DLG e.V. - Ab 1886: Obst- und Weinbauabteilung

Ab 1886: Obst- und Weinbauabteilung

Bereits in der konstituierenden Versammlung am 11. Dezember 1885 wurde die Gründung einer Obst- und Weinbauabteilung in der DLG angeregt, 1886 wurde sie verwirklicht. Schon im Juni 1886 fand in Dresden die erste Abteilungs-Versammlung statt. Jährlich wurden zwei Veranstaltungen durchgeführt, eine auf den DLG-Ausstellungen und eine bei der zweiten Hauptversammlung im Herbst und dann ab der Winterversammlung 1890 im Februar jeden Jahres.  Die Obst- und Weinbauabteilung war eine von 11 Abteilungen und blieb bis zur Auflösung Anfang 1934 die einzige im Bereich Nahrungsmittel und Getränke. In Anlehnung an die Organisation der anderen DLG-Abteilungen wurde 1893 zudem ein Ausschuss für Obst- und Weinbau gebildet. Die Ziele waren vielfältig und weit gesteckt: Förderung des Obst- und Weinbaus, Verbesserung des Rufes und der Qualität heimischer Erzeugnisse sowie des Absatzes, eine stärkere Stellung im ausländischen Wettbewerb sowie Verbesserung der Rentabilität der Betriebe.

Bereits 1872 war in Geisenheim die Königlich Preußische Lehranstalt für Obst- und Weinbau gegründet worden. Sie entwickelte sich schnell zu einem Zentrum für angewandte Forschung und Ausbildung im Wein- und Obstbau und galt als die angesehenste Lehrstätte für diese Bereiche im Deutschen Reich. Die Leiter der Geisenheimer Lehranstalt hatten erheblichen Anteil an der Gründung der Obst- und Weinbauabteilung in der DLG und haben ihre Arbeit von Beginn an viele Jahrzehnte wesentlich mitgeprägt.

Der erste Vorsitzende der DLG-Abteilung für Obst- und Weinbau war Oekonomierat Rudolf Goethe, von 1879 bis 1903 Direktor der Geisenheimer Lehranstalt (und übrigens nicht verwandt mit dem Dichter). Er galt als Mann mit dem größten fachlichen Ansehen im Obst- und Weinbaubereich. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Hermann hat er eines der in beiden Ländern führenden Werke geschaffen, den „Atlas der für den Weinbau Deutschlands und Österreichs wertvollen Traubensorten“. Rudolf Goethe blieb bis 1901 Vorsitzender der Abteilung Obst- und Weinbau in der DLG.

Existenzfragen Themen Nr. 1

Die besondere Funktion der DLG für die einzelnen Sektoren in Landwirtschaft und Nahrungsmittelbereich zeigte sich auch an der Abteilung für Obst- und Weinbau, und zwar von Beginn an. Im Mittelpunkt der ersten Versammlung stand die Existenzfrage der Obstanbauer, nämlich „ob nicht angesichts des starken ausländischen Wettbewerbs eine Verminderung der deutschen Obsterzeugung zweckmäßig sei“. Ohne Scheu gingen die Teilnehmer an diese Frage heran und sprachen sich eindeutig dafür aus, dass „dies nicht in Frage kommen könne“. Stattdessen sollte eine bessere Verwertung des deutschen Obstes durch bessere technische Verarbeitung und zum zweiten durch verstärkte Ausfuhr erreicht werden. Zugleich sollte die „planlose Sortenwahl“ ein Ende haben und empfehlenswerte Obstsorten ermittelt werden.

Die Arbeit der Abteilung hatte noch einen zweiten Schwerpunkt: Bekanntheit und Ruf des deutschen Weines ließen offensichtlich sehr zu wünschen übrig. In Norddeutschland wurde französischer Rotwein getrunken, deutscher war dort nicht bekannt. Darum befasste sich die Abteilung mit der Durchführung und Methodik von Wein-, Obstwein- und Obstsaft-Wettbewerben sowie mit der Einrichtung einer Weinkosthalle für die DLG-Ausstellung. Damit sollte dem deutschen Wein eine „Heimstatt“ gegeben werden, wie es im Bericht zur Ausschreibung hieß: Die Weinkosthalle sollte ihn beim Publikum bekannter machen und seine Qualität zeigen.

(hgb)

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