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Genossenschaften – von den Besten lernen

Henning Ehlers zu einer starken Idee mit Zukunft

Genossenschaften haben 2018 viele Gründe, positiv in die Zukunft zu schauen. Die 2104 Mitgliedsunternehmen des Deutschen Raiffeisen Verbands haben trotz widriger Umstände ein wirtschaftlich zufriedenstellendes Jahr hinter sich – gemeinsam haben sie einen Umsatz von 63 Milliarden Euro erwirtschaftet. Mit Stolz feiern wir deshalb ein besonderes Jubiläum: Friedrich Wilhelm Raiffeisen, Erfinder der Genossenschaft, wurde vor 200 Jahren geboren. Er hat aus fast nichts eine Bewegung geschaffen, die heute weltweit dazu beiträgt, dass Menschen besser leben können. Weil sie gemeinsam wirtschaften, weil einer für den anderen Verantwortung übernimmt. Für immer mehr junge Menschen ist heute Teilen das neue Besitzen.

Heißt das jetzt, dass alles gut ist im Genossenschaftswesen? Dass wir uns einfach zurücklehnen und die Früchte unserer Arbeit genießen können? Nein, das heißt es nicht. Natürlich schauen wir mit Stolz auf das Erreichte. Doch die Genossenschaftsidee wäre nicht über fast zwei Jahrhunderte hinweg so erfolgreich gewesen, wenn sich die Unternehmen nicht angepasst hätten. Wenn sie nicht immer wieder Antworten auf neue Herausforderungen gefunden hätten.

Und Herausforderungen gibt es in diesen Tagen zur Genüge: Sie reichen von veränderten Verbrauchererwartungen an die Landwirtschaft über die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union bis hin zur Digitalisierung.

Mehr Menschen interessieren sich dafür, wo ihr Essen herkommt. Das ist gut. Wenn jedoch die Ansprüche steigen, nimmt auch der Aufwand zu. Steigende Kosten dürfen aber nicht allein zu Lasten der Erzeuger gehen.

Der Erhalt einer starken Gemeinsamen Agrarpolitik ist unverzichtbar, um eine wettbewerbsfähige, ökologisch und ökonomisch nachhaltige, flächendeckende Land- und Ernährungswirtschaft in Europa und Deutschland sicherzustellen. Deshalb lehnen wir eine mögliche Renationalisierung ab. Die aktuellen Legislativvorschläge sind eine gute Diskussionsgrundlage.

Die Digitalisierung ist in vielen Betrieben angekommen: Roboter melken Kühe, Computer messen satellitengestützt, wie viel Dünger und Pflanzenschutzmittel notwendig sind. Damit diese Fortschritte ausgebaut werden können, muss die Infrastruktur stimmen. Dafür sind Investitionen nötig – vor allem in schnelles Internet.

Um unsere Genossenschaften fit zu machen, auf diese und andere Anforderungen reagieren zu können, nutzen wir auch unser anstehendes Wirtschaftsforum und unsere Mitgliederversammlung. Dann kommen für zwei Tage etwa 300 Vertreter von Genossenschaften und Freunde des Genossenschaftswesens in Berlin zusammen. Unter dem Titel „200 Jahre Raiffeisen: Starke Idee – Mit Genossenschaften die Zukunft gestalten“, diskutieren sie Chancen, die sich unseren Unternehmen bieten. Mitglieder aus ganz unterschiedlichen Bereichen werden vorstellen, mit welchen Projekten sie in die Zukunft gehen. Damit auch in weiteren 200 Jahren Genossenschaften als wichtige wirtschaftliche Kraft dazu beitragen, dass Menschen gut leben können.