DLG e.V. - DLG-Merkblatt 362 - Klauenpflegestände

DLG-Merkblatt 362: Klauenpflegestände

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Gliedmaßenerkrankungen sind in der Bundesrepublik die dritthäufigste Abgangsursache bei Milchkühen. In der bei weitem überwiegenden Zahl der Erkrankungen liegt die Ursache im Bereich des Unterfußes. Abgänge durch Klauenerkrankungen sind für die Betriebe aus ökonomischer Sicht nur die Spitze des Eisberges. Die Häufigkeit von Lahmheiten wird für die EU mit 25% angegeben. Bei durchschnittlichen Lahmheitskosten von 400 EUR beträgt der volkswirtschaftliche Schaden in der EU jährlich etwa 2 Mrd. EUR.

Neben Einflussfaktoren wie der Fütterung und Leistung der Tiere, der genetischen Veranlagung oder der Haltungsumwelt, hat die Klauenpflege einen maßgeblichen Einfluss auf die Klauengesundheit. Mit einer regelmäßigen (Richtwert 2 x pro Jahr) und sachgerechten Klauenpflege steht dem Landwirt ein wirkungsvolles Management-Werkzeug zur Förderung der Klauengesundheit zur Verfügung.

Um eine sachgerechte Klauenpflege durchführen zu können, aber auch, um die Arbeit beispielsweise gewerblicher Klauenpfleger einzuschätzen, sind Grundkenntnisse über die komplexe Struktur der Klaue und der Biomechanik notwendig. Grundlage ist ein Verständnis der Funktion der einzelnen Bauteile der Klaue und der Gliedmaßen. Nur wenn dieses Wissen vorhanden ist, lassen sich die Ziele der Klauenpflege verstehen.

Der Besuch von qualifizierten Klauenpflege-Lehrgängen bei den Lehr- und Versuchsanstalten oder anderen anerkannten Ausbildungsstätten (siehe Seite 17) kann daher nur ausdrücklich empfohlen werden. Dies gilt auch für Betriebe, die die Klauen-pflege nicht selbst durchführen wollen. Auch in diesen Fällen sind Notfälle, bei denen schnell gehandelt werden muss, nicht auszuschließen. Darüber hinaus kann der Landwirt nur mit dem entsprechenden Grundwissen die Arbeitsqualität des gewerblichen Klauenschneiders beurteilen.

Bei den heutigen Bestandsgrößen ist ein guter Klauenpflegestand für die Klauenpflege unabdingbar. Ein funktionsgerechter Klauenpflegestand sollte heute genau wie ein Melkstand zur Grundausstattung eines jeden zukunftsorientierten Milchkuhhalters gehören. Gemeinschaftsstände sind nicht mehr zeitgemäß, da ein unmittelbares Reagieren auf Klauenprobleme nicht möglich ist. Zudem wird bei betriebseigenen Klauenpflegeständen das Risiko der Erregerverschleppung bei infektiös bedingten Erkrankungen reduziert.

Der Klauenpflegestand soll, unabhängig von der Bauart, das Tier sicher fixieren. Maxime ist dabei immer die größtmögliche Reduzierung des Verletzungsrisikos für Mensch und Tier.

Gleichzeitig sollten die Klauen in eine für den Bediener günstige, erreichbare Arbeitsposition gebracht werden können. Abwehrbewegungen des Tieres beispielsweise, die nie auszuschließen sind, müssen in ihrer Schadensträchtigkeit begrenzt sein. Je aggressiver das eingesetzte Werkzeug (v.a. bei rotierenden Werkzeugen) arbeitet, desto sicherer muss der Fuß fixiert sein.

Autoren:

– Dr. Hans-Joachim Herrmann (Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, LLH)

- DLG-Ausschuss für Technik in der tierischen Produktion
- DLG-Ausschuss für Klauenpflege und -hygiene

Kontakt

Michael Biallowons
Servicebereich Marketing und Mitglieder
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