DLG e.V. - Phosphat (DLG-Nachhaltigkeitsbericht 2016)

Fehlende Indikatoren DLG-Nachhaltigkeitsbericht 2016

Phosphat

Die Verbrauchsmengen von Phosphat in der Landwirtschaft werden nicht in einer zentralen Statistik erfasst. Das BMEL greift daher auf die erhobenen Angaben über den Inlandsabsatz von Handelsdünger zurück und bezieht diesen auf die landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF) insgesamt. Dieser Bezug ist eine einfache Kenngröße für den in das System eingebrachten Handelsdünger. Diese Kenngröße hat keine unmittelbare pflanzenbauliche Relevanz, da die Düngungsintensität je nach Kulturart und Standortverhältnissen unterschiedlich ist.

Die erfasste Handelsdüngermenge umfasst zudem die Ausbringung auf nichtlandwirtschaftlichen Flächen (z. B. Garten- und Parkanlagen) und führt dadurch tendenziell zu einer Überschätzung (Stat. Jb., 2014, S. 83). Aus diesen Gründen ist die Datengrundlage für eine P-Bilanz nicht geeignet, da außerdem die tierische Veredlung nicht erfasst wird. Es wäre zu begrüßen, wenn eine allgemein gültige P-Bilanz analog zur N-Bilanz entwickelt werden würde. Die Daten hierfür liegen aufgrund der Cross Compliance Verordnung bereits auf den Betrieben in Deutschland vor.

Um einen Eindruck der Phosphatverwendung und -effizienz zu erhalten, wurden diese auf Grundlage des vorhandenen Datenmaterials erstellt. Eine vollständige Abbildung ist dabei aus genannten Gründen nicht möglich. Der Hauptpfad von Phosphatausträgen ist die Erosion, weshalb ackerbauliche Maßnahmen zum Erosionsschutz als wirksamste Maßnahme gegen Phosphatausträge angesehen werden. Auf Böden mineralischen Ursprungs geht Phosphat in der Regel kaum durch Auswaschung verloren (Schnug et al., 2015). Wird die Gehaltsklasse C im Boden überschritten und steigt auf die Stufe D ergibt eine zusätzliche P-Düngung keinen Mehrwert mehr. Sie kann ggf. ins Negative umschlagen und zur Eutrophierung von angrenzenden Ökosystemen (Wälder, Oberflächengewässer) führen. Hinzu kommt eine standortangepasste und begrenzte Phosphatanreicherung von Böden, die der Landwirt auf Grundlage von Bodenanalysen und eines darauf abgestimmten Düngerbedarfs erzielt.

Abbildung 24.1 zeigt einen deutlichen Rückgang des Phosphateinsatzes in der Landwirtschaft um 30 % in den vergangenen 20 Jahren auf heute 17 kg pro Hektar. Allerdings ist zu beachten, dass hier nur der Einsatz von mineralischen P-Dünger berücksichtigt wurde. Der gesamte P-Einsatz durch Wirtschaftsdünger wurde nicht bilanziert. Wird die Phosphatverwendung auf die landwirtschaftliche Bodenproduktion bezogen, wird eine deutliche Effizienzsteigerung der Phosphatdüngung sichtbar. Innerhalb von 20 Jahren konnte der Phosphateinsatz zur Erzeugung von einer Getreideeinheit [GE] auf die Hälfte reduziert werden (Abb. 24.2).

Diese Effizienzsteigerung des Einsatzes von Phosphatdünger erfordert eine präzise Ermittlung des schlagspezifischen Düngerbedarfs und der Düngerapplikation zum Erreichen und dem Erhalt der optimalen Phosphatversorgung des Bodens. Diese Vorgehensweise liegt darin begründet, dass die Kulturpflanze nur 10 bis 20 % des frisch gedüngten Phosphors im Anwendungsjahr aufnehmen kann. Denn auf Grund seiner niedrigen Mobilität im Boden ist Phosphat nur begrenzt den Pflanzenwurzeln zugänglich. Daher kann die Pflanze den größten Teil ihres Phosphorbedarfs nur aus dem bereits vorhandenen Boden-Phosphor aufnehmen. Da die Pflanzenverfügbarkeit von Phosphat von den biologischen und physikalischen Bodeneigenschaften abhängig ist, muss der Landwirt seine standortspezifischen Richtwerte zur Versorgung des Bodens mit Phosphat kennen und berücksichtigen, um bei minimalen Phosphatverlusten den maximalen Ertrag zu erhalten.

Phosphat

ist in Wasser gelöstes Phosphor und kann in dieser Form von Pflanzen aufgenommen werden. Es ist für alle Organismen ein essenzielles Nährelement und nimmt eine zentrale Rolle z. B. bei zellulären Energieflüssen und als Bauelement in der DNA ein. Für das Wachstum von Pflanzen ist Phosphat [P2O5] ein Hauptnährstoff (s. a. Indikator Stickstoff). Mineralische phosphathaltige Düngemittel werden aus im Tagebau gewonnenen Rohphosphaten hergestellt und somit als eine begrenzte Ressource von derzeit abbauwürdigen 18 Mrd. Tonnen angesehen. Unter den gegenwärtigen Abbau- und Aufbereitungsbedingungen und einem stabilen Verbrauch von 145 Mill. Tonnen pro Jahr reichen diese Reserven für noch ca. 120 Jahre (Römer, 2013). In Deutschland werden jährlich circa 110.000 t Mineral-Phosphat aus Rohphosphat eingesetzt (Kratz et al, 2014). Die bekannten P-Reserven werden etwa um den Faktor 3 höher angesehen, verursachen aber steigende Erschließungs- und Abbaukosten und beinhalten die Gefahr einer zunehmenden Schwermetallbelastung. Hinzu kommt ein hohes Eutrophierungspotenzial der Oberflächengewässer durch mögliche Phosphatausträge von landwirtschaftlichen Flächen. Diese Gefahr ist insbesondere bei aufbereiteten Recycling-Phosphat gegeben, welches eine Vielzahl unerwünschter Stoffe enthalten kann. Diese können z. B. in Form von Schwermetallen und organischen Schadstoffen landwirtschaftliche Flächen auf denen diese ausgebracht werden auf lange Sicht kontaminieren/belasten.

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