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Die europäischen Landwirte wollen investieren

Grafik des Monats (Oktober/2018)

In so gut wie allen Ländern ist der Anteil der Landwirte, die für die kommenden zwölf Monate Investitionen planen, im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Die Steigerung liegt dabei zwischen +2 Prozent (in Deutschland) und +14 Prozent (in den Niederlanden). Lediglich in Polen herrscht leichte Unsicherheit. Die Investitionsbereitschaft geht auf hohem Niveau um 1 Prozent zurück; der Anteil Landwirte, die sich in der Planung noch unsicher sind, ist hingegen deutlich höher als in den übrigen Ländern.

Deutschland: Investitionsbereitschaft weiterhin hoch

Seit dem Herbst 2016 erholt sich die Investitionsbereitschaft der deutschen Landwirte wieder und steigt aktuell auf 45 Prozent der Befragten an. Damit hat sie den Stand vom Frühjahr 2015 wieder erreicht.

Als Investitionsgründe werden vor allem folgende Faktoren angeführt: Steigerung der Arbeitsproduktivität, Nachholen aufgeschobener Investitionen, die Ausweitung der bestehenden Produktion und die Erhöhung der Schlagkraft, um ackerbaulich beste Zeitpunkte für Maßnahmen in der Bewirtschaftung zu erreichen.

Dabei ergeben sich unterschiedliche Schwerpunkte bei der Betrachtung der einzelnen Betriebszweige. Die Erhöhung der Arbeitsproduktivität und das Nachholen aufgeschobener Investitionen ist vor allem Ziel der Investitionen in Milchviehbetrieben. Für Marktfruchtbetriebe ist das Ziel die Ausweitung der bestehenden Produktion. Die Schweinehalter geben als Grund für ihre Investitionen vor allem die Erhöhung der Schlagkraft an, um ackerbaulich beste Zeitpunkte für Maßnahmen in der Bewirtschaftung zu erreichen.

Frankreich: Anstieg der Investitionsbereitschaft auf niedrigem Niveau

Auch wenn die Investitionsbereitschaft einen weiteren Anstieg um 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet, bleibt sie im europäischen Vergleich mit 30 Prozent dennoch niedrig. Die Investitionen sollen vor allem die Arbeitsproduktivität steigern und die Schlagkraft der Betriebe erhöhen, um ackerbaulich beste Zeitpunkte für Maßnahmen in der Bewirtschaftung zu erreichen. Weitere wichtige Investitionsgründe sind die Umsetzung gesetzlicher Vorgaben und das Nachholen von aufgeschobenen Investitionen.

Überdurchschnittlich hoch ist mit 40 Prozent die Investitionsbereitschaft bei den Schweinehaltern, während die Milchviehhalter und die Marktfruchterzeuger unter dem Durchschnitt des Landes bleiben. Im Fokus stehen bei den Tierhaltern vor allem der Bau von Milchviehställen, Fütterungstechnik und die Modernisierung von Ställen zur Umsetzung von Tierschutzvorgaben. In den Marktfruchtbetrieben soll vor allem in Bodenbearbeitungstechnik investiert werden.

Polen: leichte Verunsicherung, vor allem bei den Schweinehaltern

Die Investitionsbereitschaft der polnischen Landwirte liegt nach wie vor auf einem hohen Niveau, auch wenn eine Verunsicherung, insbesondere bei den Schweinehaltern, zu spüren ist. Insgesamt wollen fast 50 Prozent der befragten Landwirte investieren. Dieser Spitzenwert wird nur von den britischen Landwirten übertroffen. Die Investitionen sollen vor allem dazu dienen, die Produktion zu erweitern und die Arbeitsproduktivität zu erhöhen und somit den Produktivitätsrückstand in der polnischen Landwirtschaft verkleinern.

Wichtiger Einflussfaktor für die Investitionsbereitschaft vor allem für die Schweinehaltung ist die Entwicklung der Ausbrüche der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Betroffene Landwirte haben Restriktionen zu erwarten, während Schweinehalter, die nicht betroffen sind, von entstehenden Angebotslücken profitieren. 

Besonders große Investitionsbereitschaft zeigen die polnischen Milchviehhalter. Sie planen Investitionen, um Produktivität und Milchleistung zu steigern und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

UK: Hohe Investitionsbereitschaft über alle Bereiche hinweg

Gegenüber der letztjährigen Herbstbefragung liegt die Investitionsneigung der britischen Landwirte im Herbst 2018 um 12 Prozent höher. Sowohl Marktfruchtbetriebe als auch Milchvieh- und Schweinehalter wollen deutlich mehr Investitionen tätigen. Mit einer Investitionsneigung von 60 Prozent nehmen die Milchviehhalter die Spitzenposition ein.

Die Ankündigung der britischen Regierung, die Direktzahlungen für die kommenden zwei Jahre weiterlaufen zu lassen, sorgen für Stabilität, auch bei zu erwartenden Marktturbulenzen durch einen möglichen harten Brexit.

Die Investitionen in Großbritannien zielen schwerpunktmäßig darauf ab, die eigene Produktion auszuweiten und die Arbeitsproduktivität zu erhöhen. Geplante Investitionen in die Digitalisierung und in eine höhere Schlagkraft im Ackerbau sind ebenfalls unter dem Produktivitätsaspekt zu sehen. Des Weiteren sind Ausgaben geplant, um Vorgaben insbesondere im Umweltbereich zu realisieren.

Niederlande: Landwirte holen aufgeschobene Investitionen nach

Die Investitionsbereitschaft der Landwirte ist gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen. Die zukunftsorientierten Landwirte wollen sich technisch für die nächsten Jahre aufstellen. Die Investitionsbereitschaft liegt mit einem Zuwachs von 14 Prozent nun auf dem Niveau von Polen und wird nur noch von den britischen Landwirten übertroffen. Wollte letzten Herbst noch jeder Dritte befragte Landwirt investieren, hat im Herbst 2018 fast jeder zweite niederländische Landwirt vor, Investitionen in seinem Betrieb zu tätigen.

Die Betriebe nutzen die zufriedenstellende Geschäftslage, um aufgeschobene Investitionen zu tätigen. Weitere wichtige Investitionsgründe sind die Ausweitung der Produktion und die Umsetzung gesetzlicher Vorgaben.

Am investitionsfreudigsten zeigen sich dabei die Schweinehalter, während die Milchviehhalter und Marktfruchterzeuger unter dem Durchschnitt des Landes bleiben. Schwerpunkte liegen in neuer Bodenbearbeitungstechnik, Schweinemastställen, Stallmodernisierung und Fütterungstechnik.

DLG-Agrifuture Insights

DLG-Agrifuture Insightsist die neue DLG-Wissensmarke und -plattform für internationale Trendanalysen im Agrarsektor. Sie untersucht das Geschäftsumfeld in Landwirtschaft und Agribusiness durch ein globales Panel von 1.650 führenden Landwirten in 11 Ländern. Monatlich veröffentlicht DLG-Agrifuture Insights eine „Grafik des Monats“ aus dem umfangreichen Angebot von Entwicklungstrends der internationalen Agrarmärkte. Die „Grafik des Monats" ist bei Quellennennung „DLG-Agrifuture Insights“ frei zur Veröffentlichung.

Interessenten erhalten weitere Informationen zu DLG-Agrifuture Insights bei der DLG. Ansprechpartner ist Dr. Achim Schaffner, Fachgebietsleiter Ökonomie, Tel.: 069/24788-321 oder E-Mail: afi@dlg.org.