DLG e.V. - DLG-Merkblatt 444: Berücksichtigung N- und P-reduzierter Fütterungsverfahren bei den Nährstoff- ausscheidungen von Milchkühen

Berücksichtigung N- und P-reduzierter Fütterungsverfahren bei den Nährstoffausscheidungen von Milchkühen

DLG-Merkblatt 444

Autoren:

  • DLG-Arbeitskreises Futter und Fütterung
  • Thomas Bonsels, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, Kassel
  • Jana Denißen, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Bad Sassendorf
  • Dr. Detlef Kampf, DLG e.V., Frankfurt a.M.
  • Dr. Christian Koch, Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung Hofgut Neumühle, Münchweiler an der Alsenz
  • Andrea Meyer, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Hannover
  • Dr. Martin Pries, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Bad Sassendorf
  • Miriam Rabe, Deutscher Verband Tiernahrung, Bonn
  • Petra Rauch, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Grub
  • Georg Riewenherm, Deutsche Tiernahrung Cremer, Düsseldorf
  • Dr. Peter Rösmann, AGRAVIS Raiffeisen AG, Münster
  • Prof. Dr. Hubert Spiekers, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Grub

1. Einführung

Fütterungsverfahren von Milchkühen

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Die Bilanzierung der Nährstoffausscheidungen landwirtschaftlicher Nutztiere ist in der Broschüre „Arbeiten der DLG, Band 199, Bilanzierung der Nährstoffausscheidungen landwirtschaftlicher Nutztiere, 2. Auflage 2014“ (DLG, 2014) beschrieben. Für die wichtigsten Produktions- und Fütterungsverfahren wurden dabei modellhaft die Nährstoffausscheidungen kalkuliert und dargestellt. Bei den Milchkühen wurden insgesamt 17 verschiedene Verfahren in Abhängigkeit des Standorts, der Leistung und der Rasse definiert. In dem Bestreben zur Senkung der Nährstoffausscheidungen vor dem Hintergrund neuerer Bestimmungen in der Düngeverordnung (DüV, 2017) etablieren sich in der Praxis neue Fütterungsstrategien, bei denen als weitere Einflussfaktoren die Milchleistung aus dem Grobfutter und eine differenzierte Nährstoffversorgung der Tiere in Abhängigkeit des Laktationsstadiums Berücksichtigung finden. Dieses Merkblatt beschreibt die neuen Fütterungsstrategien, informiert über die Ausscheidungsgrößen und legt fest, wie die neuen Verfahren nachvollziehbar zu dokumentieren sind.

2. Vorgehensweise beim Erstellen des Nährstoffsaldos

Die Nährstoffausscheidungen ergeben sich aus dem Saldo der mit dem Futter aufgenommenen Nährstoffe und den im Körper angesetzten bzw. mit der Milch abgegebenen Nährstoffen. Die Grundsätze dieser Bilanzierung finden sich der DLG-Broschüre 199 (DLG, 2014).

3. Berücksichtigung des Laktationsstandes bei der Rationsplanung und der Kalkulation der Nährstoffausscheidungen

3.1 Beispielhafte Kalkulation der Nährstoffausscheidungen bei bedarfsgerechter ­Versorgung in verschiedenen Laktationsabschnitten

Bei den bisherigen Kalkulationen der Nährstoffausscheidungen der Milchkühe wurden bedarfsdeckende Rationen auf Jahresbasis für Kühe mit unterschiedlichen Leistungshöhen und differierender Grobfuttersituation betrachtet. Der Energiebedarf und der Bedarf an nutzbarem Rohprotein am Darm (nXP) bei ausgeglichener ruminaler Stickstoffbilanz (RNB) ist sicher gedeckt. Die Festlegung der Gehalte an nXP in den Rationen orientierte sich hierbei vorwiegend an den Bedarfsgrößen für die Frühlaktation, wobei mit Gehalten zwischen 159 und 167 g/kg Trockenmasse (TM) gerechnet wurde. Beim Phosphor (P) ergaben sich mittlere Konzentrationen von 4,0 bis 4,2 g/kg TM. Die Weiterentwicklung der Fütterungsverfahren und wachsende Bestandsgrößen erlauben heute aber eine sehr differenzierte Protein- und Phosphorversorgung in Abhängigkeit des Laktationsstadiums und der Trockenstehzeit der Kuh. Bekannt ist, dass Kühe zum Beispiel in der zweiten Laktationshälfte bei hoher Futteraufnahme und abnehmenden Milchmengen mit geringeren Konzentrationen an nXP und P in der Ration bedarfsdeckend versorgt werden können. Über eine gezielte Einstellung der nXP- und P-Gehalte im Verlauf der Laktation und der Trockenstehzeit kann Luxuskonsum vermieden und somit die Nährstoffaufwendungen vermindert werden. 

In den Tabellen 1 bis 4 werden beispielhaft die Nährstoffaufnahmen bei einer nach Laktationsabschnitten differenzierten Rationsgestaltung für unterschiedliche Leistungshöhen dargestellt. Der Futter- und Energieaufwand sowie die Gehalte im Produkt (Milch, Fetus) der Verfahren orientieren sich an den in der DLG-Broschüre 199 (DLG, 2014) dargestellten Größen. Die mittleren Rationsgehalte an Rohprotein (XP) über die gesamte Laktation einschließlich der Trockenstehzeit bewegen sich bei dieser differenzierten Vorgehensweise je nach Leistungsklasse zwischen 136 und 150 g/kg TM. Bei P betragen die Konzentrationen 3,5 bis 3,9 g/kg TM im Mittel einer Laktation. Je nach Leistungshöhe ergeben sich dann bei N um gut 7 bis fast 15 % verringerte Ausscheidungen gegenüber den bisherigen Berechnungen gemäß DLG-Broschüre 199 (Basis: Ackerfutterbaubetrieb ohne Weidegang; DLG, 2014). Bei P ergibt sich ein Minderungspotenzial zwischen 11 und 17 %. Es bleibt somit festzuhalten, dass eine dem Laktationsstand angepasste und gleichzeitig bedarfsgerechte Versorgung nach den Vorgaben der GfE (2001) und DLG (2001 a, 2001 b, 2012) zu einer beachtlichen Verringerung der N- und P-Ausscheidungen beitragen kann.

Tabelle 1: Beispielhafte Kalkulation der Nährstoffausscheidungen bei bedarfsgerechter Versorgung; 6.000 kg ECM je Kuh und Jahr; rechnerische Zwischenkalbezeit 365 Tage; Energiebedarf 36.500 MJ NEL

Phase Tage TM-Aufnahme,
kg/Tag
TM-Aufnahme, kg/Phase nXP-
Gehalt,
g/kg TM
XP-
Gehalt,
g/kg TM
N-Auf­nahme, kg/Phase P-Gehalt,
g/kg TM
P-Auf­
nahme,
kg/Phase
Energiekonzentr.,
MJ NEL/kg TM
Energieaufwand,
MJ NEL/Phase
Milch,
kg/Tag
Milch,
kg/Phase
Trockenstehend 42 10,0 420 120 115 7,7 2,5 1,1 5,5 2.310  
1. Drittel Laktation 107 18,0 1.926 150 145 44,7 3,8 7,3 6,8 13.097 23 2.461
2. Drittel Laktation 108 18,5 1.998 145 140 44,8 3,6 7,2 6,5 12.987 20 2.160
3. Drittel Laktation 108 13,0 1.404 130 125 28,1 3,4 4,8 6,2 8.705 14 1.512
Summe/Mittel: 365 15,7 5.748 141 136 125,2 3,5 20,3 6,5 37.099 19,0 6.133
Produkt           32,8   6,2        
Ausscheidung           92,4   14,1        
Ausscheidung (DLG, 2014);
Ackerfutterbaubetrieb ohne Weidegang
99,6 15,9
Minderung, % 7,2 11,3

Tabelle 2: Beispielhafte Kalkulation der Nährstoffausscheidungen bei bedarfsgerechter Versorgung; 8.000 kg ECM je Kuh und Jahr; rechnerische Zwischenkalbezeit 365 Tage; Energiebedarf 43.500 MJ NEL Phase Tage TM-Aufnahme, kg/Tag TM-Aufnahme, kg/Phase nXP

Phase Tage TM-Aufnahme,
kg/Tag
TM-Aufnahme, kg/Phase nXP-Gehalt, g/kg TM XP-Gehalt,
g/kg TM
N-Auf­nahme, kg/Phase P-Gehalt,
g/kg TM
P-Auf­nahme, kg/Phase Energiekonzentr.,
MJ NEL/kg TM
Energieaufwand, MJ NEL/Phase Milch,
kg/Tag
Milch,
kg/Phase
Trockenstehend 42 11,5 483 120 115 8,9 2,5 1,2 5,8 2.801  
1. Drittel Laktation 107 19,0 2.033 155 150 48,8 3,9 7,9 7,0 14.231 30 3.210
2. Drittel Laktation 108 21,0 2.268 150 145 52,6 3,7 8,4 6,7 15.196 27 2.916
3. Drittel Laktation 108 17,0 1.836 135 130 38,2 3,5 6,4 6,4 11.750 19 2.052
Summe/Mittel: 365 18,1 6.620 145 140 148,5 3,6 24,0 6,6 43.978 25,3 8.178
Produkt           43,6   8,2        
Ausscheidung           104,9   15,8        
Ausscheidung (DLG, 2014) 115,1 18,5
Minderung, % 8,9 14,6

Tabelle 3: Beispielhafte Kalkulation der Nährstoffausscheidungen bei bedarfsgerechter Versorgung; 10.000 kg ECM je Kuh und Jahr; rechnerische Zwischenkalbezeit 365 Tage; Energiebedarf 50.000 MJ NEL

Phase Tage TM-Aufnahme, kg/Tag TM-Aufnahme, kg/Phase nXP-Gehalt, g/kg TM XP-Gehalt, g/kg TM N-Auf­nahme, kg/Phase P-Gehalt, g/kg TM P-Auf­nahme, kg/Phase Energiekonzentr., MJ NEL/kg TM Energieaufwand, MJ NEL/Phase Milch,kg/Tag Milch, kg/Phase
Trockenstehend 42 12,5 525 120 115 9,7 2,5 1,3 6,0 3.150  
1. Drittel Laktation 107 21,0 2.247 160 155 55,7 4,0 9,0 7,1 15.954 35 3.745
2. Drittel Laktation 108 23,0 2.484 155 150 59,6 3,8 9,4 6,9 17.140 33 3.564
3. Drittel Laktation 108 19,0 2.052 140 135 44,3 3,6 7,4 6,7 13.748 27 2.916
Summe/Mittel: 365 20,0 7.308 150 145 169,3 3,7 27,1 6,8 49.992 31,7 10.225
Produkt           54,0   10,2        
Ausscheidung           115,3   16,9        
Ausscheidung (DLG, 2014) 133,0 20,5
Minderung, % 13,3 17,6

Tabelle 4: Beispielhafte Kalkulation der Nährstoffausscheidungen bei bedarfsgerechter Versorgung; 12.000 kg ECM je Kuh und Jahr; rechnerische Zwischenkalbezeit 365 Tage; Energiebedarf 57.000 MJ NEL

Phase Tage TM-Aufnahme, kg/Tag TM-Aufnahme, kg/Phase nXP-Gehalt, g/kg TM XP-Gehalt, g/kg TM N-Auf­nahme, kg/Phase P-Gehalt, g/kg TM P-Auf­nahme, kg/Phase Energiekonzentr., MJ NEL/kg TM Energieaufwand, MJ NEL/Phase Milch,
kg/Tag
Milch,
kg/Phase
Trockenstehend 42 13,5 567 120 120 10,9 2,5 1,4 6,2 3.515
1. Drittel Laktation 107 22,5 2.408 165 160 61,6 4,1 9,9 7,2 17.334 41 4.387
2. Drittel Laktation 108 25,0 2.700 160 155 67,0 4,0 10,8 7,0 18.900 39 4.212
3. Drittel Laktation 108 22,5 2.430 145 140 54,4 3,8 9,2 7,0 17.010 32 3.456
Summe/Mittel: 365 22,2 8.105 154 150 193,9 3,9 31,3 7,0 56.759 37,3 12.055
Produkt           64,6   12,2        
Ausscheidung           129,3   19,1        
Ausscheidung (DLG, 2014) 151,7 22,9
Minderung, % 14,8 16,5

3.2 Kalkulation der Nährstoffausscheidungen bei bedarfsgerechter Energie- und Nährstoffversorgung auf Basis gebräuchlicher Futtermittel für unterschiedliche Leistungshöhen und Grobfuttersituationen

Unter Berücksichtigung der oben dargestellten mittleren Gehalte an Rohprotein, nXP und P werden nachfolgend mit Hilfe der in Tabelle 5 ausgewiesenen Futtermittel Rationen für unterschiedliche Leistungshöhen beschrieben und die korrespondierenden Nährstoffausscheidungen berechnet. Die Vorgehensweise ist analog den Darstellungen in der DLG-Broschüre 199 (DLG, 2014). Für die Berechnungen wurden zwei neue Futter definiert: Ein Milchleistungsfutter (MLF) zur Proteinergänzung (Prot.-Erg.) ist mit 35 % Rohprotein ein eiweißreiches Ergänzungsfutter der Energiestufe 2, welches vorwiegend aus Rapsextraktionsschrot bestehen kann. Ein MLF zur Energieergänzung (Energ.-Erg.) ist ein energiereiches Ergänzungsfutter bestehend aus Weizen, Körnermais und melassierten Zuckerrübenschnitzeln. Durch die Verwendung unterschiedlicher Anteile dieser beiden Futter können sowohl Rationen für den Ackerfutterbaustandort (Mais betont) als auch für den Grünlandstandort (Gras betont) bedarfsgerecht kalkuliert werden. Bei den Grobfuttern wurden die Nährstoffgehalte gemäß DLG-Broschüre 199 (DLG, 2014) angenommen.

Tabelle 5: Energie- und Nährstoffgehalte im Konzentratfutter nach DLG (2014) sowie beispielhaft neu formulierte Mischungen für eine N-/P-reduzierte Fütterung von Milchkühen

Futtertyp TM % ME MJ/kg NEL MJ/kg nXP g/kg XP g/kg Phosphor g/kg Kalium g/kg
MLF 18/3 88 10,8 6,7 160 180 6,0 11
MLF 16/3 88 10,8 6,7 150 160 5,9 11
MLF Prot.-Erg. (RES, Harnstoff)* 88 10,6 6,4 210 350 10,0 11
MLF Energ.-Erg. (W, M, M.s.)* 88 11,5 7,2 145 95 2,3 11
MLF 20/7,0 88 11,2 7,0 175 200 5,7 11
Raps-/Sojasextraktionsschrot (1:1) 89 11,5 7,2 243 392 8,8 17
Weizen/Gerste (1:1) 88 11,5 7,2 146 113 3,3 4,3
Mineralfutter mit P 95 30
Mineralfutter ohne P 95 0

* W – Weizen, M – Mais, M.s. – Melasseschnitzel; RES – Rapsextraktionsschrot

Bezüglich der TM-Aufnahme für eine gesamte Laktation wurden die bisher in den Standardverfahren angenommen Größen beibehalten (siehe DLG, 2014). Veränderungen in den Nährstoffausscheidungen beruhen deshalb nicht auf Änderungen im Futteraufwand. Des Weiteren wurden die Berechnungen so vorgenommen, dass der angenommene Energiebedarf für die verschiedenen Leistungsklassen sicher abgedeckt ist. Auch bei der Größe nXP sind die Rationen bedarfsdeckend eingestellt, wobei bezüglich der RNB ein leicht negativer Wert bis maximal -1 g/kg TM in der Gesamtration toleriert wurde. 

Bei den Berechnungen zur Nährstoffaufnahme und zu den Nährstoffausscheidungen werden zwei Futtersituationen bezüglich des Grobfutters unterschieden: in der Mais betonten Variante (Tabelle 6) bestehen etwa zwei Drittel des Grobfutters aus Maissilage und ein Drittel aus Grasprodukten. In den Gras betonten Varianten (Tabelle 7) werden gegensätzliche Grobfutterverhältnisse unterstellt. Hiermit orientiert sich das Merkblatt an den aktuellen Entwicklungen in den auf Milchproduktion ausgerichteten Betrieben. Über die Variation der Kraftfutteranteile und deren Mengen lassen sich bedarfsdeckende Jahresrationen darstellen. Die Nährstoffausscheidungen werden pro Kuh und Jahr beziehungsweise je kg ECM ausgewiesen. Die Anpassungen erlauben auch bei Gras betonter Fütterung Leistungen von 12.000 kg ECM je Kuh und Jahr.

 

Tabelle 8 zeigt eine zusammenfassende Übersicht über die N- und P-reduzierten Fütterungsverfahren bei Milchkühen auf Basis der in den Tabellen 6 und 7 dargestellten Jahresrationen. Die neu berechneten Ausscheidungen werden den bisherigen Berechnungen nach DLG (2014) gegenübergestellt. In allen Leistungsklassen ist der Trockenmasseaufwand der N- und P-reduzierten Fütterungsverfahren in ähnlicher Größenordnung wie in den bisherigen Standardnährstoffausscheidungen. Durch die Anpassung der nXP- und XP-Konzentrationen in Abhängigkeit des Laktationsstadiums und der Trockenstehzeit ergeben sich deutlich niedrigere Nährstoffaufnahmen. Dies gilt ebenfalls für die P-Konzentrationen in den Futterrationen. Im Vergleich zu den Angaben in DLG (2014) sinken die N-Ausscheidungen bei Mais betonter Fütterung je nach Leistungsklasse um 9 bis 14 und bei Gras betonter Fütterung um 12 bis 15 %. Das Einsparpotenzial steigt mit zunehmender Leistung sowohl bei Mais als auch bei Gras betonter Futtersituation. Auch beim Phosphor sinken die Ausscheidungen je nach Leistungsklasse zwischen knapp 12 und gut 16 %. Bei Gras betonter Fütterung ist das Reduktionspotenzial etwas größer als auf typischen Ackerbaustandorten. Wiederum ist das Einsparpotenzial bei höheren Leistungen höher als bei niedrigeren Leistungen.  

Tabelle 6: Nährstoffausscheidungen von Milchkühen bei N-und P-reduzierter Fütterung und Mais betonter Grobfutterration (mittlere und schwere Rassen)

Verfahren Milchkuh – 6.000 kg Milchkuh – 8.000 kg Milchkuh – 10.000 kg Milchkuh – 12.000 kg
Leistung 6.000 kg ECM
plus 0,9 Kalb
8.000 kg ECM
plus 0,9 Kalb
10.000 kg ECM
plus 0,9 Kalb
12.000 kg ECM
plus 0,9 Kalb
Futteraufwand (je Kuh und Jahr)
• Heu kg TM 400 350 350 250
• Grassilage kg TM 1.400* 1.600** 1.650*** 1.700***
• Maissilage kg TM 2.850** 3.200** 3.250*** 3.300***
• Stroh kg TM 200 200 200 200
MLF Prot.-Erg.
(RES, Harnstoff) kg FM
750 950 1.150 1.400
MLF Energ.-Erg.
(W, M, M.s.) kg FM
200 500 1.150 1.780
Mineralfutter
ohne P kg FM
37 37 37 37

Bilanzierung (kg Kuh und Jahr)

Nährstoff Stickstoff Phosphor Kalium Stickstoff Phosphor Kalium Stickstoff Phosphor Kalium Stickstoff Phosphor Kalium
• Aufwand 123,8 20,2 87,8 147,9 24,2 101,1 169,0 27,7 110,5 194,4 31,9 121,6
• Produkt 32,8 6,2 9,1 43,4 8,2 12,1 54,0 10,2 15,1 64,6 12,2 18,1
Ausscheidung 91,0 14,0 78,7 104,5 16,0 89,0 115,0 17,5 95,4 129,8 19,7 103,5
Ausscheidung
in g je kg ECM
15,2 2,3 13,1 13,1 2,0 11,1 11,5 1,7 9,5 10,8 1,6 8,6

Grobfutterqualität: * mittel, ** gut, *** sehr gut, TM – Trockenmasse, FM – Frischmasse

Tabelle 7: Nährstoffausscheidungen von Milchkühen bei N- und P-reduzierter Fütterung und Gras betonter Grobfutterration (mittlere und schwere Rassen)

Verfahren Milchkuh – 6.000 kg Milchkuh – 8.000 kg Milchkuh – 10.000 kg Milchkuh – 12.000 kg
Leistung 6.000 kg ECM
plus 0,9 Kalb
8.000 kg ECM
plus 0,9 Kalb
10.000 kg ECM
plus 0,9 Kalb
12.000 kg ECM
plus 0,9 Kalb
Futteraufwand (je Kuh und Jahr)
• Heu kg TM 350 350 350 100
• Grassilage kg TM 2.800* 3.000*** 3.200*** 3.300***
• Maissilage kg TM 1.300** 1.500** 1.600*** 1.750***
• Stroh kg TM 200 200 200 200
MLF Prot.-Erg. (RES, Harnstoff) kg FM 410 580 750 950
MLF Energ.-Erg. (W, M, M.s.) kg FM 820 1.150 1.600 2.360
Mineralfutter
mit P
kg FM 37 37 37 60

Bilanzierung (kg Kuh und Jahr)

Nährstoff Stickstoff Phosphor Kalium Stickstoff Phosphor Kalium Stickstoff Phosphor Kalium Stickstoff Phosphor Kalium
• Aufwand 128,9 20,4 107,8 150,8 24,0 120,5 173,4 27,6 133,4 195,9 32,0 142,9
• Produkt 32,8 6,2 9,1 43,4 8,2 12,1 54,0 10,2 15,1 64,6 12,2 18,1
Ausscheidung 96,1 14,2 98,7 107,4 15,9 108,4 119,4 17,4 118,3 131,3 19,8 124,8
Ausscheidung
in g je kg ECM
16,0 2,4 16,5 13,4 2,0 13,6 11,9 1,7 11,8 10,9 1,6 10,4

Grobfutterqualität: * mittel, ** gut, *** sehr gut, TM – Trockenmasse, FM – Frischmasse

Tabelle 8: Nährstoffausscheidungen von Milchkühen bei N- und P-reduzierten Fütterungsverfahren bei Milchkühen im Vergleich zu den Angaben nach DLG (2014) Lei

Leistung Energiebedarf TM-Aufwand,
kg
Energiedichte Mittlere Gehalte der Rationen Ausscheidungen (kg Kuh/Jahr)
kg ECM MJ NEL DLG 2014 neu NEL
MJ/kg TM
nXP
g/kg TM
XP
g/kg TM
P g/kg TM N DLG
2014
N
neu
relative
Veränd.
P
DLG 2014
P
neu
relative
Veränd.
Mais betont*
6.000 36.500 5.693 5.721 6,4 143 135 3,5 99,6* 91,0 8,6 15,9* 14,0 11,9
8.000 43.500 6.583 6.661 6,5 146 139 3,6 115,1* 104,5 9,2 18,5* 16,0 13,5
10.000 50.000 7.374 7.409 6,8 151 143 3,7 133,0* 115,0 13,5 20,5* 17,5 15,1
12.000 57.000 8.251 8.284 6,9 154 147 3,9 151,7* 129,8 14,4 22,9* 19,7 14,0
Gras betont**
6.000 36.500 5.818 5.768 6,4 141 140 3,5 108,7** 96,1 11,6 16,3** 14,2 12,9
8.000 43.500 6.596 6.608 6,6 145 143 3,6 124,3** 107,4 13,6 18,7** 15,9 15,0
10.000 50.000 7.387 7.453 6,7 148 145 3,7 140,6** 119,4 15,1 20,8** 17,4 16,3
12.000 57.000   8.320 6,9 151 147 3,9   131,4   19,8  

* DLG (2014) Ackerfutterbetrieb ohne Weidegang mit Heu
** (DLG, 2014) Grünlandbetrieb ohne Weidegang mit Heu

4. Nachvollziehbare Dokumentation

4.1 Allgemeine Hinweise

Betriebe, die N- und P-reduzierte Fütterungsverfahren durch eine nach Laktationsverlauf angepasste Futterversorgung auf betriebsindividuellen Daten nachvollziehbar und verständlich darstellen möchten, finden nachfolgend Hinweise zu den bereitzustellenden Daten bzw. Dokumenten. Wichtig ist der Hinweis, dass die Entscheidung für ein N- und P-reduziertes Fütterungsverfahren zu Beginn eines Düngejahres festgelegt werden muss, um die entsprechenden Aufzeichnungs- und Dokumentationspflichten einhalten zu können.

Eine nachvollziehbare Dokumentation ist zur Darstellung des einzelbetrieblichen Nährstoffmanagements notwendig. Dies ist beim alljährlich anzufertigenden Nährstoffvergleich Voraussetzung für die richtige Einordnung des Betriebes (Leistungsklasse, Futtergrundlage).

4.2 Nachweis einer N- und P-reduzierten Fütterung

Die Betriebe müssen durch eine nachvollziehbare Dokumentation glaubhaft machen, dass eine N- und P-reduzierte Fütterung vorliegt. Folgende Unterlagen müssen hierfür bereitgestellt werden:

  1. Betriebsindividuelle Futteranalysen aller relevanten Grobfuttermittel mit Einsatzmengen größer 2,5 kg TM in der Tagesration. Bei Einsatzmengen kleiner 2,5 kg TM je Tier und Tag sind eine TM-Bestimmung vorzunehmen und die tabellierten Nährstoffgehalte auf den ermittelten TM-Gehalt umzurechnen.
  2. Rationsberechnungen für unterschiedliche Grobfuttermittel auf Basis der Futteranalysen, differenziert nach Leistungshöhe und Laktationsstand. Die auf Grundlage eines gewogenen Mittelwertes berechneten XP- und P-Gehalte der verfütterten Rationen dürfen die in Tabelle 9 dargestellten Größen in Abhängigkeit der Leistung und der Grobfuttersituation nicht übersteigen. Die Vorgaben beim Rohprotein wurden auf 5 g Schritte gerundet, um Schwankungen der Grobfuttergehalte zu berücksichtigen und um die Umsetzbarkeit zu erleichtern. Ferner werden unterschiedliche Grobfuttersituationen berücksichtigt. Bei Gras betonter Fütterung werden in den unteren Leistungsklassen etwas höhere Rohproteingehalte akzeptiert, da ansonsten eine bedarfsdeckende Versorgung mit nXP nicht möglich ist.
  3. Vorlage der Ergebnisse aus der monatlichen Milchleistungsprüfung, des Jahresabschlusses des Landeskontrollverbandes und/oder der Untersuchungsergebnisse der Ablieferungsmilch seitens der Molkerei. Im Mittel des Jahres soll der Milchharnstoffgehalt unterhalb von 200 mg/kg Milch liegen. Bei höheren Werten ist davon auszugehen, dass keine Anpassung im Rohproteingehalt der Rationen vorgenommen wurde. Monate, in denen ein täglicher Weidegang von mindestens sechs Stunden gewährt wird, dürfen bei der Berechnung der durchschnittlichen Milchharnstoffgehalte ausgeklammert werden.
  4. Aus den Daten der Milchleistungsprüfung und/oder den Ergebnissen der Molkereiuntersuchungen und Molkereiabrechnungen ist die energiekorrigierte Milchmenge (ECM) als Jahreserzeugung oder als tierindividuelle Tagesleistung zu berechnen.
  5. Mindestens an vier Terminen im Jahr haben Aufzeichnungen über die vorgelegten und durch Rückwaage der Futterreste der gefressenen Futtermengen zu erfolgen. Diese Stichproben sind als Tageswerte oder als Wochenmittelwerte je Tier auszuweisen. Die vorgelegten Futtermengen dienen ebenfalls zur Plausibilisierung der berechneten Futterrationen (Soll-Ist-Vergleich). Aus den Daten ist auf die Jahresfütterung zu schließen, um den Vergleich mit den Vorgaben zu den mittleren Gehalten an Rohprotein und Phosphor in der gewogenen Gesamtration durchzuführen.
  6. Es wird empfohlen, eine professionelle und anerkannte Fütterungsberatung für die Formulierung von N- und P-reduzierten Rationen sowie für die Dokumentation in Anspruch zu nehmen.

Tabelle 9: Im Jahresdurchschnitt einzuhaltende Futtergehalte an Rohprotein und Phosphor für den Nachweis einer N- und P-reduzierten Fütterung

Leistung Mittlere Gehalte
der Rationen
kg ECM/Kuh/Jahr nXP
g/kg TM
XP
g/kg TM
P
g/kg TM
Mais betont
6.000 143 135 3,5
8.000 146 140 3,6
10.000 151 145 3,7
12.000 154 150 3,9
Gras betont
6.000 141 140 3,5
8.000 145 145 3,6
10.000 148 145 3,7
12.000 151 150 3,9

5. Fazit

Durch eine an den Laktationsstand angepasste Fütterung lassen sich die Ausscheidungen an N und P über Kot und Harn nennenswert senken. Geringere N-Ausscheidungen sind in aller Regel auch mit erheblich geringeren Ammoniakemissionen aus der Rinderhaltung verbunden, was einen weiteren ­Anreiz zur Einführung dieser Verfahren darstellen sollte. Nach Sajeev et al. (2017) reduziert sich die NH3-Emission um 17 % bei Reduktion des Rohproteingehaltes der TM um einen Prozentpunkt.

6. Literatur

  • DLG (2001a): Empfehlungen zum Einsatz von Mischrationen bei Milchkühen. DLG-Information 1/2001 des DLG-Arbeitskreis Futter und Fütterung, DLG Verlag, Frankfurt a. M.
  • DLG (2001b): Struktur- und Kohlenhydratversorgung der Milchkuh. DLG-Information 2/2001 des DLG-Arbeitskreis Futter und Fütterung, DLG Verlag, Frankfurt a. M.
  • DLG (2012): Fütterungsempfehlungen für Milchkühe im geburtsnahen Zeitraum. DLG-Arbeitskreis Futter und Fütterung, DLG-Verlag, Frankfurt a. M.
  • DLG (2014): Bilanzierung der Nährstoffausscheidungen landwirtschaftlicher Nutztiere 2. Auflage. Arbeiten der DLG, Band 199, DLG-Verlag Frankfurt a. M.
  • DüV (2017): Düngeverordnung, Bundesgesetzblatt, 1305
  • GfE (2001): Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung der Milchkühe und Aufzuchtrinder. DLG-Verlag, Frankfurt a. M.
  • Sajeev, E., Amon, B., Ammon, C., Zollitsch W., Winiwarter, W. (2017): Evaluating the potential of dietary crude protein manipulation in reducing ammonia emmissions from cattle and pig manure: A meta-analysis. Nutr. Cycl. Agroecosyst. doi.org/10.1007/s10705-017-9893-3

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Kontakt

DLG e.V. • Michael Biallowons • Tel.: +49(0)69/24 788-209 m.biallowons(at)DLG.org