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Rundruf Ökolandbau

Risiko einseitiger Abhängigkeiten verringern

Auf den DLG-Feldtagen auf Gut Brockhof in Erwitte/NWR tauschen sich Bio-Landwirte, Verarbeiter und Handel am „Tag der Wertschöpfungsketten“ am Donnerstag, 13. Juni 2024 über Positionen und Vermarktungschancen aus. Volker Krause (Bohlsener Mühle und Vorstand Verarbeitung im BÖLW), Simon Bolten (Öko-Landwirt, Biohof Bolten), Dr. Karl Kempkens (BMEL Referatsleiter Ökologische Lebensmittelwirtschaft) und Gunther Weiss (Qualitätsmanagement, Alnatura) diskutieren um 14 Uhr auf der DLG-Plaza über die Perspektiven der Bio-Wertschöpfungskette und zeigen auf, wie sich die Öko-Branche weiterentwickeln kann. Um Besuchern der Diskussionsrunde einen Einblick in die Talkrunde zu geben, haben wir unter den Diskutanten einen Rundruf gestartet mit der Frage:

„Welche Chancen und Risiken hat der zunehmende Absatz von Bioprodukten im LEH aus Ihrer Sicht?“

 

„Bio-Produkte werden nach dem gesetzlichen Standard der Öko-Verordnung hergestellt und stehen für eine hohe Qualität – ganz unabhängig vom Verkaufsort. Die ökologische Landwirtschaft leistet viel für den Klimaschutz, für die Artenvielfalt und den Wasser- und Bodenschutz. Und wirkt wie ein Innovationsmotor für die Landwirtschaft. Die Bundesregierung hat sich deshalb vorgenommen, den Öko-Flächenanteil auszubauen. Das BMEL hat dafür die Bio-Strategie 2030 als den Masterplan aufgesetzt, in dem wirksame Maßnahmen beschrieben sind: von der Forschung über einen kohärenten Rechtsrahmen bis hin zur Stärkung der Wertschöpfungsketten und zur Entwicklung des Absatzes."

Karl Kempkens, BMEL, Berlin


„Wenn sich die Absatzkanäle weiter zugunsten des LEH verändern ergeben sich für die ökologische Landwirtschaft mittelfristig auch Wachstumschancen. Mit der zunehmenden Etablierung des LEH als Absatzkanal steigt aber vor dem Hintergrund seiner dominierenden Markmacht auch das Risiko einseitiger Abhängigkeiten. Diese können letztendlich zum Verlust der Definitionshoheit, über das was ökologischen Landbau ausmacht, führen. Hier sind insbesondere die Verbände des Ökolandbaus gefordert, geeint dem entgegen zu wirken“.

Simon Bolten, Biohof Bolten oHG, Niederkrüchten


„Der LEH bietet die Chance, breite Bevölkerungsschichten mit Bioprodukten zu erschwinglichen Preisen zu erreichen, wodurch deren Marktanteil deutlich steigen kann. Auf Produzentenseite können Skaleneffekte generiert werden. Ein Risiko besteht jedoch in fortgesetzt abnehmender Diversität in der Handelsstruktur und sinkender Vielfalt des Sortiments. Schließlich besteht die Gefahr der Vernachlässigung des Aufbaus regionaler Wertschöpfungsketten und der sozioökonomischen Stärkung der Regionen“.

Volker Krause, Bohlsener Mühle, Gerdau


„Der zunehmende Bio-Absatz im gesamten LEH zeigt: Kunden wollen Bio! Das ist erfreulich, denn jedes verkaufte Bio-Produkt ist ein guter Beitrag, um unser Agrarsystem nachhaltiger zu gestalten. Bei allen Wünschen nach schnellem Wachstum und günstigen Preisen müssen wir aber darauf achten, dass angemessene Erzeugerpreise eine nachhaltige Bewirtschaftung der Betriebe ermöglichen. Aus Sicht eines Bio-Fachhändlers braucht es auch im Bio-Markt Vielfalt und Möglichkeiten zur Differenzierung. Bei allen Unterschieden muss es uns aber gelingen beim Kunden die Klarheit zu erhalten: Nur wo Bio drauf steht, ist auch Bio drin“.

Gunther Weiss, Alnatura, Darmstadt

Fotos: privat