DLG e.V. - DLG-Merkblatt 405 - Legehennenhaltung

Legehennenhaltung DLG-Merkblatt 405

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Autoren:

DLG-Ausschuss für Geflügelproduktion
– Dr. Matthias Schmutz, Lohmann Tierzucht GmbH, Cuxhaven
– Prof. Dr. Dietmar Flock, Lohmann Tierzucht GmbH, Cuxhaven

In der Bundesrepublik Deutschland werden gegenwärtig etwa 220 Eier pro Kopf und Jahr verzehrt. Der Verbrauch war nach dem Ausstieg aus der konventionellen Käfighaltung vorübergehend auf 205 Eier im Jahr 2005 zurückgegangen und hat seit der Umstellung auf alternative Haltungssysteme fast wieder das Niveau von 2000 erreicht. Auch der dramatisch zurückgefallene Selbstversorgungsgrad (nur noch 55 % im Jahr 2005) zeigt steigende Tendenz und hat gute Chancen, das Niveau von 75 % im Jahr 2000 (MEG, Geflügeljahrbuch 2014) mindestens zu erreichen oder sogar zu übertreffen, wenn die verstärkte Nachfrage nach regionaler Produktion anhält. Die importierten Eier stammen zum überwiegenden Teil aus den Niederlanden.

Wichtig für die richtige Bewertung des Pro-Kopf-Verbrauches ist, dass etwa 36 % der Eier nicht als Schaleneier, sondern als Eiprodukte und eiprodukthaltige Lebensmittel konsumiert werden.

Seit der Änderung der Vermarktungsnormen und dem Verbot der konventionellen Käfighaltung erfolgt die Erzeugung überwiegend in Bodenhaltung. Das statistische Bundesamt gab zuletzt für Betriebe mit mindestens 3.000 Hennenplätzen folgende Zahlen an: 64,0 % Boden-, 14,6 % Freiland-, 13,2 % Kleingruppen- und 8,2 % Ökohaltung.

Die Haltungsform wird weitgehend von der Veränderung der Warenströme und Absatzwege bestimmt. Im Jahr 2012 entfielen nach dem GfK Haushaltspanel fast 50 % der Eiereinkäufe deutscher Haushalte auf die verschiedenen Discounter und nur etwa 28 % auf Verbrauchermärkte, Supermärkte und den traditionellen Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Rückläufig ist der Absatz über Wochenmärkte und direkt über die Erzeuger, der insgesamt nur noch bei ca. 15 % rangiert.

Bedingt durch die überwiegende Umstellung auf Boden- und Freilandware und auf das Biosegment bei Discountern ist außerdem die Verschiebung der Warenströme hin zum Alternativsegment leicht nachvollziehbar. Allerdings ging diese Verschiebung auch mit einem deutlichen Preisverfall bei der alternativen Ware einher.

Mit der Verlagerung der Erzeugung hin zu alternativen Haltungsformen, aber auch durch die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen für die Haltung von Legehennen haben sich die Anforderungen im Hinblick auf die Erzeugung eines qualitativ hochwertigen Eies deutlich verschoben.

So muss der Hygiene in Verfahren mit Einstreu und dem Angebot von Auslaufflächen deutlich mehr Augenmerk gewidmet werden. Aber auch an die Tiere und die Erhaltung ihrer Gesundheit und Leistungsfähigkeit werden in derartigen Systemen höhere Ansprüche gestellt. Insbesondere in kleinen und mittleren Betrieben mit mehreren Altersgruppen und einer arbeitsintensiven Direktvermarktung können diese Anforderungen dazu führen, dass bestimmte Haltungsformen nur bedingt genutzt werden können.

Mit diesem Merkblatt sollen die Grundlagen für eine wirtschaftlich erfolgreiche Erzeugung von qualitativ hochwertigen Eiern in den unterschiedlichen Haltungsformen aufgezeigt werden.

1. Tiere

Wichtigstes Ziel bei der Auswahl der Legehennenherkunft ist die Erzeugung einer möglichst hohen Zahl an vermarktungsfähigen Eiern. Dazu gehört ein hoher Anteil in den vom Markt bevorzugten Gewichtsklassen ebenso wie stabile Schalen bis zum Ende der üblichen Haltungsdauer. Eier außerhalb der gewünschten Größensortierung lassen sich nur mit erhöhtem Aufwand vermarkten, Schmutzeier und Eier mit Schalenschäden belasten das Ergebnis.

Von grundlegender Bedeutung für den Erfolg der Eiererzeugung ist die Auswahl der für die vorgesehene Haltungsform am besten geeigneten Legehennenherkunft. Für die Boden- und Freilandhaltung sind Robustheit und Krankheitsresistenz, geringe Neigung zu aggressivem Picken und vor allem gute Nestgängigkeit gefragt; Merkmale also, die in der Kleingruppenhaltung (ohne Kontakt zur Einstreu) weniger zu beachten sind. Praxisdaten aus vielen Betrieben mit unterschiedlicher Haltungsform zeigen, dass neben genetisch bedingten Unterschieden auch das Management im Aufzuchtbetrieb eine entscheidende Rolle für Verhaltensmerkmale wie Nestgängigkeit spielen kann. Die überwiegende Einstallung von Braunlegern für die Boden- oder Freilandhaltung entspricht nicht nur den Verbrauchererwartungen an Eier aus Alternativhaltungen, sondern spiegelt auch die verbesserte Anpassung bestimmter brauner Herkünfte und des Managements an diese Haltungsform wider.

Neben der erwarteten Anzahl vermarktungsfähiger Eier pro eingestallte Henne geht es bei der Wahl der richtigen Legehennenherkunft um die Art der Vermarktung und damit verbundene Kundenwünsche im Hinblick auf bevorzugte Eigewichte und Eischalenfarbe. Während der LEH heute vermehrt braunschalige M und L Eier anbietet, sind in der Direktvermarktung auch XL Eier gefragt; weiße Eier mittlerer Größen werden vornehmlich für die Eiproduktindustrie produziert.

Wie lange eine Herde gehalten werden sollte, hängt nicht nur von der Persistenz der Lege­rate und Schalenqualität, sondern auch vom Absatzweg ab. Bei Direktabsatz kann Mausern sinnvoll sein, um mehr große Eier mit besserer Schalenqualität zu erzeugen.

In modernen Haltungsanlangen können heutige Spitzenherkünfte in 12 Monaten 310 – 330 Eier je Anfangshenne legen; braune Herkünfte 5 – 10 Eier weniger als weiße, dafür haben die braunen Eier durchschnittlich ein etwas höheres Eigewicht als weiße Eier. Um in der Bodenhaltung und Freilandhaltung das genetische Potenzial von über 300 verkaufsfähigen Eiern je Anfangshenne zu nutzen, dürfen keine vermeidbaren Fehler gemacht werden. Eine generelle Voraussetzung dafür ist die Vermeidung von Krankheiten und Tierverlusten durch Schutzimpfung und Biosicherheit, möglichst mit strikter Rein-Raus-Haltung. Weiterhin sollte die Technik im Aufzuchtbetrieb zur Technik im Legebetrieb passen und die Fütterung der Junghennen mit dem Lieferanten abgestimmt werden, um möglichst viele verkaufsfähige Eier in marktgerechter Größensortierung produzieren zu können.

2. Aufzucht

Die in der heute arbeitsteiligen Geflügelzucht durch spezialisierte Betriebe durchgeführte Aufzucht von Küken bis zur legereifen Junghenne soll in diesen Ausführungen nur unter dem Aspekt der Bedeutung der Aufzucht für die spätere Eiererzeugung angesprochen werden.

Ziel der Aufzucht ist es, dem Legehennenbetrieb eine möglichst uniforme Junghennenpartie zu liefern. Dabei sollte die körperliche Kondition der geschlechtlichen Entwicklung angepasst sein, da untergewichtige Junghennen Schwierigkeiten beim Start in die Legeperiode bekommen können.
Während der Aufzucht sollten die Junghennen möglichst gezielt auf die Haltungsbedingungen im jeweiligen Legebetrieb vorbereitet werden. Vergleichbare Raumaufteilung mit Tränke- und Fütterungsanlagen sowie Sitzstangen in mehreren Ebenen erleichtern die Orientierung im Legestall. Selbst bei optimaler Vorbereitung brauchen die Junghennen Zeit, um nach gleichmäßiger Verteilung im Stall und Nutzung der Versorgungseinrichtungen auch die Nester zu finden und zu nutzen.
Nach ausreichend bemessener Servicezeit für eine gründliche Reinigung und Desinfektion sollten die Junghennen frühestens mit 16, spätestens mit 18 Lebenswochen umgestallt werden.

Neben der Vorbereitung auf die künftige Haltungsform muss durch den Aufzuchtbetrieb auch die korrekte Immunisierung der Junghennen nach eventuell betriebsspezifisch zu ergänzenden Impfprogrammen vorgenommen werden. Der Impfschutz muss dabei so rechtzeitig etabliert werden, dass er bei Umstallung in den Legebetrieb auch belastbar ist.

Ein häufig unterschätzter, aber für die erfolgreiche Eiererzeugung sehr wichtiger Faktor ist die Abstimmung des Lichtprogramms im Aufzuchtbetrieb mit dem Lichtregime im Legebetrieb. Die Sensibilität des Huhnes für Lichtreize, speziell für Veränderungen der Tageslänge und der Licht­intensität, muss bei der Planung des Lichtprogramms für jede Herde berücksichtigt werden, um im Zusammenspiel mit der Fütterung die Entwicklung der Junghenne zu optimieren. Ein aufgrund fehlender Abstimmung zu krasser Wechsel in der Lichttagslänge hat immer Einbußen bei der Legeleistung zur Folge. Die Fenster müssen sich verdunkeln lassen, um störende jahreszeitliche Veränderungen der natürlichen Tageslänge auszuschalten. Von mehreren Altersgruppen im Stall ist dringend abzuraten, weil sich dabei das Lichtprogramm nicht optimieren lässt. Der „Lichtschock“ bei der Umstallung ist eine mögliche Ursache für Prolaps und erhöhte Verluste.

3. Rechtlicher Rahmen der Legehennenhaltung in Deutschland

Mit der 2. Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung wurde am 1. August 2006 die EU-Richtlinie zum Schutz von Legehennen aus dem Jahr 1999 in nationales Recht umgesetzt. Nach dieser Verordnung dürfen Legehennen in Deutschland nach einer Übergangsfrist seit 2009 nur noch in Bodenhaltung oder Volieren (Bodenhaltung in mehreren Ebenen) jeweils mit oder ohne Zugang zu einem Auslauf im Freien sowie in bestehenden Kleingruppensystemen gehalten werden.

3.1 Allgemeine Vorgaben

Nach § 13 dieser Verordnung müssen alle Haltungseinrichtungen dabei eine Mindestfläche von 2,5 m² aufweisen und so ausgestattet sein, dass sich die Hennen darin ihren Bedürfnissen entsprechend angemessen bewegen können. Insbesondere muss ihnen das artgemäße Fressen, Trinken, Ruhen und Staubbaden ermöglicht werden. Außerdem muss die Möglichkeit zum Aufsuchen eines Nestes gegeben sein.

Die Beleuchtung muss gewährleisten, dass sich zum einen die Tiere untereinander erkennen und zum anderen die mit der Fütterung und Pflege betrauten Personen die Tiere in Augenschein nehmen können.
Grundsätzlich muss der Boden so beschaffen sein, dass die Tiere festen Stand finden können. Die Legehennen müssen ferner gleichermaßen Zugang zu ausreichend dimensionierten und verteilten Fütterungseinrichtungen haben. Gleiches gilt für das Angebot von Tränkeeinrichtungen.
Die Haltungseinrichtungen sind außerdem mit einem zumindest während der Legephase frei zugänglichen Nest auszustatten, dessen Boden so gestaltet sein muss, dass die Tiere nicht mit Drahtgitter in Berührung kommen.

Zu berücksichtigen ist ferner die Forderung, einen Einstreubereich mit geeignetem Einstreumaterial einzurichten, der es den Legehennen ermöglicht, ihre artgemäßen Bedürfnisse wie ­Picken, Scharren und Staubbaden zu befriedigen.

Unabhängig vom Haltungssystem muss den Legehennen einer Gruppe ein gleichzeitiges ungestörtes Ruhen auf einer Sitzstange ermöglicht werden. Außerdem muss ein ausreichender Krallenabrieb, unter Umständen durch das Anbringen von besonderen Vorrichtungen, gewährleistet werden.

3.2 Spezielle Vorgaben

§ 13 a der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung regelt die speziellen Anforderungen an die Bodenhaltung von Legehennen. Danach gibt es die klassische Bodenhaltung, die Bodenhaltung in mehreren Ebenen und beide Formen in Kombination mit einem Zugang zu einem Auslauf ins Freie. Grundsätzlich dürfen bei diesen Haltungen maximal neun Hennen pro m² nutzbarer Fläche gehalten werden, wobei in Bodenhaltungen mit mehreren Ebenen eine Besatzdichte von maximal 18 Tieren pro m² Grundfläche erlaubt ist. Ohne räumliche Trennung, z. B. durch Drahtgitter, dürfen in Deutschland außerdem nur noch höchstens 6.000 Legehennen gehalten werden. Die Vorgaben zu Trog- und Tränkefläche, Sitzstangen, Nest- und Scharrfläche sowie alle sonstigen Maße sind der Tabelle zu entnehmen.

Tabelle 1: Anforderungen an Bodenhaltungen

Besatzdichte max. 9 Hennen pro m² nutzbare Fläche, bei Bodenhaltung in mehreren Ebenen max. 18 Tiere pro m² Stallgrundfläche
Ebenen max. 4 Ebenen übereinander, wobei der Stallboden die erste Ebene bildet, Anrechung einer Ebene nur, wenn kein Kot auf die darunter liegende Eben fallen kann; Abstand zwischen Ebenen min. 45 cm
Gruppengröße ohne räumliche Trennung maximal 6.000 Tiere
Fütterung
Längstrog
Rundtrog

min. 10 cm Kantenlänge pro Tier
min. 4 cm Kantenlänge pro Tier
Tränke
Rinnen-/ Rundtränke
Nippel-/Bechertränke

min. 2,5 cm/min. 1 cm Kantenlänge pro Tier.
min. 2 Tränkestellen für bis zu 10 Tiere, eine für jeweils weitere 10 Tiere
Nester
Gruppennest
Einzelnest

min. 1 m² für max. 120 Tiere
max. 7 Tiere pro Nest (35 x 25 cm)
Sitzstangen min.15 cm pro Tier; waagerechter Abstand zwischen den Stangen
min. 30 cm und zur Wand 20 cm
Einstreubereich min. ein Drittel der Stallgrundfläche und min. 250 cm² pro Tier
Kaltscharraum Kaltscharrraum für alle seit August 2002 in Betrieb genommenen Einrichtungen mit Zugang zu einem Auslauf, wenn nicht bautechnische oder rechtliche Gründe dagegen sprechen
Durchlassöffnungen zum Kaltscharrraum min. 35 cm hoch und 40 cm breit, min. 1 m für 500 Tiere gleichmäßig über die Außenwand verteilt (bei unverhältnismäßig hohem Aufwand 1 m für 1.000 Tiere)
Licht bei nach dem 13. März 2006 in Benutzung genommenen Ställen 3 % der Grundfläche, in vorhandenen Gebäuden kann künstliche Beleuchtung erfolgen, wenn eine gleichmäßige natürliche Beleuchtung nicht möglich ist

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Für Freilandhaltungen müssen die Hennen tagsüber uneingeschränkten Zugang zu einer Auslauffläche von mindestens 4 m² je Tier haben. Der Abstand von der nächstgelegenen Auslauföffnung soll maximal 150 m betragen. Wenn in der Auslauffläche Unterstände vorhanden sind, kann die Entfernung 350 m im Radius von der Auslauföffnung sein.

In Deutschland ist neben der Bodenhaltung auch die Haltung in bestehenden Kleingruppenanlagen erlaubt, hierfür sind in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung spezielle Anforderungen definiert.
Vorteile gegenüber Bodenhaltungssystemen sind die bessere Kontrolle der Tiere in kleineren Einheiten, weniger Krankheitsbelastung und hygienischere Gewinnung der Eier durch die Trennung der Hennen von ihren Exkrementen und geringerer Zeitaufwand für die Versorgung der Tiere.

Nach dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Jahr 2012 sind diese Vorgaben für die Kleingruppenhaltung aufgrund von formalen Fehlern während des Verordnungsverfahrens nicht verfassungskonform. Die Bundesländer haben die entstandene Rechtslücke durch jeweils eigene Regelungen geschlossen. Bestehende Kleingruppenhaltungen können nach derzeitigem Stand weiter genutzt werden. Neue Kleingruppenanlagen werden in Deutschland nicht mehr eingebaut, während in den meisten anderen EU-Ländern bevorzugt in „ausgestaltete Käfige“ investiert wird.

4. Managementempfehlungen

4.1 Haltung


Neben Herkunftsunterschieden wird der Erfolg der Eiererzeugung insbesondere durch die Haltungsumwelt und das Management bestimmt. Für den Leghennenhalter gilt es, die Umwelt unter Beachtung der rechtlichen Vorgaben möglichst zu optimieren.

Ziel ist es, die Legehennen gesund zu erhalten, da ein im Krankheitsfall notwendiger Einsatz von Medikamenten aufgrund von vorgeschriebenen Wartezeiten heute nur noch sehr eingeschränkt möglich und letztlich ökonomisch nachteilig ist.

Die beste Prophylaxemaßnahme ist die möglichst konsequente Durchführung des Rein-Raus-Prinzips. Nur indem Ställe immer komplett geräumt und vor der Neubelegung gründlich gereinigt und desinfiziert werden, ist die effektive Unterbrechung von Infektionsketten möglich. Insbesondere auch der Reinigung von technischen Einrichtungen wie Tränken oder Fütterungseinrichtungen muss dabei höchste Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Eine längere Leerstehphase zwischen zwei Durchgängen unterstützt die Wirkung dabei deutlich. Bei der Desinfektion sollte ausschließlich auf Desinfektionsmittel zurückgegriffen werden, die durch die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft geprüft wurden.

Anforderungen in der Vermarktung verhindern jedoch häufig die konsequente Durchführung des Rein-Raus-Prinzips. Wenn deshalb vor allem in Kleinbetrieben noch immer mehrere Altersgruppen im selben Stall gehalten werden, dann sollte spätestens nach dem Auftreten besonderer Probleme eine komplette Reinigung und Desinfektion durchgeführt werden.

Im Zusammenhang mit einer effektiven Krankheitsvorbeuge gehört im Rahmen der allgemeinen Hygiene neben einer konsequenten Schadnager- und Insektenbekämpfung auch die konsequente Abschirmung der Bestände gegen den Eintrag von Krankheiten durch Personenverkehr. Hygieneschleusen und Einmalschutzkleidung sind aufgrund der Gefahren in Zusammenhang mit der Bedrohung durch Tierseuchen unerlässlich.

Neben der Sicherung einer Grundimmunisierung in der Aufzucht, die neben den gesetzlich vorgeschriebenen Impfungen (z. B. Newcastle Disease, Salmonellen) auch betriebsspezifisch abgestimmt werden muss, ist gerade in der Boden- und Freilandhaltung eine regelmäßige und konsequente Bekämpfung von Darmparasiten wie z. B. Würmer und Kokzidien unumgänglich.

Eine besondere Bedeutung kommt in der Legehennenhaltung auch der Klimaführung im Stall zu. Diese muss jederzeit die ordnungsgemäße Be- und Entlüftung der Ställe sicherstellen. Die Auslegung der Lüftungsanlage sollte dabei den Vorgaben der einschlägigen DIN-Normen entsprechen. Gerade bei niedrigen Besatzdichten wie z. B. in der klassischen Bodenhaltung kann für die Winterlüftungssituation sogar eine zusätzliche Heizmöglichkeit erforderlich sein. In der Sommerlüftungssituation haben sich gerade bei extremen Temperaturen vor allem in Systemen ohne Einstreu auch Luftkühlungssysteme als vorteilhaft erwiesen.

Im Hinblick auf die Schadgasgehalte in der Stallluft (z. B. Grenzwert Ammoniak 20 ppm) ist es empfehlenswert, zum einen die anfallenden Exkremente möglichst oft aus dem Stall zu entfernen und zum anderen durch Wasserentzug aus den Exkrementen die durch Abbauprozesse bedingte Freisetzung von Schadgasen zu minimieren. Kotbandbelüftungen in Volierenställen und geschickte Abluftführung über die Kotkanäle in Bodenhaltungssystemen sollten heute Standard sein.

Der Ausstoß von Stäuben in Haltungssystemen mit Einstreu ist deutlich höher als in einstreulosen Systemen. Staubfiltersysteme haben sich jedoch bislang noch nicht etablieren können.

Für die Beleuchtung von Legehennenställen gibt der rechtliche Rahmen vor, dass den Tieren mindestens eine achtstündige Dunkelphase zu gewähren ist. Über das Lichtprogramm lassen sich außer dem Legebeginn auch die Körpergewichtsentwicklung, das Eigewicht, die Futteraufnahme und sogar der Knickeianfall positiv beeinflussen. In der Praxis ist es vielfach üblich, die Beleuchtungsdauer von anfänglich 12 bis 14 Stunden auf etwa 16 Stunden bis zum Ende des Legejahres anzuheben.
Das Lichtprogramm sollte immer mit dem Junghennenaufzüchter abgestimmt werden, unter Berücksichtigung der aktuellen Empfehlungen des Züchters für eine bestimmte Herkunft. Generell sollten nur flimmerfreie Lichtquellen verwendet werden.

4.2 Futter und Fütterung

Je nach Haltungsform sind rund zwei Drittel der Produktionskosten je Ei Futterkosten. Es geht aber nicht nur darum, die Futterkosten je Ei zu minimieren; vielmehr sollte das gesamte heute verfügbare Wissen genutzt werden, um über die Futterzusammensetzung und Fütterungstechnik die Gewichtsentwicklung der Tiere, das Eigewicht und die Schalenqualität zu optimieren. In einem getrennten Merkblatt soll ausführlicher auf die physiologischen Grundlagen und praktische Fragen der zeitgemäßen Ernährung eingegangen werden. Hier wird nur auf die wichtigsten Punkte hingewiesen.

Die Zusammensetzung des Futters hat sich konsequent am Nährstoffbedarf der Tiere zu orien­tieren. Dieser ändert sich im Laufe der Aufzuchtphase und in der Legephase kontinuierlich; daher ergibt sich die Notwendigkeit des Einsatzes verschiedener Futtertypen, abhängig vom Entwicklungszustand und Leistungsverhalten der Küken, Junghennen und Legehennen. Der Nährstoffbedarf ist vom Haltungssystem und Besonderheiten im einzelnen Betrieb abhängig.

Die Nährstoffdichte des Futters ist die wesentlichste „Kenngröße“ zur Beschreibung der Wertigkeit eines Futters für den Einsatz in der Geflügelfütterung.

Bei jedem Futterwechsel (Phasenfütterung) werden die Rohstoffe nach dem Nährstoffbedarf der Tiere ausgewählt. Generell dürfen nur Rohstoffe mit hoher Nährstoffverfügbarkeit und einwandfreier hygienischer Qualität zum Einsatz gelangen.

Es sollte möglichst nur Futter in homogener, griesiger Mehlstruktur gefüttert werden. Zu hohe Anteile sehr feiner Struktur und/oder zu grober Struktur führen zu selektiver Futteraufnahme und ungleichmäßiger Nährstoffversorgung der Tiere. Die bedarfsgerechte Fütterung der Legehenne beginnt bereits in der Aufzucht, wo die Grundlage für die spätere Leistung gelegt wird. Nicht nur Junghennen für alternative Haltungssysteme sollten bei Legebeginn mindestens das vom Zuchtbetrieb empfohlene Sollgewicht erreicht haben.

Besonders für Junghennen, die für Boden- oder Volierensysteme aufgezogen werden, ist ein Vorlegefutter zu empfehlen. Das Vorlegefutter besitzt gegenüber dem Junghennenfutter einen etwa verdoppelten Calciumgehalt sowie höhere Protein- und Aminosäurengehalte. Dieses Futter ermöglicht es frühreifen Tieren, ausreichend Calcium für die Schalenbildung der ersten Eier aufzunehmen und versorgt spätreife Tiere besser mit Nährstoffen.

Untergewichtige Junghennen bieten wenig Aussicht, im Laufe der Legeperiode ein normales Leistungsverhalten entsprechend ihrer genetischen Veranlagung zu erreichen.

Der Nährstoffbedarf der Legehenne wird unterteilt in den Bedarf für Erhaltung, Körperzuwachs und Eibildung. Der Erhaltungsbedarf der Legehenne beträgt ca. 60 – 65 % des Gesamtenergiebedarfes. Hennen in Bodenhaltung und Freilandhaltung verlangen im Vergleich zur Kleingruppenhaltung etwa 10 % bzw. 15 % mehr Energie für ihre Bewegung.

Voraussetzungen für eine ausreichende Nährstoffaufnahme sind:

  • ausreichend hoher Energiegehalt/Nährstoffdichte des Futters
  • ausreichende Futteraufnahme des Tieres

Da die Nährstoffdichte des Legehennenfutters ökonomisch nur bedingt zu erhöhen ist, muss eine ausreichende Futteraufnahme pro Tier und Tag für eine Nutzung des genetischen Leistungsvermögens der Hennen gesichert sein. Die tägliche Futteraufnahme der Legehenne ist zwar teilweise genetisch vorprogrammiert, aber auch von vielen anderen Faktoren abhängig, insbesondere Gesundheit und Gewicht der Henne, aktuelle Legerate und Eigewicht, Umgebungstemperatur und Befiederungszustand; und nicht zuletzt Energiegehalt und Struktur des Futters.

In alternativen Systemen hat es sich bewährt, die Junghennen schon im Alter von 16 – 17 Lebenswochen umzustallen. Der Wechsel auf ein hochwertiges Legestartfutter erfolgt bei ca. 5 % Legeleistung.

Die Umstallung der Hennen bedeutet für die Tiere eine Belastung. Der Organismus muss sich umstellen von Wachstum/Körperansatz auf das Einsetzen der Legetätigkeit, während die Hennen noch nicht ganz ausgewachsen sind. Durch die hormonellen Veränderungen im Tier leidet oft auch die Futteraufnahme. Deshalb müssen in dieser Phase alle Anstrengungen unternommen werden, die Futteraufnahme zu stimulieren, z. B. durch:

  • mehrmaliges Füttern pro Tag
  • Füttern auf leeren Trog
  • attraktives Futter in optimaler Mehlstruktur
  • Beleuchtung der Fütterungsanlagen

Zur Unterstützung der Nährstoffaufnahme hat es sich bewährt, ein Futter mit höherer Nährstoffdichte anzubieten. In Abstimmung mit dem Junghennenaufzüchter empfiehlt sich der Einsatz von Vorlegefutter. Eine Nährstoffunterversorgung zum Legebeginn belastet den Stoffwechsel der Tiere und kann zum Auftreten von Fettlebersyndrom beitragen.

Zuchtgesellschaften bieten umfangreiche und detaillierte Informationen zur Erstellung eines optimalen Fütterungsprogrammes für ihre verschiedenen Zuchtprodukte an.

Durch die Ernährung kann in gewissen Grenzen das Eigewicht an die betriebsspezifischen Bedürfnisse angepasst werden. Dabei ist zu beachten:

  • hohes Körpergewicht bei Legebeginn begünstigt ein höheres Eigewicht
  • hohe Gehalte an Rohprotein, Methionin und Linolsäure erhöhen das Eigewicht
  • kontrollierte Fütterung kann helfen, den Anstieg des Eigewichts zu begrenzen

Für den Verkaufserlös aus der Legehennenhaltung kommt es darauf an, möglichst viele Eier mit stabiler Schale in den vom Markt bevorzugten Gewichtsklassen zu produzieren. Gegen Ende der Legeperiode ist die negative Korrelation zwischen Eigewicht und Schalenstabilität zu beachten.

Ein möglichst intaktes Federkleid der Hennen über die gesamte Haltungsdauer ist ein grundsätzliches Anliegen aller Geflügelhalter. Ein intaktes Federkleid schützt vor Wärmeverlust und vermeidet einen erhöhten Futterverzehr.

4.3 Wasserbedarf der Legehenne

Wasser ist für jedes Tier das wichtigste Nahrungsmittel. Futter- und Wasseraufnahme stehen in engem Verhältnis zueinander, wobei ein Verhältnis von 1 : 2 als normal gilt. Bei hohen Temperaturen oder Gesundheitsproblemen zeigen die Tiere eine erhöhte Wasseraufnahme.

Wasseruhren ermöglichen die notwendige  regelmäßige Kontrolle der aufgenommenen Wassermenge.

Das den Tieren angebotene Wasser sollte grundsätzlich Trinkwasserqualität haben. Regelmäßige Überprüfung der Funktionsfähigkeit des Tränkesystems und Reinigung der Wasserversorgungseinrichtungen in den Ställen ist geboten, mit besonderer Kontrolle der Vorlaufbehälter.

Bei Verwendung von Brunnenwasser sind regelmäßige Wasseruntersuchungen auf Basis der Trinkwasserverordnung durchzuführen.

5. Wirtschaftlichkeit

Bei der Bewertung der Wirtschaftlichkeit der Legehennenhaltung sind neben den je nach Vermarktungsweg unterschiedlichen Erlösmöglichkeiten vor allem die Unterschiede bei den Festkosten und den direkten Kosten entscheidend.

Die großen Unterschiede bei den Erlösmöglichkeiten in Abhängigkeit vom Vermarktungsweg können aufgrund der großen Vielfalt der Vermarktungsmöglichkeiten und der Tatsache, dass die Vermarktung in der Regel in einem Betrieb parallel auf verschiedenen Wegen erfolgt, nicht allgemeingültig dargestellt werden.
In der nachfolgenden Abbildung sind die Ergebnisse der Betriebszweigauswertung Legehenne aus Baden-Württemberg über einen Zeitraum von zehn Jahren dargestellt (Schöllhammer 2013). Die Auswertung beruht auf Ergebnissen aus Betrieben, die überwiegend direkt vermarkten. Trotz der guten Erlöse werden in den letzten Jahren die kalkulatorischen Erzeugungskosten nicht erreicht, so dass das Betriebszweigergebnis im Durchschnitt der ausgewerteten Betriebe negativ wird.

6. Fazit

Wer als Eiererzeuger in Deutschland ein befriedigendes Betriebsergebnis erzielen will, muss sich im Rahmen gesetzlicher Vorgaben gleichermaßen um die Minimierung der Produktionskosten pro Ei wie den Eiermarkt kümmern. Die einmalige Investition in ein bestimmtes neues Haltungssystem zahlt sich nur aus, wenn der Markt die produzierten Eier mit einer akzeptablen Marge abnimmt. Letztendlich entscheiden der Handel und der Endverbraucher, ob der höhere Aufwand für Freiland- und Bioproduktion honoriert wird. Der Einkauf von Junghennen einer bestimmten Herkunft aus einem Aufzuchtbetrieb mit passender Stalltechnik und Fütterung hilft, Risiken im Legebetrieb zu vermeiden. Gut geschultes und aufmerksames Stallpersonal sollte nicht nur die Technik beherrschen, sondern auch Zeit für die Beobachtung der Tiere haben, um ggf. frühzeitig auf Probleme zu reagieren. Im Übrigen ist zu hoffen, dass in Zukunft noch mehr Verbraucher die Gelegenheit nutzen, sich an „Offener Hof“ Aktionstagen über die tatsächlichen Produktionsbedingungen in der modernen Praxis zu informieren und beim Einkauf neben Datum und Preis auch Herkunftsunterschiede zu beachten.

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Kontakt

Michael Biallowons
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Fax: +49(0)69/24 788-112
m.biallowons(at)DLG.org

1. Tiere
2. Aufzucht
3. Rechtlicher Rahmen der Legehennenhaltung in Deutschland
3.1 Allgemeine Vorgaben
3.2 Spezielle Vorgaben
4. Managementempfehlungen
4.1 Haltung
4.2 Futter und Fütterung
4.3 Wasserbedarf der Legehenne
5. Wirtschaftlichkeit
6. Fazit