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Strategische Entscheidungen in der Milcherzeugung
Die Weichen für die nächsten 10 bis 15 Jahre richtig stellen
Günther Friedrich, Landwirt, Hofgeismar-Hombressen (Hessen)
Für den Milcherzeuger Günther Friedrich aus Hofgeismar-Hombressen stellt das Formulieren von betriebswirtschaftlichen und persönlichen Zielen eine wesentliche Grundlage für strategische Entscheidungen dar. Betriebswirtschaftliche Ziele sieht der nordhessische Landwirt, der im Rahmen der DLG-Unternehmertage am 2. September 2003 in Kassel zum Thema "Strategische Entscheidungen in der Milcherzeugung" referierte, vor allem in der Werterhaltung und Weiterentwicklung seines Betriebes, um ihn für nachfolgende Generationen interessant zu halten. Darüber hinaus sei ein Arbeitskräftebesatz vorzusehen, der den Anspruch auf Freizeit berücksichtige. Zu den betriebswirtschaftlichen Zielen zählen seiner Meinung nach auch, dass der Gewinn wegen der Privatentnahmen und der notwendigen Eigenkapitalbildung in Zukunft mindestens gehalten werden müsse und das in seinem persönlichen Fall der Betrieb als Bestandteil von Kulturlandschaft und Gesellschaft noch stärkeres Gewicht bekomme.
Persönliche Ziele zu formulieren, hält Friedrich für besonders wichtig. Diese zu erreichen, würde erst zur menschlichen Zufriedenheit führen. "Wirtschaftliche Absicherung und Spaß an der Arbeit gehören zum Fundament, die intakte Familie und Gesundheit bauen auf das Fundament und sind das Stockwerk in dem man lebt." Darüber hinaus sieht der nordhessische Milcherzeuger in der Akzeptanz der Gesellschaft für sein Tun und Handeln sowie in der Übernahme ehrenamtlicher Tätigkeiten weitere Faktoren, die die menschliche Zufriedenheit bereichern bzw. erweitern können.
Friedrich führte weiterhin unter anderem Folgendes aus:
Wenn man Weichen stellen will, muss man auch das Ziel kennen, zu dem der Weg führen soll
Als mein Großvater und mein Vater 1968 aus dem Ort Hombressen mit 11 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche und 5 oder 6 Kühen aussiedelten, stellten sie die Weichen für eine Fortführung der Landwirtschaft, da sie im Ort keine Zukunft gehabt hätten. Eine Generation weiter stellten meine Eltern und ich mit dem Bau des Boxenlaufstalles im Jahr 1983 wieder die Weichen für die Zukunft. Somit haben wir in der zurückliegenden Zeit die Weichen mit Produktions- und Produktivitätserhöhung gestellt.
Wir, das sind meine Frau, meine Eltern, drei Kinder und ein Angestellter, bewirtschaften heute einen Betrieb mit einer Flächenausstattung von 112 ha, davon 52 ha Grünland. Der Ackerbau besteht aus ca. 30 ha Mais und 30 ha Winterweizen. Der Betrieb hat einen hohen Pachtanteil, liegt im Realteilungsgebiet (Æ 2 ha Acker, 3,5 ha Grünland Schlaggröße), 40 bis 80 Bodenpunkte. Die Milchquote beträgt 920.000 kg/460.000 kg gepachtet. Der Viehbestand liegt bei 115 Kühen plus Nachzucht. Es wurden 8.500 kg Milch pro Kuh abgeliefert. Der Arbeitskräftebesatz liegt insgesamt bei 3 AK (Betriebsleiter, Ehefrau, Angestellter, Altenteiler, Aushilfen).
Ich komme nun zu den Stärken und Schwächen des Betriebes und Betriebsleiters. Grundsätzlich sind hier die Ansichten sehr persönlich und somit unterschiedlich in der Beurteilung von positiv bis negativ.
Stärken des Betriebes
Die Stärken des Betriebes und des Betriebsleiters sind:
- Gute räumliche Erweiterungsmöglichkeiten des Betriebes
- Einzelhoflage (1 km vom Ort entfernt). - 1100 ha Gemarkung (2 Vollerwerbsbetriebe, 40 bis 50 Nebenerwerbsbetriebe) machen eine Flächenerweiterung möglich. - Bodenpunktzahl von bis zu 80 Punkten, Niederschläge bis zu 750 mm/Jahr und eine Durchschnittstemperatur von 7,5°C, sind eine gute Grundlage. - Landwirtschaftliches Gebiet, keine Stadtnähe. - Hoher Grünlandanteil prädestiniert für Milchviehhaltung, macht aber auch unsere Landschaft reizvoll.
- Hohe Kooperationsbereitschaft
- Siliergemeinschaft mit 4 Betrieben. - Maschinengemeinschaften mit 4 Betrieben. - Lohnarbeit für einen befreundeten Betrieb. Durch diese Teilkooperationen erreichen wir eine gute Maschinenauslastung und sind flexibel, was besonders für die Grassilageernte von Vorteil ist
Durch die Anstellung eines festen Mitarbeiters, wurde uns die Entscheidung, den Außenbetrieb auszulagern, abgenommen, und wir liegen bei den Arbeitserledigungskosten unter dem Lohnunternehmer- bzw. Maschinenringsatz.
Mitarbeiterführung: Es bereitet Freude, in einem "Team" zu arbeiten. Seit 1989 wurden auf unserem Betrieb 15 Lehrlinge ausgebildet, und seit zwei Jahren haben wir einen sehr fähigen festen Mitarbeiter angestellt.
- Die kritische Betriebsanalyse mit Hilfe von externer Beratung ist bei uns seit vielen Jahren integriert, und seit drei Jahren sind wir einer Betriebsberatung angeschlossen, die ausschließlich von Landwirten getragen wird. In einer Gruppe von 20 Milchviehbetrieben wird versucht, die Produktionstechnik mit Hilfe eines Arbeitskreises zu verbessern.
Betriebswirtschaftliche Erfolge werden versucht, über Einzelbetriebsauswertung und Arbeitskreisseminare mit Gruppenvergleich zu erzielen.
Zeit für Familie und Ehrenamt: Diesen Punkt hat unser Betriebsberater Jochen Ackermann eingebracht. Er meint, es wäre eine Stärke von mir, dass ich eine gute Balance finden würde für Familie, Betrieb und Ehrenamt. Meine Kinder und meine Frau sehen das allerdings oftmals anders.
Schwächen des Betriebes
- Schwache Finanzkraft aufgrund des hohen Pachtanteils an Milchquote und Fläche.
- Noch zu hohe Produktionskosten, Einsparungspotenzial von 2 Cent/Liter Milch halte ich für möglich.
- Arbeitsfalle bei Ausfall der Altenteiler sehe ich gegeben, da mein Vater bereits über 70 Jahre alt ist.
Die Analyse und Auswertung der Stärken und Schwächen sehe ich als Grundvoraussetzung für eine betriebliche Zukunftsplanung.
Was verändert sich in der Zukunft?
- Der Strukturwandel in der Landwirtschaft erhöht sich, d.h. die Möglichkeit der Flächenübernahme besteht, die Milchquotenpreise werden sinken.
- Der technische Fortschritt geht weiter, die nächste Generation an Technik mit Melkrobotern, großen Melkständen und Melkkarussellen ist praxisreif.
- Absenkung der Interventionspreise für Milch mit gleichzeitiger Prämienzahlung ergibt ein Minus von ca. 3 Cent/Liter, welches durch Kosteneinsparungen bei den Quotenkosten von 4 auf 2 Cent und den bereits erwähnten Produktionskostensenkungen von 1 bis 2 Cent ausgeglichen werden könnte.
Szenarien für die betriebliche Weiterentwicklung
Szenario 1: Die Produktion optimieren
Wachstum des Betriebes im Rahmen der jährlichen Milchleistungssteigerung von ca. 250 Litern/Kuh. Die Vorteile wären, dass diese Entwicklung sehr risikoarm ist und wenig Kapital benötigt. Die Nachteile liegen in der geringen Produktivitätserhöhung und darin, dass sich die Ausgangssituation gegenüber den übrigen Betrieben verschlechtert, d.h. Stillstand ist gleich Rückschritt. Die Gewinnerhöhung würde für eventuell zusätzlich benötigte Arbeitskräfte ausreichen (+ 17.000 EUR pro Jahr).
Szenario 2: Vorhandene Färsenplätze mit Kühen belegen und auf 150 Milchkühe aufstocken. Färsenaufzucht teilweise auslagern. Den AK-Besatz beibehalten bzw. um Hilfskräfte erweitern.
Die Vorteile liegen in der Erhöhung der Produktivität, weil das Füttern geringfügig länger dauern würde und die Vor- und Nacharbeiten beim Melken nicht zusätzlich anfallen. Um diese Aufstockung zu finanzieren, würde relativ wenig Kapital benötigt. Die Nachteile liegen darin, dass der technische Fortschritt nicht voll genutzt und bei der Produktion weiterhin mit Kompromissen gearbeitet würde, zum Beispiel kein großer Vorwarteraum beim Melken und weiterhin ein kleiner Melkstand. Der erwartete Gewinn würde ca. 41.000 EUR pro Jahr betragen.
Szenario 3: Neubau für 250 Kühe. Die Nachzucht wird im Altgebäude untergebracht. Eine zweite Fremdarbeitskraft müsste eingestellt werden.
Die Vorteile liegen in der deutlichen Erhöhung der Produktivität und in der vollen Ausnutzung des technischen Fortschrittes. Die Nachteile sehe ich in dem sehr hohen Kapitaleinsatz und dem damit verbundenen hohen Unternehmerrisiko. Der erwartete Gewinnzuwachs würde ca. 45.000 EUR pro Jahr betragen.
Die Gewinnzuwächse in den Szenarien 2 und 3 sind fast gleich hoch. Damit würde ich mittelfristig, d.h. in den nächsten 5 bis 10 Jahren, den Zwischenschritt auf 150 Kühe bevorzugen. Langfristig muss man mit der Variante 3 planen. Viele Vorteile aus betriebswirtschaftlicher und arbeitswirtschaftlicher Sicht würde eine Kooperation bringen, zum Beispiel geringerer Kapitaleinsatz und geteiltes Unternehmerrisiko. Mit einer Kooperation könnte man sehr schnell mit Variante 2, d.h. einer Herde von 150 bis 170 Kühen, beginnen und anschließend mit Variante 3 durch einen gemeinsamen Neubau die Produktivität deutlich steigern.
[Präsentation ]
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