DLG e.V. - Schlüsselindikator "Wirtschaftliche Effizienz" (DLG-Nachhaltigkeitsbericht 2016)

Nachhaltigkeitsindex Landwirtschaft DLG-Nachhaltigkeitsbericht 2016

Schlüsselindikator „Wirtschaftliche Effizienz“

Zur Messung der Wettbewerbsfähigkeit von Sektoren werden in der wissenschaftlichen Literatur Kennziffern der Produktivität und der Effizienz verwendet. Änderungsraten dieser Kennziffern stehen dann für Verbesserungen bzw. Verschlechterungen der Wettbewerbsfähigkeit. Produktivität wird dabei gemessen als Menge der Outputaggregate geteilt durch die gewichteten Mengen der Inputaggregate des Sektors. Für die jeweilige Aggregation wird dazu mit konstanten Preisen gearbeitet. Man spricht dann im Idealfall von der Totalen Faktorproduktivität, oder – wenn nicht von allen Inputs entsprechende Daten vorliegen – von der Multi-Faktorproduktivität (vgl. LATRUFFE, 2010). Die Effizienzmessung erfasst dagegen die monetäre Seite der Wettbewerbsfähigkeit und fragt nach der Skaleneffizienz (optimale Betriebsgröße), der technischen Effizienz (maximaler Output bei gegebenem Faktoreinsatz) sowie der allokativen Effizienz (gewinnmaximale Produktions- und Faktoreinsatzstrukturen). Ein Sektor wirtschaftet dann effizient, wenn er den höchstmöglichen Gewinn erzielt. Beide Kennziffern zur Produktivität und Effizienz lassen sich idealerweise nur mit einem umfangreichen Datensatz sowie mit aufwändigeren statistisch/ökonometrischen Methoden errechnen. Deshalb soll hier darauf verzichtet werden. Als Alternative wird die wertschöpfungsbasierte Arbeitsproduktivität (value-added labour productivity) und deren Änderungsrate vorgeschlagen, die die Produktivitätsentwicklung nicht im Hinblick auf den realen Output des Sektors erfasst, sondern im Hinblick auf die Generierung von realer Wertschöpfung, also der Schaffung von Realeinkommen für Boden, Arbeit und Kapital. Der Indikator verbindet damit gewissermaßen die Teilaspekte Produktivität und Effizienz. Obwohl er nur ein partieller Indikator ist, also die Substitution von Kapital, Arbeit, Boden und Betriebsmitteln vernachlässigt, ist er doch ganz anschaulich, weil er eine direkte Verbindung zum realen Lebensstandard der Sektorbeschäftigten herstellt (vgl. dazu und den Vor- und Nachteilen des Indikators OECD, 2001).

Im übrigen liegen die für die Berechnung der Indikatoren notwendigen Zeitreihen zur realen Wertschöpfung und den eingesetzten Arbeitsstunden in der Landwirtschaft aus OECD-Statistiken von 1990 bis aktuell 2012 vor, so dass zum Vergleich auch Indikatoren für andere Sektoren oder auch für OECD-Länder insgesamt abgeleitet werden können. Als Ausweis von Fortschritten in der Produktivität und Effizienz wird im Folgenden somit die Wachstumsrate der wertschöpfungsbasierten Arbeitsproduk-tivität interpretiert. Die Werte für 2013 sind bislang noch nicht veröffentlicht worden, so dass für die Indikatorenberechnung ein durchschnittlicher Schätzwert angenommen wird.

Um die Skalierung auf 0 % bis 100 % zu bringen, wird die absolut größte negative Wachstumsrate seit 1990 auf Null transformiert, die anderen Änderungsraten entsprechend angepasst und als Zielwert eine Verdopplung des Indikators (Zuwachsrate von 100 %) angenommen.

In Abbildung 30 ist die Entwicklung des Indikators „Wirtschaftliche Effizienz“ gemessen als wertschöpfungsbasierte Arbeitsproduktivität von Jahr zu Jahr und deren Trendlinie abzulesen. Das durchschnittliche jährliche Wachstum beträgt danach 0,8 %.

Nachhaltigkeitsindex für die deutsche Landwirtschaft:

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