Zum Hauptinhalt springen

Big Data im Stall – Zukunft oder Sackgasse?

„Korrelationen ersetzen keine kausalen Erklärungen, Algorithmen und deren Anwendungen sind zu validieren“, so der Festredner Prof. Dr. Klaus Mainzer, Wissenschaftstheoretiker und Philosoph an der Technischen Universität München bei seinem Eingangsvortrag des 7. Wilhelm-Stahl-Symposiums kürzlich im Leibnitz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf.

Neben Prof. Dr. Scharek, Präsident der Universität Rostock, wurden Grußworte von Landwirtschaftsminister Til Backhaus und vom Bauernverbandsvorsitzenden Kurek gesprochen. Scharek hob die Möglichkeiten von Big Data und Digitalisierung in der Tierhaltung hervor, in der Nutztierhaltung das Einzeltier wieder in den Focus zu rücken.

Prof. Dr. Thomas Jungbluth, bis April dieses Jahres Leiter des Instituts für Agrartechnik an der Universität Hohenheim und ehemaliger Präsident des KTBL, zeigte die Entwicklung von Precision Livestock Farming über Smart Livestock Farming hin zur Digitalisierung und Landwirtschaft 4.0 auf: nämlich der Verbund informatorischer, softwaretechnischer Komponenten mit mechanischen und elektronischen Teilen, die über eine Dateninfrastruktur kommunizieren.

Dieser in Anlehnung an den Begriff Industrie 4.0 entstandene Begriff Landwirtschaft 4.0 ist allerdings unter den besonderen Gegebenheiten landwirtschaftlicher Erzeugung zu sehen. Im Internet der Dinge – einer Welt voller Sensoren, die kommunizieren, spielen bei der Landwirtschaft nicht nur Dinge und Objekte eine Rolle – Lebewesen sind mit einbezogen, die Produktion wird oftmals entscheidend durch Wetter und Klima beeinflusst.

In weiteren Teilen des Symposiums wurde zu den Begriffen Big Data und Tiermanangement, neue Phänotypen für Tierwohl und Tiergesundheit sowie zur Thematik High Tech und Transparenz referiert und diskutiert. Referenten aus ganz Deutschland und aus Österreich gaben zum Teil kontroverse Einschätzungen über Sinn und Nutzen einer immer dichteren Datenerhebung in der Nutztierhaltung ab.

Die systematische Datenerhebung ist beispielsweise im Bereich der Milchviehhaltung über elf Milchleistungsprüfungen pro Jahr schon seit Jahrzehnten etabliert. Die Ordner, in denen der monatliche Rückbericht abgeheftet wird, ist in vielen Betrieben beispielhaft gepflegt – allerdings oftmals ohne den potenziellen Nutzen, welche die archivierten Daten bei effizienter Auswertung für Entscheidungen im Herdenmanagement geben könnten, so Andreas Pelzer vom Landwirtschaftszentrum Haus Düsse in Nordrhein-Westfalen. Datenerhebung erfolgt auch in modernsten Betrieben nicht alleine über Sensoren und Kameras, es gilt nach wie vor der Satz „Das Auge des Herrn...“.

Datenspeicherung: cloudbasiert oder lokal? Auch diese Frage wurde aufgeworfen. Hier sind Dateneigentümerschaft und Datensicherheit entscheidend für die Akzeptanz des Systems durch den Landwirt. Cloudbasierte Datenspeicherung ist auf Anbieterseite aufwändig und kostenintensiv, es werden sich nur wenige Anbieter auf dem Markt etablieren können. Als Beispiel wurde das „Dairy Data Warehouse“ angeführt, das Datenauswertungen anbietet.

Digitalisierung im Sinne von Vernetzung erhobener Daten muss eine zeitnahe Verarbeitung und die Rückgabe an den Landwirt mit sich ziehen. Dabei ist anzumerken, dass Algorithmen, welche die erhobenen Merkmale interpretieren, in der Regel von den Firmen nicht offengelegt werden. Also eine Black Box für den Tierhalter darstellen.

Fazit

Digitale Techniken werden weiter Eingang finden in die landwirtschaftliche Praxis. Auch in der Innenwirtschaft. Und zwar unabhängig von der Betriebsgröße. Ihr Zweck ist eine verbesserte Tierbeobachtung und Betreuung zur Optimierung der Tiergesundheit bei gleichzeitiger Schonung von Ressourcen.