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„Grüne Revolution“ auf den Betrieben, in den Köpfen sowie in Politik und Verwaltung notwendig

Eine deutsche Antwort auf die globalen Herausforderungen

Carl-Albrecht Bartmer, Gut Löbnitz, Löbnitz a.d. Bode (Sachsen-Anhalt), Vorsitzender des DLG-Fachzentrums Land- und Ernährungswirtschaft, Mitglied im DLG-Vorstand

Carl-Albrecht Bartmer„Wenn die deutschen Landwirte unter den globalen Herausforderungen zukünftig bestehen wollen, dann ist eine ‚Grüne Revolution’ auf den Betrieben, in den Köpfen der Betriebsleiter sowie in Politik und Verwaltung notwendig.“ Dies erklärte Carl-Albrecht Bartmer aus Löbnitz a.d. Bode anlässlich der Unternehmertage der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) am 7. September 2005 in Magdeburg. Für den Landwirt aus Sachsen-Anhalt steht fest, dass in den Produktionsprozessen weiterhin die biologischen Leistungen gesteigert und die Kosten minimiert werden müssen. Darüber hinaus sind für ihn betriebliches Wachstum und vertikale Verbünde für zukünftige Erfolge unverzichtbar wie auch Innovationsfreude und der Einsatz neuer Technologien. Von Politik und Verwaltung erwartet er tatkräftige Unterstützung zur Stärkung der heimischen Wettbewerbsfähigkeit, denn bei erwarteten 40 Prozent mehr Weltbevölkerung im Jahr 2050 ergeben sich in den Augen von Bartmer nicht nur glänzende wirtschaftliche Aussichten für Nahrungsmittelproduzenten sondern auch eine große Verantwortung für die globale Ernährung.

Brasilien und Russland/Ukraine: Globalisierungsmaschine unter Volldampf

„WTO und andere handelspolitische Interessen erlauben immer weniger isolierte Wirtschaftsräume“, führt Bartmer weiterhin aus. Gegenwärtig sei ein rauer Wind zu verspüren, der in bisher befriedete Bezirke, wie zum Beispiel den Zuckerrübenanbau, hinein fährt. Mit reduziertem Importschutz und dem Verzicht auf Exportbeihilfen würden sich Weltmarktpreise und EU-Binnenpreise massiv annähern. Auch in den Haushaltsrestriktionen der europäischen Staaten sieht er in Zukunft weniger Spielraum für einen finanziellen Ausgleich von innereuropäischen Wettbewerbsnachteilen. Auf diesen globalen Märkten stünden mit Brasilien und Russland/Ukraine neue Sterne am Agrarhimmel. In diesen Ländern stehe die Globalisierungsmaschine unter Volldampf, so Bartmer. „Sie läuft schneller als wir gemeinhin dachten, sie brummt auf einem innovativen sowie qualitativen Niveau und droht uns, den Atem zu nehmen.“ Für den sachsen-anhaltinischen Landwirt stellt sich daher die Frage, ob das alte Europa vor Regionen wie dem Mato Grosso in Brasilien mit seinen zwei Ernten pro Jahr auf höchstem produktionstechnischen Niveau in teilweise gigantischen Betrieben mit einer beispielhaft dynamischen Unternehmerschaft oder der Schwarzmeerregion mit ihren unermesslichen Weiten und ihren niedrigen Kosten die Waffen strecken muss. Mit wohlwollenden Blicken auf das Vergangene sei es nach Ansicht von Bartmer jedenfalls nicht getan.

Das Drehen an kleinen Schrauben allein genügt nicht

Produktionskostenvergleiche bei allen Früchten zeigen, dass der Anspruch, sein Geld auf globalen Märkten als Kostenführer verdienen zu wollen, ohne Zuwendungen staatlicher Institutionen (EU-Agrarpolitik) und ohne einen gewissen Außenschutz der heimischen Märkte zur Zeit nicht möglich ist. Bei Getreide und Ölsaaten ist wegen der erheblichen globalen Nachfrage nicht zu erwarten, dass der Kostenführer allein diese bedienen kann. Hier wird die Photosyntheseleistung der gesamten Ackerfläche der Erde gebraucht. Im Unterschied zu den Kulturen Getreide und Ölsaaten wird für die Weltzuckerproduktion nur ein kleiner Bruchteil der Weltackerfläche benötigt, der durchaus von Rohrzuckerproduzenten wie Brasilien ausgefüllt werden könnte, weil für die Produktion von Zucker in diesen Ländern ausreichend Flächenkapazitäten mobilisiert werden können. Die Erfahrungen in den Ländern, die wir als neue Sterne am Agrarhimmel bezeichnen, verdeutlichen, dass unser Agrarstandort sein bisheriges Gleichgewicht aus gewachsenen Strukturen in einer nachhaltigen Kulturlandschaft mit hohen Festkosten und Bürokratie bei großer Verbrauchernähe neu austarieren muss. Allein mit dem Drehen kleiner Schrauben werden wir nicht erfolgreich sein. Und wir sollten schnell damit anfangen, denn die Dynamik dieser neuen globalen Spieler ist dramatisch.

Biologische Leistungen steigern - Kosten minimieren

Wenn man in Deutschland Betriebsvergleiche studiert, fällt auf, dass bei gleichen Rahmenbedingungen (natürlicher Standortraum, Stallsysteme) sowohl Erträge als auch Kosten drastisch differieren. Innovative Unternehmer erschließen durch Neugierde, aktive Kommunikation, Beratung, durch Denken in den Kriterien einer Pflanze oder eines Nutztieres sowie durch unkonventionelle Überlegungen Verfahren, die Ertrags- und Kostenrelationen optimieren. So erspart beispielsweise in hiesigen Trockengebieten eine erfolgreiche pfluglose Bodenbearbeitung nicht nur Kosten der Arbeitserledigung, sondern durch Wasserschonung kann auch das Ertragspotenzial gesteigert werden. Ein an den Bedürfnissen eines Tieres ausgerichtetes Stallsystem erhöht nicht nur biologische Leistungen, sondern verbessert die Futterverwertung und mindert Tierarztkosten. Erfolgreiches Kostenmanagement ist eng verbunden mit der persönlichen Disziplin und der Nähe des in der direkten Kostenverantwortung stehenden Unternehmers zu den Prozessen. Die Auswahl der richtigen Technologie sollte bei Investitionen stets vom Antrieb der Minimierung von Arbeitskosten und nicht von anderen sinnlichen Motivationen wie Technikverliebtheit getragen sein. Für diese Denkweise ist die gesamte Mitarbeiterschaft zu motivieren.

Wachstum weiterhin notwendig

Der Blick auf unsere globalen Wettbewerber zeigt, dass kleine Sprünge im Strukturwandel (zur Zeit drei Prozent der Betriebe im Westen und nahezu keiner im Osten) vermutlich nicht reichen und selbst arrivierte Großbetriebe im Osten wachsen müssen. Wachstum durch verschärften Strukturwandel ist natürlich verbunden mit dem Ausstieg aus der aktiven Landwirtschaft. Als realistischer Unternehmer habe ich gedanklich immer eine Trennung zwischen meinem Vermögen und der sinnvollen Nutzung meiner Arbeitskraft zu treffen, da auch für den Landwirt das eine nicht notwendigerweise mit dem anderen verbunden ist. Somit geht es nicht um Weichen oder Versagen, sondern um schlichtes Erzielen einer besseren Verzinsung für das Vermögen und den erfolgreichen Einsatz der freigewordenen Arbeitskapazität. Dies ist der erfolgversprechendere Weg zum generationsübergreifenden Erhalt von Hof und Feld in und für eine ländliche Kulturlandschaft.

Die Vergrößerung der Betriebseinheit ist ein wesentlicher Pfad zur Kostensenkung

Die Vergrößerung der Betriebseinheit, der Ackerfläche oder des Stalles ist ein wesentlicher Pfad zur Kostensenkung. Damit können vorhandene Technologien besser ausgelastet werden (Schichtbetrieb), und es eröffnen sich Möglichkeiten zur Nutzung von Größendegression und Effizienzgewinnen (Arbeitsbreiten, N-Sensor, Fütterungs- und Melksysteme). Viele Zukunftstechnologien und technisch-organisatorische Errungenschaften werden Kleinbetrieben aus Kostengründen direkt verschlossen bleiben. Hier bestehen allerdings Möglichkeiten, Lohnunternehmer oder andere Dienstleister in Anspruch zu nehmen. Vergrößerung der Betriebseinheiten macht innerbetriebliche Arbeitsteilung möglich, jeder tut, was er am besten kann, und last but not least ist der Zuwachs von Marktgewicht für Bezug und Absatz bei zunehmender Konzentration der Handelspartnerseite unverzichtbar.

Kooperationspartner werden nicht auf dem Silbertablett präsentiert

Wachstum kann im Einzelunternehmen durch Pacht oder Kauf - meist ein zu teurer Weg - oder durch Kooperation bzw. aktive Bewirtschaftung erreicht werden. Dabei spielt die kommunikative Aufgabe eine große Rolle. Denn Kooperationspartner werden selten auf dem Silbertablett präsentiert, sondern sind über langfristige Begleitung und Vertrauensbildung zu gewinnen. Die Suche von Partnern ist ein Kampf gegen die Uhr, denn nur die antizipierenden Unternehmer werden zu den stärksten Partnern kommen und eine Struktur entwickeln, weitere Partner aufzunehmen. Zusammenarbeit funktioniert bei klaren gemeinsamen Zielvorstellungen, Aufgabenverteilungen und bei Vertrauen (das verlangt Transparenz). Kooperation ist wirtschaftlich erfolgreich, wenn es gelingt, innerbetriebliche Bürokratie klein zu halten.

Wachstum durch neue Geschäftsideen

Wachstum ist nicht nur die Addition von Wirtschaftseinheiten (ha oder Stallplätze), sondern kann zusätzlich oder auch ausschließlich durch neue Geschäftsideen möglich sein. Der Anbau und die zusätzliche Wertschöpfung mit Spezialprodukten statt Commodities, beispielsweise in der Magdeburger Börde mit Zwiebeln, Gemüse, Gewürzen usw., demonstriert engagiertes Unternehmertum.

Vertikale Verbünde: Faire Verteilung von Wertschöpfungsanteilen in der Kette

Wertschöpfung findet üblicherweise nicht allein in einem Unternehmen statt, sondern in einer arbeitsteilig organisierten vertikalen Reihe von Verarbeitungsstufen. Solche Wertschöpfungsketten haben, wenn sie gut organisiert sind, den Vorteil, mit minimalen Transaktionskosten und hoher Wertschöpfung den Weg direkt zum Kunden zu finden. Produkte definierter Herkunft und Qualität, orientiert am Verbraucherinteresse und an der Wirtschaftlichkeit der gesamten Kette, sind ein Wettbewerbsvorteil gegen global gehandelte Massenware und helfen auch der Urproduktionsstufe Landwirtschaft, Nutzen aus dem größten und kaufkräftigsten Konsumentenmarkt der Welt zu ziehen. Voraussetzung ist die faire Verteilung von Wertschöpfungsanteilen in der Kette und ein unbürokratisch organisierter Prozess, in dem jede Stufe abgestimmt auf die nachgelagerten Verfahren das macht, was sie am besten kann.


Auch uns täte etwas mehr unkonventionelles, anpackendes Denken gut

Die Wertschöpfungskette ist das Ende des nach betrieblicher Autarkie strebenden freiheitsliebenden Einzelkämpfers. Ob als landwirtschaftlicher Unternehmer in einer Wertschöpfungskette integriert oder nicht, das Beziehungsgeflecht zu seinen horizontalen und vertikalen Wirtschaftspartnern ist eines der wesentlichen Erfolgsfaktoren, es ist sein Kapital! Hier sind Kommunikations- und Managementfähigkeiten eines Geschäftsmanns gefordert: Fairness nicht „Bauernschläue“, Motivationsfähigkeit und nicht Eigenbrötlerei. Als wir im Februar Brasilien bereisten, waren wir beeindruckt von den Unternehmertypen, die wir dort trafen: begeisterter Optimismus, pragmatischer Pioniergeist, hervorragende Qualifikation und Professionalität. Auch uns täte etwas mehr unkonventionelles, anpackendes Denken gut, zum Beispiel bei der Bereinigung von Feldstrukturen, indem wir nicht zuerst nach Flurbereinigungsbehörden sowie deren Vermessungstrupps mit Kosten und über 10-jährigen Fristen rufen, sondern wie in den kurzen Aufbruchsjahren nach 1990 in den neuen Bundesländern, selbstorganisierten Pflugtausch betreiben.

Innovationsfreude und neue Technologien

Auch in den verschlammtesten Randzonen des Urwaldes in Brasilien nutzen die Landwirte modernste Technologien: in der Landtechnik (zum Teil mit Entwicklungsvorsprung, weil die großen Anbieter diesen riesigen Käufermarkt erkannt haben); in der Büroorganisation mit Internet-Verbindungen zu allen Börsen und Informationen der Welt; mit Telekommunikation, die global mitten im Busch funktioniert; mit Saatgut, das mit modernsten Tischauslesern bearbeitet wird; mit einem pragmatischen Umgang mit Biotechnologie und Embryotransfer sowie mit einer Integration in modernste Schweine- und Geflügelzuchtprogramme. Die Vorstellung, die neuen globalen Spieler hätten zwar hervorragende natürliche Rahmenbedingungen und Faktorausstattungen, aber den Technologievorsprung der „alten Welt“ würden sie in Jahren nicht aufgeholt haben, diese Vorstellung wird bei näherem Hinsehen auf den Kopf gestellt. Technologie ist überall verfügbar und auch das Kapital, sie zu kaufen und hervorragend zu nutzen.

Interessierter und verantwortungsbewusster Umgang mit Zukunftstechnologien

Wenn wir als Landwirte gentechnikfreie Zonen ausweisen, geben wir damit das vollkommen falsche Signal. Zum Beispiel züchterischer Fortschritt mit dem Ergebnis herbizidresistenter und winterfester Zuckerrüben mit mehr Ertrag und längerer Kampagnedauer könnte die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Zuckerproduktion grundlegend verändern. Interessierter und verantwortungsvoller Umgang mit Zukunftstechnologien sollte unsere Botschaft sein. Damit würden wir an gute landwirtschaftliche Traditionen gerade auch in der hiesigen Landschaft anknüpfen, an unsere Vorväter, die im 19. Jahrhundert durch den Bau von Zuckerfabriken, Braunkohlentagebau, Dünge- und chemischen Fabriken, Verkehrsinfrastruktur, Mühlen etc. einen unvergleichlichen agroindustriellen Aufschwung initiiert haben. Der Innovationsgeist dieser Gründergeneration sollte uns anspornen.

Fortschritt bekommen wir allerdings nur bei einem angemessenen Schutz des geistigen Eigentums. Die ganze unselige Diskussion um Nachbaugebühren bei Selbstbefruchter-Saatgut offenbart kurzfristiges Trittbrettfahrer-Denken mit der Konsequenz, dass Zuchtfortschritt mittelfristig nur noch eingeschränkt zur Verfügung steht. Hier sind wir als Berufsstand gefordert.

Eine wettbewerbsfähige Agrarwirtschaft funktioniert nur in enger Kooperation mit einer anwendungsorientierten Forschung

In Brasilien haben wir mit der Mato Grosso Stiftung eine Forschungs- und Züchtungseinrichtung kennen gelernt, die von Landwirten, Züchtern und Industrie privat finanziert wurde. Auf höchstem Niveau mit glänzendem Personal wird anwender- und standortorientiert mit der Zielrichtung Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit geforscht. Agrarforschung in Deutschland steht in einer schwierigen Situation von Finanzierung und Wahrnehmung. Anreizsysteme in der Berufungspolitik führen zu Spezialisierung und zu Forschungsrichtungen, die ihre Expertise häufig mehr in Veröffentlichungen in hochkarätigen wissenschaftlichen Journalen nachweisen als in ihrer Fortschrittswirkung auf dem Acker oder im Stall. Eine wettbewerbsfähige Agrarwirtschaft funktioniert aber nur in enger Kooperation mit Forschung, anwendungsorientierter Forschung, inspiriert von den tatsächlichen betrieblichen Knappheitsverhältnissen, die Forscher möglichst hautnah wahrnehmen sollten. Hier entstehen „Impulse für den Fortschritt“.

Nationale Rahmenbedingungen haben einen Preis in Form von Wohlstand und Arbeit

Es ist selbstverständlich, dass ein Land wie Deutschland politische Ziele verfolgt. Aktuell können wir ja allseits den Markt der Möglichkeiten studieren. Mit Recht definiert der Souverän Kulturlandschaften und Standards (von der Einkommensverteilung über Klimaschutz, Umwelt bis zu guter fachlicher Praxis und Baurecht). Eine Volkswirtschaft im globalen Wettbewerb kann allerdings nicht Ziele verändern und annehmen, dass alles andere gleich bleibt (Ceteris paribus). Nationale, Kosten verursachende Rahmenbedingungen verändern die Wettbewerbsfähigkeit und haben somit einen Preis in Form von Wohlstand und Arbeit. Ehrlich wäre, diesen Preis bildhaft an jedes Feuchtbiotop, an jede Bauverordnung oder Tierhaltungsrichtlinie zu heften, um dem Souverän einen transparenten Abwägungsprozess zu ermöglichen. Dabei wird man sicher zu regional sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen, die demnach auch regionalisierte Regelungen nach sich ziehen müssten - eine Chance für bevölkerungsschwache Regionen, zum Beispiel in den neuen Bundesländern! Das ginge auch an der Verwaltung nicht spurlos vorüber, die neben ihrem sicherlich weiter wichtigen hoheitlichen Kontrollauftrag ihre Kernaufgabe als Dienstleister für unternehmerische Landwirte wahrnehmen wird.

Agrarpolitik ist Wirtschaftspolitik!

Agrarpolitik muss sich an ihrem Beitrag zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit ihres Sektors messen lassen. Die Agrar- und Ernährungswirtschaft, die sich an die raue Wirklichkeit der Märkte anpasst, braucht eine politische Begleitung und Rahmenbedingungen, die sie unterstützt. Sie versteht sich als Teil der übrigen Wirtschaft mit allen Rechten und Pflichten, die verantwortungsvoll und nachhaltig natürliche Ressourcen nutzt, die das Ziel hat, heimische und globale Konsumenten mit Produkten hervorragender Qualität zu niedrigen Preisen zu versorgen und so ihren Teil zum gesellschaftlichen Wohlstand beizutragen. Der brasilianische Landwirtschaftsminister Rodriguez versteht sich als Exportminister und wird nicht müde, die Leistungsfähigkeit seiner Landwirtschaft und die Qualität seiner Produkte weltweit anzupreisen. Wir haben den Autokanzler. Als weltgrößter Agrarexporteur stände es der Agrarpolitik gut an, globales Marketing für ihre Produkte zu betreiben und selbstbewusst festzustellen, dass sie über einen bedeutenden Teil des Brotkorbs der Welt verfügt.

Ackerfläche wird vermehrt zur Erzeugung von Energie benötigt

Heute Morgen notierte der Ölpreis bei über 70 $/Barrel Rohöl. Auf einem hiesigen Weizenfeld wachsen durchschnittlich 80 dt Getreide. Man kann auch sagen 3.200 Liter Heizöl, die heute Morgen einen Wert von 1.800 EUR haben - ohne Beihilfen! Ob Landwirte die Ölscheichs von morgen werden, darüber bin ich mir nicht sicher. Dass aber, egal wo und mit welchem Ausgangsprodukt, Ackerfläche vermehrt zur Erzeugung von Energie beansprucht wird und damit nicht zur Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung steht, ist klar. Bei 40 Prozent mehr Weltbevölkerung in 2050 ergeben sich nicht nur glänzende wirtschaftliche Aussichten für Nahrungsmittelproduzenten, sondern auch eine große Verantwortung für die globale Ernährung. Die verlangt tatsächlich eine neue „grüne Revolution“, wie die in den 60er Jahren von der FAO und der Weltbank initiierte, und am Ende sind wir im Sinne des Weltfriedens vielleicht froh, dass neue Sterne am Agrarhimmel aufgegangen sind.

 
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