLG-Feldtage solche Themen zeigen, hätte ich mir vor zehn Jahren nicht vorstellen können.

Digitalisierung und Precision Farming interessieren mich seit langem. Momentan ist hier ja ein großer Hype zu spüren und die Angebote werden immer zahlreicher und immer spezieller. Da muss der einzelne Betrieb schon gut hinschauen, was für ihn passt und was er umsetzen kann. Die Anwenderfreundlichkeit hat sicher noch viel Potenzial. Mir reicht es nicht, wenn ich, bevor ich mit der Pflanzenschutzspritze losfahren kann, erst eine Viertelstunde am Computer hantieren muss, bis die Systeme funktionieren.

Neu und überraschend für mich war das Special Ökolandbau. Ich bin ein konventioneller Landwirt und nach Lage der Dinge bleibe ich das auch. Aber es ist in jedem Fall richtig, dass die DLG das Thema aufnimmt. Denn hier ist Informationsbedarf. Allein in meiner Nachbarschaft stehen zwei Betriebe vor der Umstellung und auch ein konventioneller Betrieb wird nicht dümmer, wenn er sich bei den ökologischen Berufskollegen umschaut. Umgekehrt gilt das natürlich auch.

Ich war erstaunt, das Glyphosat und Neonics in den Seitengesprächen kaum ein Thema war. Und wenn man bei der Pflanzenschutzindustrie etwas tiefer nachbohrt, scheinen auch mehr neue Wirkstoffe in der Pipeline zu sein, als ich bislang dachte. Aber der Stau ist wohl eher bei der Zulassung und weniger in den Laboren. Wäre schön, wenn die Politik ihre Ankündigungen wahrmacht und für schnellere Abarbeitung der Zulassungsanträge sorgt.

Als Landwirt aus Sachsen-Anhalt habe ich mich auch über den Landesstand Sachsen-Anhalt sehr gefreut. Eine begeisternde Aufmachung, eine vielseitige Themenbreite von der Fernerkundung über klassischen Pflanzenbau bis hin zu Artenvielfalt. Hut ab!

Ein ganz wichtiger Pluspunkt der DLG-Feldtage ist neben der hohen Fachkompetenz die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und aufzufrischen. Da kann die Digitalisierung soweit fortschreiten wie sie will, der Austausch von Mensch zu Mensch ist durch nichts zu ersetzen!