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Lust auf Markt
Begeisterung für die Landwirtschaft - Aufbruchstimmung bei Junglandwirten zu spüren - Hochkarätige Jahrestagung der Jungen DLG in Kiel
Mit insgesamt 450 Teilnehmern verzeichnete die Jahrestagung der Jungen DLG, die erstmals in Kiel in Schleswig-Holstein stattfand, eine außerordentliche Resonanz. „Landwirtschaft im Aufwind“ und „Aufbruchstimmung“ waren bei der diesjährigen Tagung zu spüren. Durch das erfreuliche wirtschaftliche Klima herrschte unter den zahlreichen jungen Unternehmern eine ausgesprochen positive Stimmung. Sie sind von den neuen Chancen für die Landwirtschaft überzeugt. Dazu trugen auch das hochkarätige Programm mit hervorragenden Referenten und ihren Botschaften sowie das stimmungsvolle Rahmenprogramm mit dem Begrüßungsabend auf Gut Rixdorf und dem Empfang am Sonnabend im Norwegenterminal am Hafen bei.
Signal für die junge Agrarbranche
Die Jahrestagung ist das jährliche Veranstaltungs-Highlight der Jungen DLG. Sie hat sich zum wichtigsten überregionalen Treffen für junge Unternehmer aus der Landwirtschaft und für Nachwuchskräfte aus der Agrarwirtschaft entwickelt. Die Kombination aus hochkarätiger Tagung zu aktuellen Themen, interessanten Betriebsbesichtigungen, spannenden Diskussionen und der Möglichkeit des intensiven Erfahrungsaustausches mit jungen Unternehmern aus ganz Deutschland macht diese Veranstaltung zu einer einzigartigen Plattform der gesamten jungen Agrarbranche. Die Begeisterung für die Landwirtschaft und die Aufbruchstimmung waren bereits beim Begrüßungsabend zu Beginn der Tagung auf Gut Rixdorf in der Nähe von Plön zu spüren, wie der Vorsitzende der Jungen DLG, Dr. Jörg Bauer, in seiner Begrüßung feststellte. Er wertete diese Begeisterung als Signal für die gesamte Agrarbranche. „Dies zeigt, dass die junge Landwirtegeneration von einer guten Zukunft der Landwirtschaft überzeugt ist“, so Dr. Bauer.
„Lust auf Markt“ - Kenntnis der Märkte ein wichtiger Erfolgsfaktor für Landwirte
Der Vorsitzende der Jungen DLG bezeichnete die Agrarmärkte inzwischen als so interessant wie nie zuvor. „Landwirte und vor allem Ackerbauern sind auf einmal wegen der knappen Rohstoffressourcen umworben“. Sie wären heute, so Dr. Bauer, „nicht mehr nur Produzent, sondern zugleich auch „Verkäufer und Händler“. Damit würden die Landwirte wieder eine wichtige Funktion mit übernehmen, die sie viele Jahre aus der Hand gegeben und damit Wertschöpfung eingebüßt hätten. Bei den jungen zukunftsorientierten Landwirten wäre deutlich „Lust auf Markt“ zu spüren. Bei aller Begeisterung mahnte Dr. Bauer seine jungen Unternehmerkollegen zugleich, die Entwicklung auf den Märkten sehr aufmerksam und kritisch zu verfolgen. Zuverlässige Information über die und Kenntnis der Märkte, um daraus Strategien und Erfolgsfaktoren für den eigenen Betriebe abzuleiten, gehörten heute zu den wichtigen Anforderungen von Unternehmern auch in der Landwirtschaft.
Märkte im Aufwind - Wertschöpfung steigt signifikant
Ein besonderes Highlight war die Vortragstagung im AudiMax der Universität Kiel mit den anschließenden Arbeitskreisen. Dafür sorgten hochkarätige Referenten mit ihren beeindruckenden Präsentationen und eine intensive Diskussion mit den Teilnehmern. Für Dr. Manfred Kern, den Leiter des globalen Bereichs Business Relations Bayer Crop Science in Monheim, werden die sich ändernden Marktverhältnisse für die Landwirtschaft neue Chancen bringen, „die mehr Gewinner als Verlierer hervorbringen werden“, erklärte er in seinem begeisternden Hauptvortrag. Erstmals seit Jahrzehnten steige die Wertschöpfung in der Landwirtschaft signifikant, betonte er. Die Politik in Deutschland müsse sich stärker der Agrarwirtschaft widmen, die sich zu einer Schlüsselindustrie der kommenden Jahre entwickeln werde. Abkehr von der Stilllegung und stattdessen Förderung von Effizienz und Produktivität, dies werde jetzt von der Politik erwartet. Von einem „Comeback der Agrarwirtschaft“ sprach der Chefökonom der DLG, Dr. Andreas Quiring, im zweiten Hauptvortrag. Er zeigte auf, wie sich die Betriebe in Zeiten schwankender Märkte weiter entwickeln könnten. Betriebliches Wachstum werde wie bisher zu den Unternehmensstrategien gehören, wobei nicht nur „Wachstum in der Größe, sondern vor allem in der Wertschöpfung künftig das Ziel ist“. In der stärkeren Verzahnung von der Landwirtschaft mit der Ernährungswirtschaft sieht Dr. Quiring einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfungssteigerung für die Betriebe. Als den wichtigsten Produktionsfaktor bezeichnete er Wissen und Können. „Know-how sowie wichtige Trends frühzeitig erkennen und sich darauf einstellen, das wird immer wesentlicher für eine erfolgreiche Betriebsentwicklung“.
Gute Ernte- und Preiserwartungen
Auf außerordentliches Interesse stieß im Anschluss an die Hauptvorträge der Arbeitskreis, der sich ausführlich mit Strategien für die Bereiche Getreide- und Ölsaaten und Fragen der Vermarktung befasste. Der übervolle Saal unterstrich die Aktualität der Vorträge und das hohe Informationsinteresse. Frank Gagel, Leiter Getreide des Handelsunternehmens Almos Alfons Mosel GmbH & Co. KG in Nittendorf bei Regensburg, erwartet eine durchschnittliche Ernte mit durchwachsenen Erträgen und attraktiven Preisen. „Diese sind jetzt schon höher als im Vorjahr“. Gemeinsam mit den anderen Fachleuten wurden steigende Preise prognostiziert. Die Vermarktung werde zur guten Preiserzielung in Zukunft noch wichtiger. „Hier kann man viel Geld gewinnen oder auch verlieren“, davon waren der Betriebsleiter von Gut Panker Heinrich von der Decken und der Börsen- und Handelsmakler Robert Theis überzeugt. Der Landwirt selbst habe es in der Hand, er müsse sich ständig informieren über die Preise und die Börsennotierungen als Bezugspunkt nehmen. „Die Beschäftigung mit dem Markt zahlt sich aus“, so von der Deckens langjährige Praxiserfahrung. Man müsse Spaß daran und Disziplin dabei haben, lautet seine Empfehlung.
Positive Signale am Milchmarkt
Für Dr. Karl-Heinz Engel, den Hauptgeschäftsführer der Hochwald-Milchwerke in Thalfang (Rheinland-Pfalz), zeigen sich auch für die Milch positive Perspektiven, wie er im Arbeitskreis Milcherzeugung berichtete. Der heimische wie der Weltmarkt bieten gute Chancen. Um sie zu nutzen, werden Innovationen benötigt, für die genügend Eigenkapital vorhanden sein müsse. Und hier sieht Dr. Engel die deutschen Genossenschafts-Molkereien schlechter ausgestattet als die internationalen Wettbewerber. Trotz der positiven Signale im Milchmarkt warnte er vor zu viel Euphorie hinsichtlich der Markt- und Preisentwicklungen. Dr. Engel räumte auch mit der in der Landwirtschaft weit verbreiteten Meinung auf, wonach „Milch Macht ist und mehr Milch mehr Macht bedeutet“. Tatsache sei heute, dass „Markt“, also der Zugang zum Kunden, entscheidend für den Erfolg einer Molkerei sei. Wie man auch in einem Nischenbereich erfolgreich sein kann, zeigte Josef Jacobi, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der Upländer Bauernmolkerei in Willingen (Nordhessen), auf. Ab diesem Juli zahle diese Molkerei für die Biomilch 40 Cent an die Landwirte.
Nach dem Ende der Milchquote werde die Milchviehhaltung insgesamt erheblich wettbewerbsfähiger, prognostizierte Hauke Hansen, Milcherzeuger aus Mecklenburg-Vorpommern und Mitglied im Arbeitskreis der Jungen DLG. „Die Investitionen gehen dann nämlich in die Produktion und nicht mehr in die Quote“, erklärte er. Vor der auslaufenden Quote habe er keinerlei Angst. Hansen, der einen beeindruckenden Familiengroßbetrieb mit Milchviehhaltung an verschiedenen Standorten in Norddeutschland und Mecklenburg bewirtschaftet, sieht sich für diese Zeit gut aufgestellt. Der Strukturwandel werde vor und nach der Quote weiter gehen. „Wer mit Quote nicht wachsen kann, wird es auch ohne nicht schaffen!“, betonte er. Die kleineren und mittleren Betriebe sieht er keineswegs im Aus, denn „viele dieser Betriebe, vor allem in Süddeutschland, haben ein hohes Eigenkapital und sind damit bei stärkeren Marktschwankungen stabil“.
Veredlungswirtschaft: weltweit steigende Nachfrage, aber Wachstum langfristig sichern
Auch für den Bereich Veredlung haben die Referenten und die Teilnehmer im entsprechenden Arbeitskreis für die Zukunft einen insgesamt positiven Ausblick gegeben. Die Märkte wachsen in diesem Produktbereich weltweit weiter. Allerdings zeigen sich für Deutschland Schwierigkeiten, denn die Produktion wächst hier schneller als die Vermarktungsstrukturen, wie Dr. Albert Hortmann Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und Dr. Heinz Schweer von VION in Zeven ausführten. Der deutsche Markt in der Schweineproduktion und die Schlachtindustrie müssen sich stärker und vor allem professioneller auf den Export einstellen und Exportstrukturen aufbauen, dies hat die Diskussion als ein Manko aufgezeigt. Auch die Politik muss sich dieses Themas intensiv annehmen, forderte Dr. Hortmann Scholten. Die Frage nach der Sicherheit tierischer Nahrungsmittel werde zudem über den Erfolg oder Misserfolg der Unternehmen im Markt entscheiden, betonte Dr. Schweer. „Die Schaffung integrierter Systeme zur nachhaltigen Sicherung der Qualitäten und zur konstanten Versorgung des Marktes mit Schweinefleisch gilt es voranzutreiben“.
Die größte Herausforderung für den Bereich Veredlung sahen die Teilnehmer darin, wie die Ressourcen Getreide und Futter für das zu erwartende Wachstum bei uns langfristig gesichert werden könnten. Denn Futter- und Energiekosten spielen im Bereich Veredlung eine große Rolle, die durchaus zum Wettbewerbsnachteil werden könnten, wenn die gestiegenen Kosten wie derzeit nicht an den Verbraucher weiter gegeben werden können.
„Maschinen volle Kraft voraus!“
Zu Beginn der Tagung hat der Vizepräsident der DLG, Helmut Ehlen, die Junge DLG als wichtigen Baustein für die Gestaltung der Zukunft der gesamten DLG bezeichnet. Durch sie erhalte die DLG viele Anregungen und neue Ideen. Mit ihrem Tagungsthema bringe die Junge DLG „die derzeitige Herausforderung auf den Punkt“. Es komme jetzt darauf an, dass der Landwirt zum einen „sich als Navigator im Klaren über den richtigen Kurs ist und dann alle Maschinen auf volle Kraft voraus stellt“, so Ehlen in Anspielung auf den seemännischen Tagungstitel.
Interessante Betriebsbesichtigungen
Den Abschluss bildeten parallele interessante Betriebsbesichtigungen. Ziele waren in diesem Jahr die Ölmühle Kiel der Raiffeisen Ölsaaten-Verarbeitungs GmbH, die Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG, die Wagrar GmbH, eine Kooperation von drei Ackerbaubetrieben, die Lehr- und Versuchsanstalt Futterkamp und Hof Moorhörn, ein Betrieb mit Ackerbau, Sauenhaltung, Himbeerplantagen und Hofcafé.

Die junge Agrarbranche kam in Scharen zur Tagung der Jungen DLG nach Kiel. Vollbesetzte Säle sind Zeichen für das attraktive Vortragsprogramm.
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