DLG e.V. - DLG-Kompakt Biosicherheit Geflügel

Biosicherheit – wichtiger Grundstein für den langfristigen Erfolg!

DLG-Kompakt 06/2019

Autor:

Christian Twehues
AGRAVIS Raiffeisen AG

DLG-Ausschuss für Geflügel

Inhaltsverzeichnis

  • Definition
  • Serviceperiode
  • Personalhygiene
  • Fahrzeugverkehr
  • Bekämpfung krankheitsübertragenden Vektoren
  • Zusammenfassung
  • Checklisten

Hochpathogene Erreger in der Umwelt stellen die Betriebe vor immense Herausforderungen. In diesem Zusammenhang erreicht der Begriff „Biosicherheit“ einen immer höheren Stellenwert. Dabei stellt sich die Frage, was verstehen wir unter Biosicherheit und wie sollte diese im Optimalfall auf meinem Betrieb aussehen? Diese Frage müssen sich Geflügelhalter stellen und dabei die vorhandenen Arbeitsabläufe regelmäßig kritisch hinterfragen.

Im Folgenden werden die Grundsteine der Biosicherheitsmaßnahmen erklärt, die auf jedem Betrieb beachtet werden müssen. Dabei ist es egal, ob es sich um einen Mast-, Elterntier-, Junghennen- oder Legehennenbetrieb handelt.

Definition: „Biosicherheit“ auf Geflügelbetrieben umfasst alle getroffenen Maßnahmen, um die Gefahr der Einschleppung und Ausbreitung von Infektionserregern zu minimieren, mit dem Ziel, die Tiere gesund zu erhalten.

Die Serviceperiode steht vor jedem Durchgang im Mittelpunkt. Ziel ist es, mit geeigneten Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten die allgemeine Keimbelastung in den Ställen zu senken und Infektionsketten zu unterbrechen. Über den Erfolg bei der Desinfektion entscheiden die richtige Mittelauswahl sowie die gründliche Reinigung mit alkalischen Reinigern um die Fett- und Eiweißschicht zu entfernen. Grundsätzlich sollte die Reinigung und Desinfektion nach individuellen Hygienekonzepten mit wirksamen und geprüften Desinfektionsmitteln (Biozidanmeldung, DVG-Listung) erfolgen. Es muss genau darauf geachtet werden, welche Desinfektionsmittel zum Einsatz kommen, da nicht alle Wirkstoffe gegen alle Erregergruppen wirken und nicht bei allen Temperaturen gleichermaßen effektiv sind (Kältefehler). Zusätzlich ist die Ausbringung von einer ausreichend hohen Gebrauchslösung entscheidend.
Hierbei sollten 0,4 Liter/m² (Wasser inkl. Desinfektionsmittel) nicht unterschritten werden. Zur Beurteilung und Kontrolle der durchgeführten Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten können Tupfer- bzw. Abklatschproben herangezogen werden. Diese zeigen nach jedem Arbeitsschritt, inwieweit der Keimgehalt verringert wurde.

Nach Erfahrungswerten befinden sich vor der Reinigung eines Stalles durchschnittlich 1.000.000.000 (10⁹) Bakterien pro cm² Stallfläche. Die Gesamtanzahl der Bakterien sinkt nach einer gut durchgeführten Reinigung und einer abschließenden Desinfektion auf durchschnittlich 100 (10²) Bakterien pro cm². Das entspricht einer Verringerung der Keimbelastung von mehr als 99,99 % (Quelle: DESINTEC).

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Personalhygiene. Die strikte Einhaltung von Schwarz- und Weißbereichen ist essentiell. Dies gilt für das hofeigene Personal gleichermaßen wie für betriebsfremde Besucher (Tierarzt, Berater, Handwerker …). Dabei sind die Mindestanforderungen ein Schuh- und Kleidungswechsel sowie gründliches Händewaschen und die Führung eines Besucherbuchs. Bei mehreren Stalleinheiten ist ebenfalls eine Verschleppung von pathogenen Keimen von Stall zu Stall als hohes Risiko einzustufen. So gilt es eine praxistaugliche Lösung zu finden. Die Auswahl eines geeigneten Desinfektionswirkstoffes für die Schuhdesinfektion stellt dabei eine große Herausforderung dar. Bei der Schuhdesinfektion eignen sich viele Desinfektionsmittel in der Praxis nicht, da diese eine sehr lange Einwirkzeit benötigen und bei niedrigen Temperaturen einen Kältefehler aufweisen. Der Charakter des Desinfektionswirkstoffes sollte keinen Kältefehler beinhalten, eine möglichst lange Stabilität in der Gebrauchslösung vorweisen und zudem eine schnelle Wirksamkeit gewährleisten. Einen weiteren Einfluss bildet die organische Substanz, die sich häufig unter der Sohle der Schuhe befindet und die Desinfektionswirkung dadurch herabsetzen kann (Eiweißfehler).

Im Optimalfall werden Schuhe und Kleidung gewechselt. Dabei gilt immer die strikte Einhaltung. Personalhygiene muss gelebt und bekannte „Graubereiche“ müssen vermieden werden!

Die gleichen Rahmenbedingungen gelten ebenfalls für den Fahrzeugverkehr. Dabei sollten betriebsfremde Fahrzeuge das Betriebsgrundstück nicht befahren. Insbesondere stellen dabei Fahrzeuge, die mehrere Betriebe anfahren, eine entscheidende Gefahr dar (Futterlieferanten, Lkw der TKBA, Hühnerlieferanten …). Die Wege auf dem Betrieb sollten dabei hinsichtlich Erregereinschleppung gut durchdacht werden. Für eine Desinfektion von Fahrzeugen ist zu beachten, dass die Menge an Gebrauchslösung je m² entscheidend ist, um Viren, Bakterien und Pilze abzutöten. Dabei gilt die gleiche Aufwandmenge wie bei der Stalldesinfektion (0,4 l/m²).

Neben der gut geplanten Serviceperiode und der Einhaltung einer strikten Personalhygiene ist auch die Bekämpfung von krankheitsübertragenden Vektoren von entscheidender Bedeutung. Dabei ist eine ordentliche Schadnager- und Insektenbekämpfung sehr wichtig. Besonders im Herbst und Winter fühlen sich die Schadnager zu den Geflügelställen hingezogen, um eine notwendige Nahrungsquelle aufzufinden. Eine aufgeräumte Umgebung, um keine Schadnager anzulocken, steht dabei ebenso im Vordergrund wie die Auswahl eines geeigneten Wirkstoffes im Köder. Es ist bekannt, dass einige Schadnager bereits Resistenzen gegenüber Wirkstoffen aufweisen und diese bei der Vermeidung der Einschleppung wenig Erfolg haben werden. Die Platzierung der Köderstationen sollte bei Schadnagerbefall sorgfältig und strategisch geplant werden, sodass neben dem Stall auch die Bereiche Getreide- und Strohlagerung berücksichtigt werden.

Des Weiteren können Fliegen und kriechende Insekten, wie z.B. der Getreideschimmelkäfer, eine zunehmende Gefahr hinsichtlich der Einschleppung von pathogenen Erregern in den Bestand darstellen und daher bei Bedarf effektiv bekämpft werden.

Zusammenfassung:

Vorbeugende Hygienekonzepte verbessern die Tiergesundheit und helfen den Deckungsbeitrag je Stallplatz zu optimieren. Dabei ist eine Vielzahl an Punkten zu beachten. Jeder Geflügelhalter muss sich seine eigenen Gedanken zum Thema Biosicherheit machen. Diese Gedanken müssen Sinn ergeben und praktikabel umsetzbar sein.

Die besten theoretischen Biosicherheitsmaßnahmen bringen keinen Erfolg, wenn diese auf dem Betrieb nicht gelebt werden.

Biosicherheit Geflügel – übergeordnete Checkliste für den Betriebsleiter

❏ Regelmäßige Überprüfung der Biosicherheitsmaßnahmen 

❏ Festlegung der Funktion und Verantwortlichkeiten der Beschäftigten

❏ Lagerung von Mist außerhalb des Betriebsgeländes

❏ Auswahl von geeigneten Reinigungs-und Desinfektionsmitteln (Wirkstoff), je nach Erregerproblematik

❏ Reinigung und Desinfektion (R + D) durch geschultes Personal

❏ Klare Trennung von Schwarz- und Weißbereichen

❏ Zugang nur für Beschäftigte und erforderliches externes Personal

❏ Betriebsspezifische Schutzkleidung je Betrieb und je Stalleinheit (evtl. Einwegkleidung bereitstellen)

❏ Zuweisen der Gerätschaften zu einer bestimmten Stalleinheit

❏ Gekühlte Lagerung von Tierkadavern und regelmäßiges Entsorgen durch TKBA

❏ Fahrzeugverkehr hygienisch regeln (Kreuzung der Wege vermeiden)

❏ Fahrzeugschleuse einrichten mit einer Möglichkeit zur Reinigung und Desinfektion

❏ Bei Schadnagerbefall eine koordinierte Bekämpfung durchführen (einschließlich Aufzeichnung)

❏ Potenzielle krankheitsübertragende Vektoren (Insekten) bekämpfen

❏ Verwendung und Einkauf von hygienisch unbedenklicher Einstreu

❏ Verwendung von hygienisch unbedenklichem Beschäftigungsmaterial

Biosicherheit Geflügel – routinemäßige Checkliste für verantwortliche Mitarbeiter

❏ Unterweisung von externen Besuchern

❏ Entfernung von Mist und Einstreu nach Ende des Produktionszyklus

❏ R + D der gesamten Stalleinheit inkl. Verkehrsflächen und aller beweglichen Gerätschaften und Maschinen

❏ Besucherbuch führen

❏ Hände waschen und desinfizieren vor dem Betreten und beim Verlassen der Stalleinheit

❏ Schuhdesinfektion – regelmäßiges Erneuern der Desinfektionsmittellösung

❏ Fernhalten von Wild- und Haustieren

❏ Gelände unattraktiv für Wildvögel halten

❏ Tägliches Entfernen von Kadavern

❏ Trinkwasserqualität sicherstellen

❏ Regelmäßige Reinigung und Desinfektion der Futter- und Wassersysteme

Kontakt

DLG e.V. • Michael Biallowons • Tel.: +49(0)69/24 788-209 m.biallowons(at)DLG.org