DLG e.V. - DLG-Merkblatt 382 - Das Tier im Blick – Tierwohl bei Zuchtsauen

DLG-Merkblatt 382: Das Tier im Blick – Zuchtsauen

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Autoren:

- DLG-Fachausschuss für Tiergerechtheit
– Prof. Eberhard von Borell, Dr. Dirk Schäffer, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg,
Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften
– Sven Häuser, DLG-Fachzentrum Landwirtschaft
– PD Dr. Dirk Hesse, Agrikontakt, Braunschweig

Was ist tiergerecht? Zur Beantwortung der Frage, ob eine Haltung dem Tier gerecht wird, muss von der Biologie der Tiere ausgegangen werden: von ihren Ansprüchen und ihrer Anpassungsfähigkeit gegenüber der Umwelt. Erfüllt die Haltung bestimmte Ansprüche der Tiere nicht, kann ihre Anpassungsfähigkeit überfordert werden. In der Folge kommt es zu Schmerzen, Leiden oder Schäden sowie einer Einschränkung des Wohlergehens der Tiere.

Die Ansprüche von Nutztieren und ihre Reaktionen, wenn die Ansprüche nicht erfüllt werden, sind nicht so deutlich zu erkennen wie beim „Fisch auf dem Trockenen“. Es gibt aber wissenschaftliche Methoden, ihre Ansprüche und eine überforderte Anpassungsfähigkeit zu erkennen. Mit diesen wird untersucht, ob sie ihre biologischen Funktionen aufrechterhalten können oder es etwa zu Erkrankungen oder Stressreaktionen kommt. Geprüft werden kann, ob die Tiere ihr arteigenes Verhalten zeigen können oder ob es zu starken Verhaltensabweichungen oder -störungen kommt. Getestet wird auch, ob physiologische oder Verhaltensreaktionen auf negative Empfindungen wie Schmerzen und Frustration hinweisen. Um ein vollständiges Bild der Auswirkungen einer Haltung auf die Tiere zu bekommen, müssen in der Regel mehrere Indikatoren berücksichtigt werden. Die Auswirkungen einer Haltung lassen sich also direkt anhand von derartigen tierbezogenen Indikatoren erkennen. Wie sich eine Haltung auswirkt, hängt dabei von vielen Faktoren ab. Grundsätzlich kommt es hier einerseits auf die Haltungstechnik an, beispielsweise auf die Ausgestaltung von Tränken oder auf die Bodenqualität. Andererseits spielt das Management eine entscheidende Rolle. Stimmt beispielsweise das Futter nicht, ist die Klimaführung schlecht eingestellt oder werden Fehler bei der Behandlung der Tiere gemacht, kann selbst ein ansonsten optimales Haltungssystem sich negativ auf die Tiere auswirken. Erkennen lässt sich dies nicht an der Haltungstechnik, sondern an den Tieren: an ihrem Verhalten und an ihrer Gesundheit.

Dieses Merkblatt gibt Hinweise, anhand welcher Indikatoren Sie an den Tieren erkennen können, ob alles in Ordnung ist und wo Haltungstechnik angepasst werden muss oder Sie ihr Management optimieren können. Zusammen mit den weiteren DLG-Merkblättern „Das Tier im Blick“ für Legehennen, Milchkühe und Pferde bilden die Ausführungen zu den Zuchtsauen eine Merkblattreihe, welche die Tierbeobachtung in den Vordergrund stellt. Sehen, Verstehen, Handeln – Tierhalter können mit diesen Hinweisen einfache Verhaltensabweichungen beim täglichen Stallrundgang deuten und somit frühzeitig entsprechende Maßnahmen einleiten.

7. Weiterführende Literatur

  • DLG-Merkblatt 385 „Fütterungsmaßnahmen zur Förderung des Tierwohls beim Schwein“ (2012)
  • DLG-Merkblatt 383 „Tiergerechtheit auf dem Prüfstand“ (2012)
  • DLG-Merkblatt 370 „Management großer Würfe“ (2012)
  • DLG-Merkblatt 359 „Fütterungstechnik in der Sauenhaltung“ (2010)
  • DLG-Merkblatt 346 „Kühlung von Schweineställen“ (2008)
  • SCHEEPENS et al. (2006): „Schweine Signale“, Landwirtschaftsverlag/ISBN 978-3-7843-3427-1
  • HOY (2007): Fruchtbarkeitsmanagement mit Hilfe von Checklisten prüfen. AVA, Nutztierpraxis aktuell, S. 58–63
  • ZIRON (2013): „Klauengesundheit bei Zuchtsauen“, DLG-Verlag/ISBN 978-3-7690-2022-9
  • aid-Heft  „Klauengesundheit beim Schwein“, aid 1581 (2011)/ISBN 978-3-8308-0929-6
  • QS Qualität und Sicherheit GmbH, Eigenkontrollcheckliste für die Schweinehaltung, Version (2014):   01.01.2014,    https://www.q-s.de/dokumentencenter/dc-lw-schweinehaltung.html
  • SCHÄFFER, D. (2014): Technopathien in der Sauenhaltung – Ohne Drücken und Zwicken. dlz primus Schwein 9/2014, 28–32/ISSN 2193-6129

8. Anhang

Checkliste Sauen - Teil I

Kontakt

Michael Biallowons
Servicebereich Marketing und Mitglieder
Tel.: +49(0)69/24 788-209
Fax: +49(0)69/24 788-112
m.biallowons(at)DLG.org

Inhalt

1. Einleitung    
2. Managementanforderungen an den Umgang mit Zuchtsauen    
3. Was kann das Verhalten über das Haltungssystem aussagen?    
    3.1    Ruhe- und Schlafverhalten    
    3.2    Fortbewegungsverhalten    
    3.3    Futteraufnahmeverhalten    
    3.4    Fortpflanzungs- und Geburtsverhalten    
    3.5    Sozialverhalten    
    3.6    Komfortverhalten    
    3.7    Ausscheidungsverhalten    
4. Erkennen und Vermeiden von Verhaltensabweichungen    
5. Äußeres Erscheinungsbild (Integument)    
6. Betriebliche Eigenkontrolle    
7. Weiterführende Literatur    
8. Anhang