DLG e.V. - Provisorium (1884/1885)

Provisorium (1884/1885)

Anfang 1884 war das erste Quorum erfüllt: 265 Mitglieder hatten ihren Beitritt erklärt, darunter der preußische Landwirtschaftsminister Robert Lucius. Das Provisorium eines „Deutschen Reichsvereins für Landwirtschaft“ konnte gewagt werden. Eine erste Versammlung in Berlin unter dem Vorsitz des Grafen Stolberg-Wernigerode bestätigte die Handlungsfähigkeit, machte Eyth aber auch klar, dass das funktionierende Ehrenamt Voraussetzung für den Erfolg der Gesellschaft sein würde. Am 14. Februar 1884 schwor  Eyth auf dem Berliner Wilhelmsplatz „den heiligen Eid, nie in meinem Leben von dieser Gesellschaft einen roten Heller anzunehmen.“ Daran hat er sich bis zu seinem Tod im Jahre 1906 gehalten.

Von Bonn aus, wo er von 1882-86 wohnte, betrieb Max Eyth die Gründung der DLG. Gedenktafel an seinem Bonner Wohnhaus.

In Bonn verwandelte sich Eyths Wohnung in eine Geschäftsstelle. Hilfskräfte wurden zur Bewältigung der Korrepondenz eingestellt und von Eyth aus eigener Tasche bezahlt. Im November 1884 war das tausendste Mitglied gewonnen, und wo andere sich zurückgelehnt hätten, intensivierte Eyth die aufklärende Arbeit. Er wandte sich an alle landwirtschaftlichen Hochschulen des Reichs und bat, ihm die Namen der Absolventen aus den Jahren 1860 bis 1880 mitzuteilen. Was heutzutage aus Datenschutzgründen unmöglich ist, bereitete 1884 keine Probleme. Bereitwillig öffneten die Hochschulen ihre Karteien, so konnten die Absolventen persönlich angeschrieben und zur Mitgliedschaft eingeladen werden. 

Zu einem der wichtigsten Mitstreiter Eyths wurde 1884 Albert Schultz-Lupitz, einer der bekanntesten Landwirte jener Zeit. Als rigoroser Streiter für eine sachgerechte mineralische Düngung hatte er sich einen Namen gemacht. Nun stellte er sich an die Seite Eyths und verschaffte der Gesellschaft bereits vor der Gründung Kompetenz auf einem schwierigen Feld, das die Landwirte sehr beschäftigte. Hier wie auch sonst zeigte sich Eyth als Meister, wenn es darum ging, anerkannte Persönlichkeiten für seine Sache zu gewinnen. Bundespräsident Theodor Heuss sah darin den Schlüssel für Eyths Erfolg. 1956, anlässlich des 50. Todestags von Eyth, formulierte Heuss dies so: „Seine Meisterschaft liegt nicht in dem, was er mit Eisen und Dampf, mit Pflügen und Pumpen, mit Schrauben und Kolben, mit Scheiben und Bolzen fertig bringt, sondern darin, wie er einen viel schwierigeren Stoff als Stahl, Wasser und Bodenkrume, wie er Menschen, und zumal deutsche Menschen, modeln, zu seinem Willen gewinnen, überreden, fast zwingen kann.“


Einige Male gelang es Eyth, ältere andere landwirtschaftliche Vereine zum kollektiven Beitritt zu veranlassen. Der „Kongress der Landwirte“ und die „Ackerbaugesellschaft“ schlossen sich mit ihren Mitgliedern „seiner“ Gesellschaft an, darunter zahlreiche renommierte Landwirte. Am 28. September 1885 war das Ziel, 2500 Mitglieder, erreicht. Statt in zwei Jahren konnte das Provisorium in exakt 16 Monaten und 14 Tagen für beendet erklärt werden und auch diesmal hatte Eyth die passende Losung parat: „Das ist’s, keine Ruhe darf man der trägen Menschheit lassen.“

 (kh)

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