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„Es wird Gülle bereits mit Raupen verschlaucht“

Der Betrieb von Dennis Anders liegt 2 km von der nächsten Stadt und 5 km von der Ostsee entfernt. Es ist ein Milchvieh-Futterbaubetrieb mit 160 Milchkühen. Die komplette weibliche Nachzucht bleibt auf dem Betrieb und steht bis zu einem Alter von sechs Monate auf Stroh Einstreu.

Die männliche Nachzucht bleibt acht Monate auf den Betrieb und wird als Rosé-Mast vermarktet. Die Tiere stehen bis zur Vermarktung permanent auf Stroh.

Das Futter wird komplett auf den eigenen Flächen erzeugt. Gülle und Mist wird auf den eigenen Flächen ausgebracht. Dadurch ist der Betrieb relativ autark in seiner Nährstoffausbringung.

Herr Anders, herrscht bei Ihnen Gülle-Notstand? Wie reagieren Sie? Haben Sie eine Vorverlegung der Sperrfrist beantragt? Brachte das etwas?

Anders: Aktuell herrscht auf unserem Betrieb noch kein Gülle-Notstand. Im Juli 2017 konnten wir die Gülleläger komplett leeren. Viele Flächen unseres Betriebes liegen in einem Wasserschutzgebiet, das heißt auf diesen Flächen darf ab August keine Gülle mehr ausgebracht werden. Wir haben 2011 einen Milchviehstall und 2013 einen Güllebehälter gebaut. Dieser ist für den derzeitigen Betrieb überdimensioniert ausgelegt. Es wurde für die Zukunft gebaut. Aus diesem Grund hat der Betrieb derzeit überhaupt gar keine Probleme mit der nassen Witterung und den Lagerkapazitäten.

Den Antrag auf eine Vorverlegung der Ausbringungsfrist stelle ich jedes Jahr, da - wie erwähnt - auf den meisten Flächen aufgrund eines Wasserschutzgebietes ab dem 1. August nicht mehr Gülle gefahren werden durfte. In den meisten Jahren bringt die Fristverschiebung aber nichts, weil die Witterung eine Ausbringung nicht möglich macht.

Wenn man diese jedoch nutzen kann, ist das eine gute Sache. Man kann früher anfangen mit den Feldarbeiten und Arbeitsspitzen entzerren. Ich finde das sinnvoll. Die Fristverschiebung nur an einem einzigen Tag nutzen zu können, ist natürlich nicht sinnvoll. Aber er kann genutzt werden, wenn Notstand herrscht.

Wie sieht es bei Ihren Kollegen aus?

Anders: Die Gülleläger in der Region sind alle weitestgehend voll. Man hört immer mehr, dass Gülle von links nach rechts durch Schleswig-Holstein gefahren wird. Teilweise über eine Stunde pro Tour. Die Separationsanlagen in der Region laufen Tag und Nacht 24 Stunden durch. Hierdurch wird versucht, weitere Kapazitäten zu schaffen.

Alle vorhandenen Lagerstätten sind ausgelastet. Wir haben durch unsere Überkapazitäten bereits von zwei Nachbarn Gülle aufgenommen, denen wir jetzt helfen, die Zeit zu überstehen. Wir hoffen, dass wir das gemeinsam schaffen.

Was, wenn das Wetter so bleibt?

Anders: Wenn das Wetter so bleibt, wird sich die Situation weiter verschärfen. Dann weiß keiner mehr, wo er mit der Gülle bleiben soll. An der Westküste wird Gülle bereits mit Raupen verschlaucht, nur um diese irgendwie auf die Flächen zu bringen. Unser Betrieb hat noch Kapazitäten bis Ende Februar - Stand heute. Die Hoffnung ist, dass man bis dahin fahren kann. Ansonsten wäre es doppelt ärgerlich, da man jetzt etwas aufgenommen hat, was natürlich die eigne Lagerkapazität verringert. Aber wir sind optimistisch, dass es besser wird.

Letzter Ausweg Gülle-Lagunen?

Anders: Schön, dass diese genehmigt wurden. Das Problem ist dabei, dass man im Zuge dessen sofort die Behörden auf den Hofplatz stehen hat. Der ganze Betrieb wird auf links gedreht. Auf der anderen Seite haben viele Betriebe selbst Schuld, da sie immer nur mit dem Kuhstall gewachsen sind. Damit kann man natürlich Geld verdienen. Unser Betrieb hat damals das Geld in die Hand genommen für die Schaffung von Lagerkapazitäten. Das war nicht ganz ohne, aber dafür ist man auf der sicheren Seite.

Der Lagunenbau ist auch nicht ganz unkompliziert. Man hat ein großes Loch, das wieder verfüllt werden muss, die Folie muss als Sondermüll entsorgt werden und die Investitionskosten fallen an. Es kostet den Betrieb am Ende ein Heidengeld und man steht wieder genau da, wo man am Anfang stand. Ich persönlich würde das so lange wie möglich umgehen. Es ist ein Lösungsweg, den ich nicht nutzen möchte. Ich würde lieber fahren wollen, wenn es irgendwie möglich ist.