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Wunsch und Wirklichkeit: Integrierter Pflanzenschutz

Betriebsleiter reden Klartext: Lektionen aus langjährigen Demonstrationsbetrieben

„Was kann integrierter Pflanzenschutz?“ – Beim Julius-Kühn-Symposium am 13. Juni im Forum 2 auf den DLG-Feldtagen werden drei Betriebsleiter über ihre Erfahrungen berichten, die sie als Demonstrationsbetrieb im Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) „Demonstrationsbetriebe integrierter Pflanzenschutz“ gemacht haben. Sie werden beleuchten, in welchem Umfang die Forderungen des integrierten Pflanzenschutzes in der Praxis umsetzbar sind, welche Mittel und Werkzeuge aus der Forschung für sie funktioniert haben, welche Stellschrauben sie genutzt haben, um die Intensität der Pflanzenschutzmittelanwendungen zu reduzieren, wie aufwendig es war die Schaderreger zu überwachen und welcher zusätzliche Beratungsservice nötig ist, um den ganzheitlichen Ansatz des integrierten Pflanzenschutzes (IPS) betriebsspezifisch umzusetzen.
 
2011 wurde das Vorhaben „Demonstrationsbetriebe integrierter Pflanzenschutz“ initiiert. Es ist ein Baustein zur Umsetzung der Ziele des Nationalen Aktionsplanes zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP) und wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) finanziert. Projektträger ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Die insgesamt 67 Betriebe aus verschiedenen Produktionsrichtungen verfolgen das gemeinsame Ziel, die Pflanzenschutzmittelanwendungen auf das notwendige Maß, also auf ein ökonomisch und ökologisch vertretbares Maß, zu reduzieren. Unterstützt werden die Betriebe durch Experten der Pflanzenschutzdienste der Länder und des Julius-Kühn-Instituts vom Standort Kleinmachnow. Zudem gab es eine enge Zusammenarbeit mit der Zentralstelle der Länder für EDV-gestützte Entscheidungshilfen und Programme im Pflanzenschutz (ZEPP).

Zur Umsetzung der Ziele wird der gesamte Werkzeugkasten des IPS genutzt. Es wird versucht, durch die Anpassung von vorbeugenden ackerbaulichen Maßnahmen (Sortenwahl, Fruchtfolge, Bodenbearbeitung, Aussaatzeitpunkt) und durch die Anwendung biologischer und mechanischer Verfahren den chemischen Pflanzenschutz teilweise zu kompensieren. Zur Ermittlung des Befalls der Pflanzen durch Schaderreger werden sowohl alle direkten Entscheidungshilfen wie Monitoringmaßnahmen als auch indirekte Hilfen wie Warndienstmeldungen und Prognosemodelle herangezogen. Pflanzenschutzmaßnahmen werden konsequent nach dem Schadschwellenprinzip oder nach der Empfehlung unabhängiger Beratung durchgeführt.

Vorläufige Ergebnisse aus den Demonstrationsbetrieben für Ackerbau lassen in den Kulturen Winterweizen, Wintergerste und Winterraps Reduktionspotenziale bei der Anwendung von Insektiziden, Fungiziden und Wachstumsregulatoren erkennen. Die Möglichkeit der Reduktion der Pflanzenschutzintensitäten schwankt von Jahr zu Jahr und ist abhängig vom Befall. Zudem spielt die Betriebsform und technische Ausstattung mit hinein. Der Erfolg steht und fällt mit der intensiven Schaderregerüberwachung, unabhängiger Beratung und der Nutzung von Prognosemodellen. In einzelnen Jahren entsprachen 95 % der Pflanzenschutzmittelanwendungen dem notwendigen Maß. Alternative Maßnahmen wie z. B. die mechanische Unkrautbekämpfung und Untersaaten im Raps wurden sehr unterschiedlich genutzt und in den Betriebsablauf integriert. Die Umsetzung der Grundsätze des IPS in den Betrieben wurde anhand von speziell für das MuD entwickelten Checklisten bewertet. Die Auswertung ergab, dass sich nahezu alle Betriebe während der Projektlaufzeit in der Umsetzung des IPS verbessern konnten.