DLG e.V. - Wein von Anbeginn dabei

Ab 1887: Wein von Anbeginn dabei

Der deutsche Wein befand sich zur Zeit der DLG-Gründung in einer schlechten Verfassung. Seine Bekanntheit und vor allem sein Ruf ließen sehr zu wünschen übrig. Die Verbesserung dieses Rufes, aber auch der Qualität, sowie die Förderung des Absatzes und der Rentabilität der Weinerzeuger standen im Fokus von Erzeugern, Vermarktern und Weinfachleuten aus Lehranstalten und Fachvereinen. Gerade von der neuen Gesellschaft DLG erhofften sie sich dafür wirksame Impulse. Dies schlug sich bereits 1886 in der Gründung einer Obst- und Weinbau-Abteilung nieder, die bei den Überlegungen über das Konzept der ersten DLG-Ausstellung beteiligt war. Sie trat erfolgreich dafür ein, auf diesem neuen Ausstellungstyp auch dem deutschen Wein eine „Heimstatt“ und ein Forum zu bieten, um ihn beim Publikum bekannter zu machen und seine Qualität unter Beweis zu stellen.

Beginn mit Weinkosthalle

So wurde bereits auf der 1. DLG-Ausstellung 1887 in Frankfurt am Main eine Weinkosthalle eingerichtet. Auf diese Weise sollte der deutsche Weinbau zur Ausstellung gebracht werden. Bewusst nahm die Obst- und Weinbauabteilung in den ersten Jahren der DLG-Ausstellungen noch keine Prüfung und Prämierung vor, denn die Verantwortlichen sahen, dass die Zeit hierfür nicht reif war. Interessensunterschiede zwischen den Verantwortlichen und Vermarktern sowie „Eifersüchteleien“ zwischen Regionen und Fachvereinigungen haben in den ersten Jahren diese Beteiligungen geprägt und auch zum Teil beeinträchtigt, wie der Abteilungsvorstand Rudolf Goethe (Geisenheim) in einem Bericht formulierte. Die Aussteller und Anbieter wollten die Ausstellungen mehr für die Weinvermarktung und für den Konsum durch die Besucher nutzen als für den Vergleich der besten Weine. In einem Zwischenfazit nach den ersten sieben Durchläufen mit den Weinkosthallen und einem Weinwettbewerb 1890 in Straßburg stand fest, dass das „eigentliche Ziel der Weinausstellung, die Förderung des Weinbaus, nicht in gewünschter Weise“ erreicht wurde, wie der Berichterstatter und spätere Abteilungsvorsitzende Dr. August Dern im „Jahresbericht der DLG“ resümierte. Moniert wurde auch, dass der Weinausschank und -verkauf „teilweise Formen annahm, die nicht angenehm und würdig zu nennen waren“. Auch überwogen in den Anfangsjahren Schaum- und Obstweine bei der Präsentation.

Ziel sollte eigentlich sein, in fachmännischen Verkostungen einen Vergleich der verschiedenen Weine aus den deutschen Anbaugebieten zu ermöglichen und so Geschmack für wirklich gute Weine zu wecken. Um dies zu erreichen und um zugleich die Traubenweine angemessen und wirkungsvoll zur Geltung zu bringen, wurde für 1894 die Ausstellungsordnung für diesen Bereich geändert und eine zweite Weinkosthalle für die Traubenweine eingerichtet, bei der  der Wein nicht ausschließlich konsumiert, sondern auch verkostet wurde. Den Betrieb dieser zweiten Kosthalle übernahm die DLG. Die Traubenwein-Kosthalle war ab 1894 Bestandteil aller Ausstellungen. Sie erfreute sich steigender Beliebtheit bei den Erzeugern, die sich je nach Ausstellungsstandort mehr oder weniger umfänglich beteiligten, wie gerade auch bei den Besuchern. Im Jahrbuch von 1896 heißt es, dass die Traubenwein-Kosthalle zu den bestbesuchten der Ausstellungen gehörte. Diese Halle war allerdings nie kostendeckend, sondern das DLG-Direktorium übernahm die Kosten, um den deutschen Weinbau durch bessere Qualitäten und Absatz zu fördern.

Diese Aufnahme zeigt einen Blick in den besonderen Kostraum mit einer fachmännischen Weinprobe in der Traubenweinhalle auf der DLG-Ausstellung 1905 in München. Sie diente als Vorlage für die Postkarte, die zum Besuch der Wein-probe auf der DLG-Ausstellung 1906 in Berlin einlud.

Ab der DLG-Ausstellung 1903 wurde zusätzlich auch eine besondere fachmännische Weinprobe in dieser Halle durchgeführt. Um einen zutreffenden Überblick „über die Leistungsfähigkeit des deutschen Weinbaus“ zu bieten, so der fachliche Leiter Dr. Dern, wurden hier die ausgestellten sowie weitere ausgesuchte Weine aus den deutschen Anbaugebieten, vor allem auch der edlen Hochgewächse, in Proben verkostet. Während die Erzeuger die Weine hierfür kostenfrei zur Verfügung stellten, hat die DLG alle übrigen Kosten getragen. Um die Teilnahme auf ein fachliches, interessiertes Publikum und vor allem aus dem Weinhandel zu beschränken, war sie nur gegen ein kleines Eintrittsgeld möglich. Wie die Fachzeitung „Weinbau und Weinhandel“ in ihrem Bericht über die Premiere 1903 schrieb, hat diese „geradezu Furore gemacht“ und von den Fachleuten höchstes Lob erhalten. Von 1913 an wurde für die beiden Weinkosthallen und die fachmännische Weinprobe die Bezeichnung „Weinausstellung der D.L.G. mit Kosthalle“  eingeführt.

Weinwettbewerb und Prüfung

Eine Weinprüfung hat die Obst- und Weinbauabteilung erstmals für die DLG-Ausstellung 1890 in Straßburg ausgeschrieben. Seit der ersten DLG-Ausstellung hatte es unter den Verantwortlichen der Weinbau-Abteilung interne Diskussionen über Konzept und Zeitpunkt einer Weinprüfung gegeben. Nach der 1889-er Veranstaltung schlug die Landesregierung Elsass-Lothringen die Durchführung eines Wettbewerbs für die 4. DLG-Ausstellung vor. Der Standort Straßburg war dafür auch bestens geeignet: Elsass-Lothringen war zu der damaligen Zeit das größte deutsche Weinland mit einer sehr bedeutenden und qualitativ hochwertigen Produktion. Die erste Weinprüfung der DLG 1890 in Straßburg bewertete der Abteilungsvorsitzenden Rudolf Goethe insgesamt als gelungen, sowohl aufgrund der umfangreichen Beteilung als auch eines überragenden Ergebnisses von 70 % der Prämierungen an die teilnehmenden Betriebe aus Elsass-Lothringen. Zu den bekannten Preisträgern zählen auch heute noch bestehende, renommierte Weingüter aus Franken, Ahr, Nahe und Rheinpfalz. Bedauert wurde die geringere Beteiligung vor allem vom Rhein und der Mosel, die sich aus Image- und Marktgründen dem Qualitätswettbewerb nicht stellen wollten, wie Rudolf Goethe es bezeichnete.

Trotz des guten Starts gab es auf den folgenden DLG-Ausstellungen keine weitere Weinprüfung: Letztendlich standen der starke Wettbewerb und „Eifersüchteleien“ zwischen einzelnen Anbauregionen um den Ruf und um Marktanteile sowie die Dominanz der Anbauer aus Elsass-Lothringen im Wege. Es blieb bei den Weinkosthallen und den fachlichen Weinproben.

Ab 1891 waren jedoch Prüfungen von Traubenweine jährlich im Rahmen des Wettbewerbs für Dauerwaren und damit mit Zielrichtung Export ausgeschrieben. Die Weine wurden nach einer viermonatigen Schiffsreise über den Äquator nach Australien und zurück einer umfangreichen Laboruntersuchung sowie einer sensorischen Prüfung durch Sachverständige unterzogen. Sogleich beim Start waren eine erfreuliche Anzahl von Weinen aus dem Rheingau, der Mosel, Rheinhessen und der Ahr beteiligt. In den folgenden Jahren schwankten die Zahlen der teilnehmenden Betriebe und der geprüften Trauben- und Beeren-Weine zum Teil erheblich.

Bei der Vorbereitung und Durchführung wirkten die besten Fachleute der Abteilung Obst- und Weinbau an der Entwicklung der Prüfkriterien mit. Sie bauten dabei auf den Ergebnissen der ersten umfassenden Qualitätsprüfung von Obstweinen auf, die 1889 im Rahmen der Herbsttagung der Abteilung in Magdeburg stattfand. Dadurch verfügte die DLG bereits in den 1890-er Jahren über eine ausgefeilte Prüfmethodik auch für den Bereich Wein.

(hgb)

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