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Niedrige Zinsen für Investitionen sichern

Zinsänderungsrisiken treten erst seit einigen Monaten verstärkt in den Vordergrund, denn die Entwicklung an den Zinsmärkten ist in den vergangenen Jahren eher verhalten gewesen. Die Eurozone befindet sich noch immer in einem historisch niedrigen Zinsumfeld. Für mittel- bis langfristige Laufzeiten von drei bis 30 Jahren ist nun zu beobachten, dass sich die Zinsen von den Tiefstständen aus Mitte 2016 nachhaltig entfernen. So hat sich zum Beispiel der 10-Jahres EUR-Swapsatz von Sommer 2016 mit 0,25 Prozent p.a. derzeit bei rund 1,00 Prozent p.a. im April 2018 eingefunden. Vor allem für langfristig angelegte Investitionsprojekte sind die Auswirkungen auf die Finanzierungskonditionen merklich spürbar.

Spätestens seit den letzten beiden Ratssitzungen der Europäischen Zentralbank (EZB) werden zudem erste Signale für eine graduelle Abkehr von der ultra-expansiven Geldpolitik der letzten Jahre ersichtlich. Eine Entwicklung in Richtung geldpolitischer Normalität sollte sich sukzessive ab dem nächsten Jahr durch erste Leitzinserhöhungen einstellen. Das Risiko von Zinsänderungen steigt somit zukünftig sowohl für kurze als auch für lange Laufzeiten deutlich an.

Nach wie vor sind Festsatzkredite zur Absicherung des Zinsniveaus bevorzugte Mittel. Meist schließt der Landwirt die Investitionsfinanzierungen über Darlehen der Hausbank oder über die landwirtschaftliche Rentenbank ab. Insbesondere die typisch landwirtschaftlichen Investitionen in Fläche und Stallbauten schielen unterdessen nach möglichst langen Zinssicherheiten, idealerweise für die gesamte Dauer der getätigten Finanzierung, die sich oft über 20 bis 30 Jahre hinzieht. Klassische Festsatzkredite bieten in der Regel jedoch nur eine maximale Zinssicherheit von 10 Jahren. Auch Förderprogramme der Landwirtschaftlichen Rentenbank beschränken sich bei 20- bis 30-jährigen Kreditlaufzeiten auf höchstens 10-jährige Zinszusagen. Mit diesen klassischen Finanzierungsmitteln kann den Wünschen der Landwirte daher nur bedingt entsprochen werden, denn das Zinsniveau ist zwar temporär, aber nicht über die gesamte Finanzierungsdauer abgesichert.

Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, die zu tätigenden Investitionen über alternative Finanzierungsformen aufzunehmen. Eine Alternative zum klassischen Festsatzkredit sind Kredite mit einem zunächst variablen Zins, der sich aber über ein zusätzliches Instrument absichern lässt. Bei variablen Krediten ist der zu zahlende Zins während der Kreditlaufzeit nicht von Beginn an festgeschrieben, sondern es wird die Zahlung eines Referenzzinses (z. B. 3-Monats-EURIBOR) vereinbart, der sich für jede Zinszahlungsperiode entsprechend den Schwankungen am Zinsmarkt verändert. Zusätzlich wird eine individuell verhandelte Kreditmarge vom Kunden eingezogen. Dem Landwirt wird dann also quartalsweise der jeweils gültige 3-Monats-EURIBOR zuzüglich Kreditmarge in Rechnung gestellt.
 
Die variablen Kredite lassen sich heute mit relativ einfachen Instrumenten über aktives Zinsmanagement für Laufzeiten bis zu 30 Jahren absichern. Zum Einsatz kommen dabei häufig konservative und leichtverständliche Instrumente, die Landwirte etwa über ihre Genossenschaftsbank vor Ort erwerben können.

Eine Möglichkeit ist die Vereinbarung einer Zinsobergrenze, eines sogenannten Zins-Caps, für eine definierte Laufzeit. Dafür zahlt der Landwirt eine einmalige Prämie. Das ist vergleichbar mit einer Versicherung, in diesem Fall eine Versicherung gegen steigende Zinsen. Der Landwirt zahlt im Kredit immer den für die Zinsperiode gültigen 3-Monats-EURIBOR zuzüglich Kreditmarge. Wird der 3-Monats-EURIBOR oberhalb der vereinbarten Zinsobergrenze festgestellt, erhält der Landwirt aus dem Zins-Cap für diese Zinsperiode eine Ausgleichszahlung in Höhe der Differenz. Wird der 3-Monats-EURIBOR unterhalb der Zinsobergrenze festgestellt, erhält der Kunde aus dem Zins-Cap keine Ausgleichszahlung. Ein Vorteil zum Festsatzkredit liegt darin, dass die Zinsen nach oben zwar ebenfalls begrenzt sind, aber zusätzlich die Möglichkeit besteht, von der Zahlung der ggf. niedrigeren EURIBOR-Zinsen zu profitieren. Des Weiteren bleibt der Landwirt im Vergleich zu einem Kredit mit einer langfristigen Zinsbindung hinsichtlich der Rückzahlung flexibel. Im Rahmen eines variablen 3-Monats-EURIBOR-Darlehens kann der Landwirt nach jeder dreimonatigen Zinsbindungsfrist je nach wirtschaftlicher Situation und betrieblicher Liquiditätslage Sondertilgungen leisten, ohne dass zusätzliche Kosten anfallen. Die einmalige »Versicherungsprämie« gegen steigende Zinsen kann er außerdem als Betriebsaufwand über die Laufzeit des Zins-Caps steuerlich geltend machen.

Neben Zins-Caps kommt häufig auch die Kombination aus variablem Darlehen und Zahlerswap zum Einsatz. Über diese beiden Bausteine wird für den Kunden die Zahlungsweise analog zu einem Festsatzkredit nachgebildet, nur eben für eine beliebig lange Zinssicherung bis zu 30 Jahren. D.h. der Landwirt nimmt einen variablen Kredit für seine Finanzierung auf und tauscht („swapt“) die daraus resultierenden unbekannten Zinszahlungen über einen zusätzlich abgeschlossenen Zahlerswap gegen einen vereinbarten Festzinssatz (Zahlerswapsatz) für eine festgelegte Swap-Laufzeit. Somit erreicht er eine langfristige Absicherung bei vollständiger Zinssicherheit. Die Zahlung einer »Versicherungsprämie« ist bei diesem Instrument nicht notwendig.  Besonders attraktive Zinsfestschreibungen können beispielsweise auch aus der Kombination von Förderdarlehen und Zahlerswaps erreicht werden. Die oftmals konkurrenzlos günstige Mittelvergabe für den ersten 10-jährigen Darlehenszeitraum wird hierbei genutzt, um bei gleichzeitigem Abschluss eines Zahlerswaps einen Konditionsvorteil für die Gesamtlaufzeit zu fixieren. Auch über reine Anschlusssicherungen (sog. Forward-Sicherungen) kann die verbleibende Restlaufzeit nach der 10-Jahres Zinsbindung auf Basis des heutigen, historisch niedrigen Zinsniveaus festgeschrieben werden.

Die Flexibilität in der Ausgestaltung alternativer Zinssicherungsinstrumente ist groß. Für nahezu jede individuelle Finanzierungssituation, Kundenwunsch oder jedes Marktumfeld lassen sich maßgeschneiderte Lösungsvorschläge erstellen.

Beispiel: Ein Landwirt möchte einen Stall bauen. Baubeginn ist Sommer 2018. Er vereinbart mit der Bank einen variablen Kredit (Basis 3-Monats-EURIBOR) für einen Teilbetrag von 1.200.000 € mit einer Laufzeit von 20 Jahren. Darüber hinaus schließt der Landwirt mit seiner Hausbank per Sommer 2018 einen Forward-Zahlerswap ab. Die Swap-Laufzeit beginnt analog mit dem Auszahlungsbeginn des variablen Darlehens am 1. September 2018 und endet mit der letzten Tilgung am 1.September 2038. Damit sichert sich der Landwirt einen festen Zinssatz für seinen kompletten Finanzierungszeitraum.

Fazit: Die vorgestellten Lösungen sind auf die Risikobegrenzung ausgerichtete, konservative Finanzinstrumente. Deren Funktionsweise und Handhabung sind einfach und transparent. In der klassischen mittelständischen Unternehmensfinanzierung werden Zins-Caps sowie Zahlerswaps seit Jahren genutzt und stehen inzwischen auch für relativ kleine Kreditbeträge zur Verfügung. Auch landwirtschaftliche Unternehmen können mit diesen Instrumenten ihre Zinsänderungsrisiken aktiv managen, Zinsvorteile nutzen und die Flexibilität im Kreditgeschäft ausbauen. Das derzeit niedrige Zinsniveau macht diese Finanzinstrumente besonders attraktiv.