DLG e.V. - Indikator 3: Stickstoffbilanz (DLG-Nachhaltigkeitsbericht 2016)

Bereich Ökologie DLG-Nachhaltigkeitsbericht 2016

Indikator 3: Stickstoffbilanz

Die Stickstoffüberschüsse aus der Landwirtschaft wurden in den vergangenen 20 Jahren bis zum Jahr 2009 verringert. Seither steigen sie wieder.

Für die Erzeugung von Pflanzen ist Stickstoff [N] ein Hauptnährstoff. Mit der Ernte werden Nährstoffe entzogen, deren Ersatz durch Düngung eine Voraussetzung für hohe Erträge und den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit ist. Hierzu stehen der Landwirtschaft mineralische und organische Dünger zur Verfügung, die je nach Boden, Pflanzenart, Ertragserwartung und Witterungsverlauf auf die landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht werden. Zudem besteht über den Luftpfad ein Eintrag von Stickstoff in den Boden. Dennoch ist jede landwirtschaftliche Bodennutzung mit unvermeidbaren Stickstoffverlusten durch Auswaschung verbunden. Die Höhe der Verluste ist von der Bodenart, der angebauten Kultur und dem Witterungsverlauf abhängig. Zum Beispiel sind leichte und flachgründige Böden bei höheren Niederschlägen stärker auswaschungsgefährdet als lehmige und tiefgründige Böden. Unverhältnismäßig hohe Auswaschungsverluste sowie Bodenabtrag durch Starkregenereignisse können zur Verunreinigung des Grundwassers und zur Eutrophierung von Oberflächengewässern führen. Die Düngeverordnung (DüV, 2006) schreibt daher die gute fachliche Praxis der Düngung einschließlich eines betrieblichen Nährstoffvergleichs mit einem zulässigen maximalen Stickstoffüberschuss (§ 6) von zunächst 90 kg/Hektar im Jahr 2009 mit einem gewünschten Rückgang auf maximal 60 kg/Hektar pro Jahr ab dem Jahr 2012 vor. Zur Ermittlung des Stickstoffüberschusses wird der Durchschnitt aus den jeweils letzten drei Düngejahren gebildet. Das 3-jährige Mittel soll die witterungsbedingten Schwankungen der einzelnen Jahre minimieren.

Abbildung 3.1 zeigt, dass die Landwirtschaft im Trend eine Reduzierung des Stickstoffüberschusses in den vergangenen 20 Jahren erreichen konnte. Der durch die Düngeverordnung angestrebte Zustand (2012 maximal 60 kg N/ha Überschuss) wurde im 3-jährigen Mittel im Jahr 2013 mit 67 kg N/ha nicht erreicht. Im Trend und für die deutsche Landwirtschaft insgesamt zeigt sich, dass es seit 2010 wieder zu einem leichten Anstieg des N-Flächenbilanz-Überschusses gekommen ist.

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Tabelle 2: Zufuhr- und Abfuhrgrößen der Gesamt-, Flächen- und Stallbilanz für Stickstoff

Bilanzgröße Gesamt-Bilanz Flächen-Bilanz Stall-Bilanz
Zufuhr
Dünger (mineralisch und organisch) + +
Wirtschaftsdünger aus Eigenerzeugung + -
Atmosphärische Deposition, außerlandw. Emissionen + +
Atmosphärische Deposition, landwirtschaftliche Emissionen + -
Biologische Fixierung (Leguminosen) + +
Saatgut und Pflanzgut + +
Futtermittel Inland (pflanzlich und tierisch) + +
Futtermittel Inland (marktgängige Primärfuttermittel) + +
Futtermittel Inland (nichtmarktgängige Nebenerzeugnisse) - +
Futtermittel Import + +
Abfuhr
Pflanzliche Marktprodukte - -
Tierische Marktprodukte (Fleisch, Sonstiges) - -

+: Zufuhr (Bilanzgröße wird addiert)
-: Abfuhr (Bilanzgröße wird subtrahiert)
Quelle: Bach et al. (2011)

Bei der N-Bilanz für die Landwirtschaft ist zwischen der Gesamtbilanz sowie der Flächenbilanz und der Stallbilanz zu unterscheiden (Tab. 2).

Bei der nationalen Gesamtbilanz wird der Sektor Landwirtschaft insgesamt betrachtet. Bei der Flächen- und Stallbilanz werden die Stickstoffflüsse innerhalb der Landwirtschaft beachtet, was eine getrennte Bilanzierung der Systeme „Pflanzenproduktion“ und „Tierproduktion“ ermöglicht. Die Flächenbilanz ist dadurch eher mit den Vorgaben der Düngeverordnung vergleichbar.

Die N-Gesamtbilanz für die Landwirtschaft in Deutschland wird gemäß Definition der OECD jährlich erstellt und vom BMEL veröffentlicht. Sie dient u. a. als Indikator im Bericht der Bundesregierung zur nachhaltigen Entwicklung in Deutschland.

Für die Landwirtschaft von besonderer Bedeutung sind die Nitratgehalte im Grundwasser, da der Nitratverlust aus landwirtschaftlich genutzten Flächen hauptsächlich über diesen Pfad erfolgt. Aus diesem Grund wird neben dem flächendeckenden Messnetz mit 739 Messstellen in Deutschland zur Meldung an die europäische Umweltagentur (EUA) ein weiteres Messnetz unterhalten, mit dem speziell die Nitratbelastung von Grundwasservorkommen aus landwirtschaftlichen Quellen erfasst wird. Dieses Messnetz umfasst 162 Messstellen in oberflächennahen Grundwasserkörpern, deren Belastung maßgeblich durch die landwirtschaftliche Nutzung im Umfeld der jeweiligen Messstelle geprägt wird. Übersicht 3.2 zeigt, dass die Nitratwerte im Zeitraum 2008 bis 2010 bei knapp 50 % der Messstellen über 50 mg pro Liter lagen. Die Abbildung macht aber auch deutlich, dass die Nitratkonzentrationen in diesem hohen Wertebereich im Vergleich zum Zeitraum 1992 – 1994 um 15,5 % zurückgegangen sind. Bezogen auf das gesamte Grundwassermessnetz der EUA fällt die Gruppe der hohen Nitratwerte mit knapp 15 % nicht sehr ins Gewicht. Die überwiegende Anzahl der Messstellen liegt im Bereich unter 25 mg pro Liter. Der Vergleich der Messzeiträume 2004 – 2006 mit 2008 – 2010 zeigt nur geringe Veränderungen in den einzelnen Konzentrationsbereichen auf. In der Zusammenfassung des Nitratberichtes 2012 wird der rückläufige Trend der Nitratkonzentrationen im Belastungsmessnetz nochmals bestätigt. Aktualisierte Daten werden erst im Jahr 2016 durch das BMU veröffentlicht werden.

Es wird aber auch darauf hingewiesen, dass „… ein deutlicher schlagartiger Rückgang der Grundwasserbelastung aus landwirtschaftlichen Quellen (…) aufgrund der teilweise sehr langen Sicker- und Fließzeiten des Wassers im Untergrund erwartungsgemäß nicht stattgefunden [hat]“ (FREDE und BACH, 2013).

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