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Deutsches Agribusiness 2017 mit Rückenwind

Ein höheres Preisniveau hat den Betrieben im deutschen Agribusiness 2017 Rückenwind gegeben und zu teils kräftigen Umsatzanstiegen geführt. Insgesamt konnte die Branche ihre Umsätze nach vorliegenden Schätzungen um 3,4 Prozent auf 225,7 Mrd. Euro steigern. Damit lässt das Agribusiness zwei schwierige Jahre hinter sich und kehrt auf den Wachstumspfad zurück.

Das Agribusiness bleibt damit in Deutschland – nach dem Fahrzeug- und dem Maschinenbau – die drittgrößte Branche innerhalb des verarbeitenden Gewerbes und dürfte ihren Anteil am Gesamtumsatz leicht gesteigert haben. 2016 betrug ihr Anteil rund 12,1 Prozent. Die bedeutendsten Teilbranchen des deutschen Agribusiness sind die Lebens- und Futtermittelindustrie, die Getränkeindustrie, die Landtechnikindustrie, die Saatzuchtindustrie, die Hersteller von Pflanzenschutz- und Düngemitteln sowie der Landhandel.

Die Branchen im Einzelnen

Landtechnik

Die deutsche Landtechnikbranche hatte seit dem Allzeithoch 2013 mit einem Umsatz von 8,39 Mrd. Euro drei Jahre in Folge mit erheblichen Umsatzrückgängen zu kämpfen. 2017 ging es erstmals wieder aufwärts: Einträgliche Ernten und zufriedenstellende Erzeugerpreise, besonders für Milch und Futterpflanzen, haben die Nachfrage nach innovativen Produkten der Landtechnikindustrie weltweit steigen lassen.
 
Bereits in den Vorjahren war die Zahl der Betriebe ebenso wie die Zahl der Beschäftigten trotz der Umsatzrückgänge weiter gestiegen. Von 2008 bis 2016 hat sich die Anzahl der Mitarbeiter um fast ein Viertel (plus 24 Prozent) von 28.766 auf 35.600 Beschäftigte und die Zahl der Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern von 158 auf 180 (plus 14 Prozent) erhöht.

Das Umsatzwachstum 2017 hat auch der Beschäftigung einen weiteren Schub verliehen: Ende des dritten Quartals 2017 lag die Zahl der Beschäftigten 3,7 Prozent über der des Vorjahres. Zum Ende des Jahres 2017 dürfte die Zahl der Beschäftigten in der Landtechnikindustrie fünf Prozent über der des Vorjahres liegen, die Zahl der Betriebe dürfte leicht von 181 auf 183 steigen.

Die positive Entwicklung hat auch zu einer besseren Stimmung in der Landtechnikindustrie geführt: Der ifo-Geschäftsklimaindex, der sich aus der Beurteilung der Geschäftslage und den Geschäftserwartungen zusammensetzt, war – mit Ausnahme des Januar – ganzjährig positiv. Im Juni erreichte er seinen Jahreshöchstwert von 56,1 Punkten – so einen hohen Wert gab es zuletzt 2012. 

Ernährungsindustrie

Die Ernährungsindustrie ist sowohl gemessen nach Umsätzen als auch nach Mitarbeitern die größte Teilbranche des Agribusiness. Sie hat 2017 mit dem geschätzten Rekordumsatz von knapp 179 Mrd. Euro die Erlöse im Vergleich zum Vorjahr um 4,5 Prozent steigern können. Dadurch setzte die Branche ihren Erholungskurs fort, den sie im vergangenen Jahr mit einem leichten Wachstum von 1,6 Prozent nach zwei Jahren sinkender Umsätze einleitete.

Sie ist aber nicht nur hinsichtlich des Umsatzes die wichtigste Teilbranche innerhalb des Agribusiness, sondern auch der größte Arbeitgeber. 2017 ist die Zahl der Beschäftigten geschätzt um etwa 3,8 Prozent auf knapp 602.000 gestiegen. Seit 2008 sind die Beschäftigtenzahlen damit jedes Jahr gewachsen. Die Zahl der Betriebe stieg von 2008 bis 2016 von 5.796 um 2,5 Prozent auf 5.940. 2017 kamen hochgerechnet erneut 2,4 Prozent hinzu, so dass die Gesamtzahl 6.082 beträgt.

Entsprechend positiv ist 2017 auch das Geschäftsklima gewesen. Der Geschäftsklimaindex blieb das gesamte Jahr im Plus. Grund für die insgesamt positive Bewertung war insbesondere der Preisanstieg für Milch und Schweinefleisch und die dadurch optimistische Einschätzung der Geschäftslage. Die Geschäftserwartungen blieben dagegen eher verhalten, was vor allem an den ab Oktober abflachenden Umsatzzuwächsen und den verhaltenen Gewinnerwartungen liegen dürfte.

Fleischwirtschaft

Die Fleischwirtschaft ist innerhalb der Ernährungswirtschaft die wichtigste Teilbranche. Mit dem geschätzten Rekordumsatz von 43,7 Mrd. Euro für 2017 macht sie rund ein Viertel der Erlöse in der Ernährungsindustrie aus. Vor allem im Inland stiegen die Umsätze von 31 auf 33 Mrd. Euro. Zwar legte auch der Export leicht zu, allerdings sinkt sein Anteil bereits seit 2012 kontinuierlich und macht derzeit nur noch rund 25 Prozent am Gesamtumsatz der Fleischwirtschaft aus. Die Zahl der Beschäftigten stieg um etwa sieben Prozent auf über 121.700. Auch die Zahl der Betriebe erhöhte sich um 3,7 Prozent auf 1.454.

Die Branche bewertet ihre Lage grundsätzlich sehr kritisch. Daher ist es bemerkenswert, dass der Geschäftsklimaindex im Juli das erste Mal seit September 2011 ins Positive drehte. Das lag vor allem an der positiven Beurteilung der Geschäftslage, die unter dem Eindruck hoher Umsatzzuwächse im Frühjahr und Sommer stand. Vor allem das hohe Preisniveau von Schweinefleisch zur Jahresmitte trug dazu bei.

Milchwirtschaft

Die Milchwirtschaft hat Mitte 2016 einen Wendepunkt erreicht, da die angelieferten Milchmengen zurückgingen und die Preise für Rohmilch und Milchprodukte stiegen. Als Folge konnten die Milchbetriebe im Jahr 2017 ihre wirtschaftliche Talfahrt stoppen – nach drei Jahren mit zurückgehenden Umsätzen. Die Zahl der Beschäftigten in den Molkereien stieg geschätzt um 2,8 Prozent auf 43.594, die Zahl der Betriebe um sieben auf 222.

In der Milchwirtschaft setzt sich die Tendenz zu Großmolkereien weiter fort: Knapp 96 Prozent aller Beschäftigten arbeiten in Betrieben mit mehr als 50 Mitarbeitern.

Die Entspannung der Milchpreiskrise wirkte sich deutlich belebend auf die Stimmung der Branche aus. Der Geschäftsklimaindex war fast ganzjährig positiv. Im November drehte der Index mit minus acht Punkten allerdings erstmals ins Negative. Das liegt vor allem an den pessimistischen Erwartungen für die kommenden Monate. Die Betriebe befürchten einen erneuten Preisverfall.

Dies ist ein Auszug aus einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young GmbH (EY) und des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre des Agribusiness der Georg-August-Universität Göttingen. Hier der Link zum Download der Präsentation.