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Gülle-Stau im Norden

Johannes Thomsen zu den Konsequenzen des Gülle-Notstandes

Die enormen Niederschlagsmengen im Herbst und im Winter führten dazu, dass die meisten Böden in Norddeutschland Wasser gesättigt und auf lange Sicht nicht befahrbar sind. So wird es noch dauern, bis diese Böden wieder in der Lage sind, Gülle aufzunehmen.

Schon im Spätsommer konnten viele Landwirte keine Gülle mehr ausfahren. Das zusätzlich aufzufangende Oberflächenwasser belastet die Güllebehälter und Lagunen zusätzlich, so dass die Lagerkapazitäten weitgehend erschöpft sind. Nur wenige Landwirte, die die Vorverlegung der Sperrfrist zur Gülleausbringung auf den 15. Januar beantragt haben, verfügen über geeignete Flächen zur frühzeitigen Ausbringung. Die Mehrzahl der Landwirte muss damit bis zum 31. Januar warten.

Zurzeit wird händeringend Lagerraum gesucht und viele Behälter von Aufgabebetrieben werden aktiviert. Ein reger Gülleverkehr ist dort zu beobachten, wo noch Gülle aufgenommen werden kann. Bevor es zu sogenannten „Havariefällen“, also ein Überlaufen des Güllelagers kommt, kann in Schleswig-Holstein auf Antrag ein provisorisches Güllelager in Form einer Lagune eingerichtet werden.

Die Liste der Auflagen dafür ist lang, und die zuständige Wasserbehörde muss dazu die Genehmigung erteilen. Die Kosten dafür sind hoch, nach Kalkulation der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein betragen sie mindestens 12,50 Euro/m³. Auf jeden Fall muss das provisorische Güllelager nach der Benutzung wieder zurückgebaut werden. Außerdem erfolgt anschließend ein Cross-Check durch das zuständige Landwirtschaftsamt, wo unter anderem die notwendige sechsmonatige Lagerdauer überprüft wird.

Diese angespannte Situation wird dazu führen, dass zukunftsorientierte Betriebe zusätzlichen Lagerraum schaffen werden. Auch dies verursacht zusätzliche Kosten von 3,- bis 6,- Euro/m³. Allerdings werden auch wieder vermehrt Betriebe die Produktion einstellen und aus der Landwirtschaft aussteigen.

Eine grundsätzliche Änderung der Witterung ist nicht zu erwarten, darüber ist ausreichend berichtet worden. Aber weniger Niederschläge könnten helfen, die Lage zu entspannen. Insgesamt würde sich damit die Stimmung verbessern!