DLG e.V. - Am Ende bleibt die Geschichte

Am Ende bleibt die Geschichte

Wie können wir als moderne Landwirtschaft noch Aufmerksamkeit erregen? Die Antwort lautet: Packende Geschichten erzählen und damit ein gutes Storytelling betreiben. Foto: agrar-press

Statistiker besagen, dass uns am Tag über 10.000 Werbebotschaften erreichen. Wie fallen Informationen da überhaupt noch auf? Wie können wir als moderne Landwirtschaft in dieser „Ökonomie der Aufmerksamkeit“ (Georg Franck) bestehen – neben globalen Playern und NGOs?

Die Antwort ist so einfach und kompliziert zugleich: Indem wir sie in packende Geschichten verpacken und gutes Storytelling betreiben. Eine gute Geschichte überzeugt, wenn sie kurz, verständlich, überraschend und emotional ist; wenn sie ein Bild schafft, dass der Adressat so schnell nicht aus dem Kopf bekommt. Und, wenn sie ihn in seiner Lebenswelt abholt.

Das Forum Moderne Landwirtschaft (in dem auch die DLG Mitglied ist) setzt konsequent auf Storytelling. Zum Beispiel mit seinem Magazin moderne-landwirtschaft.de und der Ausspielung der Storys über die sozialen Medien. Im Fokus der Storys sind (fast) immer Menschen; Persönlichkeiten unserer Branche, die etwas zu erzählen haben. Fest im Blick halten wir dabei stets die Frage: Wo trifft sich diese Persönlichkeit mit dem Verbraucher, wo sprechen sie eine Sprache? Ich möchte Ihnen das versinnbildlichen:

Gehen wir in diesen kalten Tagen einmal gedanklich zurück in die Getreideernte. Als Landhändlertochter bin ich mit diesem Thema aufgewachsen. Es ist für mich hochemotional: Wird das Wetter halten? Stimmen die Qualitäten? Wieviel Lagerkapazität haben wir noch? Dazu dieser feine, kriechende Gerstenstaub, der es sich bei 25 °C so richtig bequem gemacht hat auf meiner Haut. Spüren Sie dieses leichte Kribbeln in den Unterarmen auch? Gut – dann habe ich Sie genau jetzt emotional bei mir. Sie werden sich vermutlich an diese Zeilen erinnern. Sie sind meine Zielgruppe für diese Geschichte.

Wenn ich jedoch meine Freundin Lisa in Hamburg-Winterhude zum Thema Ernte faszinieren möchte, muss ich das anders lösen. Sie weiß nicht, wie befreiend eine Dusche nach dem Gerstendrusch sein kann. Sie hat keinen emotionalen Bezug dazu. Muss sie auch nicht. Lisa muss ich anders ansprechen. Ich höre ihr interessiert zu und schließe aus ihren Erzählungen, dass sie an der Ernte die Größe der Fahrzeuge, Mähdrescher, Trecker und LKWs, kritisch betrachtet – die zu industriell und beängstigend für sie sind.

Lisa hat einen dreijährigen Sohn. Um Lisa emotional zu erreichen, erzähle ich ihr von dem Menschen, der den LKW fährt: Thorsten. „Thorsten ist Familienvater und fährt seit über 20 Jahren bei uns LKW. In seiner Freizeit ist Thorsten ein begnadeter Bogenschütze, und er leitet ehrenamtlich die Jugendfeuerwehr bei uns im Dorf. Keiner ist so verantwortungsbewusst, konzentriert und präzise wie er“.

So wird aus einem Baustein der modernen Landwirtschaft unser LKW-Fahrer Thorsten – dem eine gesunde Umwelt, hochwertige Lebensmittel und die Zukunft seiner Kinder genauso wichtig sind, wie meiner Freundin Lisa.

Lisa wird nicht von nun auf jetzt all ihre Vorbehalte fallen lassen. Aber mit jedem Gespräch wächst in ihr Vertrauen in das, was moderne Landwirte tun. Und wenn sie das nächste Mal an einem Erntefahrzeug vorbeifährt, sieht sie vermutlich weniger die großen, beängstigenden Maschinen, als vielmehr den sympathischen LKW-Fahrer Thorsten.

Autorin: Julia Nissen, Projektleiterin Netzwerk Forum Moderne Landwirtschaft

 

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