DLG e.V. - Stalleinbruch – und nun?

Stalleinbruch – und nun?

Die Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit der Jungen DLG

Gegründet durch die Junge DLG setzt sich die Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit in der Landwirtschaft die Unterstützung von Landwirtinnen und Landwirten bei der täglichen Öffentlichkeitsarbeit im eigenen Betrieb zum Ziel.

Hierfür werden Ideen und Beispiele für erfolgreiche Kommunikation auf einzelbetrieblicher Ebene aufgezeigt. Impulse für die Weiterentwicklung der Kommunikation auf branchenweiter Ebene werden unter anderem mit Vortragsveranstaltungen im Rahmen von DLG-Tagungen beziehungsweise mit Hilfe von Publikationen gesetzt.

Die Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit setzt sich aus 20 Experten der Bereiche Landwirtschaft, Agribusiness, Marketing und Wissenschaft zusammen.

Bei Fragen und Anregungen steht Ihnen die Junge DLG unter JungeDLG(at)DLG.org oder unter 069 24788-308 zur Verfügung.

Christoph Hüsing (links) ist Mitglied der Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit der Jungen DLG, Geschäftsführer von Land.Schafft.Werte. e.V, Cloppenburg. Foto: Hüsing

Stefan Wille (rechts) ist Mitglied der Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit der Jungen DLG, Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Universität Göttingen, Lehrstuhl Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte. Foto: Wille

Christoph Hüsing und Stefan Wille geben Ratschläge, wie reagiert werden sollte

Jetzt ist es passiert! Beim morgendlichen Stallrundgang haben Sie festgestellt, dass letzte Nacht in Ihren Stall eingebrochen wurde. Mit Ihrer Familie sitzen Sie am Küchentisch und sind ratlos, wie Sie mit der Situation umgehen sollen.

Bilder der selbsternannten Tierrechtler erreichen auf der einen Seite viele Verbraucher, auf der anderen ebenso die Landwirte. In den Kreisen von Verbrauchern sorgen die Aufnahmen für einen weiteren Imageschaden der Tierhaltung in Deutschland. Die Auswirkungen innerhalb der Landwirtschaft finden oftmals nicht den Weg an die Öffentlichkeit. Wie also befasst man sich als Tierhalter mit diesem Thema?

Präventiv arbeiten:

Offen auf die Verbraucher zugehen, und unsere Tierhaltung transparent darstellen - leichter gesagt als getan. Gerade mit dem Hintergrund der hohen Hygienestandards in unseren Ställen können wir nicht einfach Jedermann durch unseren Stall laufen lassen. Schaffen Sie durch beispielsweise Schaufenster im Stall mehr Transparenz. Zeigen Sie, dass Sie nichts zu verbergen haben. Abhängig ist diese Art Öffentlichkeitsarbeit natürlich von Zeit, Geld und persönlicher Einstellung des Landwirts. Gerade bautechnische Veränderungen am oder im Stall für mehr Transparenz sind mit Kosten verbunden.

Zusätzlich sollten Sie Ihren Stall vor unberechtigtem Zugang schützen. Stabile Schlösser und beispielsweise Bewegungsmelder oder Kameras können zu einer Identifizierung der Einbrecher verhelfen, denn der Einbruch in einen Stall ist nach wie vor illegal und durch nichts zu rechtfertigen. Es kann ein entscheidender Unterschied sein, ob man einer Tierrechtsorganisation als Organisation oder Institution den Vorwurf des Hausfriedensbruches macht, oder dem tatsächlichen Einbrecher, einer Privatperson. Demjenigen, der Peta und Co. das Bildmaterial zuspielt.

Dies wiederum darf kein Freifahrtschein für Landwirte sein, um nicht gesetzeskonform nach Tierschutznutztierhaltungsverordnung, QS oder Tierwohllabel zu arbeiten. Denn die Verantwortung für unsere Tiere und somit auch für entstandenes Bildmaterial liegt natürlich bei uns – den Tierhaltern.

Im Eintrittsfall:

Partner einbeziehen! Die eigene Emotion übermannt den Betroffenen und lässt oftmals nur schwer nüchterne und klare Gedanken zu. Es sollten mindestens drei Personengruppen hinzugezogen werden. Zum einen die eigene Familie. Sprechen Sie mit Ihrem Ehepartner und Ihren Kindern. Oftmals haben Kinder schwer mit solchen Situationen zu kämpfen und haben Angst, dass die „Einbrecher“ wiederkommen.

Außerdem sollten unabhängige Personen hinzukommen, mit denen Sie den Ist-Zustand im Stall nach dem Einbruch dokumentieren. Dazu zählen zum einen Spuren, die Einbrecher hinterlassen haben, sowie der Zustand der Tierhaltung. Hier ist es ratsam, unter anderem Veterinäre und Kontrollbehörden ihres betrieblichen Umfelds zu wählen. Der dritte Part sollte ein erfahrener Anwalt sein, der Sie bei den rechtlichen Schritten unterstützt.

Aufarbeitung und Prävention:

Wenn gefilmt wurde, steht die Frage im Raum – sind Vorwürfe begründet? Falsche Arbeitsabläufe und andere menschliche Fehler kann man ähnlich wie vorkommende Krankheitsbilder transparent nach außen kommunizieren. Wichtig für den Tierhalter ist dabei, dass auch er selbst gut nachvollziehen kann, was zu entsprechenden Zeitpunkten im Stall vorgefallen ist. Schlagwort Dokumentation. Aber auch hier ist der Einzelfall abzuwägen. Liegen rechtliche Verstöße der handelnden Person im Arbeitsablauf mit dem Tier vor, sind empathische Äußerungen über die eigenen Tiere unangebracht. Nichtsdestotrotz ist auch die ehrliche Betroffenheit eines Tierhalters eine berechtigte Reaktion.

Sollten sich sogar Möglichkeiten ergeben, das Bildmaterial aus anderen Perspektiven geradezurücken oder zu beleuchten, kommt es darauf an, die eigenen Inhalte (Bilder, Filmsequenzen, Statements, etc.) schnellstmöglich bei den kritischen Medien als auch branchennahen Portalen zu platzieren. Trotz der nicht zu hoch eingestuften Erfolgschancen. Den Spielball für Medien und NGOs darzustellen, ist keine Option!

Viele Mitglieder der Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit der Jungen DLG, sowie auch Land.Schafft.Werte. e.V. setzen sich für die Erzeugung von Fleisch und die Haltung von Tieren ein. Mit einer offensiven Herangehensweise an kritische Themen möchten sie die Agrarbranche unterstützen und konstruktive Diskussionen anstoßen.

Denn wenn wir nichts zu verheimlichen haben, müssen wir es auch umsetzen und leben!

 

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