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Zukunft Raps – wie geht es weiter?

Christof Buchholz zum drohenden Ende der gelben Pracht

Der Raps hat es zurzeit sehr schwer. Von allen Seiten gerät er unter Beschuss.

Die Politik hat sich schon länger von der Pflanze abgewendet. Nach massiver Unterstützung der gesamten Wertschöpfungskette vom Anbau bis zur Biodieselproduktion soll jetzt Schritt für Schritt der Rückzug aus der Subvention beginnen. Darüber hinaus drückt die indirekte Subvention der Biodieselproduktion in Argentinien Biodiesel massiv in die EU. In der Folge haben viele Ölmühlen ihre Produktion drosseln müssen. Die Ankündigung Argentiniens den Zoll für Biodiesel zu erhöhen wird die Situation kaum entspannen, da die USA die Grenzen für dieses Produkt geschlossen haben.

Und der Produzent? Er könnte sich ebenfalls schon bald von der Rapssaatproduktion verabschieden. Die Pflanzen effektiv gegen Insektenfraß zu schützen wird durch den Wegfall der Neonicotinoide immer schwerer. Ertragsrückgänge sind allerorten die Folge.

Die Appelle der Verbände mit Hinweis auf die positive Fruchtfolgewirkung für den Ackerbau und die Reduzierung der Treibhausgasemissionen im Transportsektor sind bisher verpufft. Kein Landwirt wird Raps allein wegen der positiven Wirkungen auf die Bodenqualität bzw. die Fruchtfolge anbauen. Der Deckungsbeitrag muss stimmen. Dem Erzeuger hilft es auch nicht, dass die Mischfutterhersteller nicht müde werden auf die Bedeutung der Proteinversorgung durch das heimische Rapsschrot in den Futterrationen hinzuweisen. Und dass die Ernährungswissenschaftler die positiven Eigenschaften des Rapsöls immer wieder hervorheben hat die Nachfrage auch nicht beflügelt.

Damit nicht genug schwinden die Hoffnungen auf eine gute Ernte weiter. In wichtigen Anbauregionen Deutschlands und der EU war es für die Aussaat im vergangenen Jahr viel zu nass; die Böden waren einfach nicht befahrbar. Ein Rückgang der Aussaatfläche in Deutschland von ca. 4 Prozent war die Folge. Und dann kamen die Wetterkapriolen in diesem Frühjahr noch dazu. Die frühe Wärme hat das vegetative Wachstum so beschleunigt, dass die Seitentriebbildung gelitten hat. In der Folge hat eine viel zu geringe Schotenausbildung in Kombination mit der in vielen Beständen aufgetretenen Knospenwelke die Ertragserwartungen gedrückt. Die Trockenheit in Norddeutschland tut gerade ihr Übriges, um die Aussichten auf eine passable Ernte weiter zu schmälern. Aktuell erwarten wir einen Rückgang der Produktion von 2 Mio. t. Dieser Produktionsrückgang wird in erster Linie aus Importen aus Drittländern gedeckt werden. Mittlerweile importiert die EU zwischen 4-5 Mio. t Raps/Canola.

Die Kapazitäten der Ölmühlen sind schon lange nicht mehr ausgelastet. Sie müssen nach anderen Ölsaaten Ausschau halten, wenn sie die Anlagen nicht stilllegen wollen. Daher werden Möglichkeiten geprüft, Sojabohnen aus Brasilien/USA oder verstärkt Sonnenblumensaat zu verarbeiten. Zwar kann der Raps aktuell von dem schwachen Euro profitieren. Vor dem Hintergrund der weltweit hohen Bestände ist das Potenzial aber begrenzt. Daher wird die Vermarktung der Ernte 2018 für viele Erzeuger und Erfassungshändler eine Herausforderung werden.

Die aktuelle Situation rund um die Rapsproduktion zeigt einmal mehr, wie riskant es für Unternehmer – ob Erzeuger oder Verarbeiter – ist, sich auf die Politik zu verlassen, wenn es um langfristige Investitionsentscheidung geht. Der in der Kritik stehende Ackerbau in Deutschland wird auch eine Ausweitung der Fruchtfolge zur Folge haben. Auch wenn der Raps seine Position hier und da wird verteidigen können, ist abzusehen, dass die Anbauflächen weiter zurückgehen werden. Welche Alternativen die Erzeuger wählen werden, ist noch nicht abzusehen, aber die in einigen Regionen dominanten gelben Flächen im Frühjahr werden bald der Vergangenheit angehören.